15.01.2018 - 17:14 Uhr
NabburgOberpfalz

Sven Kemmler gibt besondere Nachhilfestunde im Nabburger Schmidt-Haus Alles Englisch oder was?

Von Holger Stiegler

Sven Kemmler gönnte sich und den Zuhörern im Schmidt-Haus eine Tour de Force durch das Wesen und Unwesen der englischen Sprache.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Nabburg . So könnten also Englischstunden auch ausschauen. Sie tun es aber in der Regel nicht. Als Englischlehrer ist man darüber wahrscheinlich froh, Schüler mögen es bedauern. Und für das Publikum im Schmidt-Haus ist es am Samstag eine gelungene Veranstaltung, wenn Sven Kemmler mit seinem Programm "Englischstunde - To fuck or not to be" auf der Bühne steht.

Konzentriertes Zuhören

"Wie basteln wir uns in zehn Minuten eine Fremdsprache?" Das ist das Motto, mit dem sich Kemmler der englischen Sprache annähert - auf eine ungewohnte, manchmal überraschende und irgendwie doch ganz logische Art und Weise. Kemmler kommt aus dem Poetry-Slam, seine Art des Agierens auf der Bühne, das vor allem auf Sprache ausgelegt ist, unterstreicht dies. Das ist bei weitem nicht schlecht, fordert aber auch die Zuhörer heraus - nämlich zum konzentrierten Zuhören, sonst läuft man Gefahr den Anschluss zu verpassen. Denn irgendwie ist es eine große - und gelungene - Melange aus Fremdsprachenvermittlung, Politikunterricht, Kulturgeschichte und natürlich großer Literatur, die Kemmler zu einem Programm gebaut hat.

Der 49-Jährige ist ein Spieler - mit Sprache, Dialekten, Formulierungen, Jargons. Und so nimmt er die Zuhörer mit ins Thai-Englisch, das nicht nur ohne "r", sondern auch ohne das Aufeinanderfolgen von zwei Konsonanten auskommt.

Höchst amüsant gestalten sich die Ausführungen über Kaffee und gebratenen Reis, ja sogar Kants Kategorischer Imperativ erscheint im Thai-Englisch als die einfachste und leicht formulierte Weisheit. Alles kein Problem oder eben kein "pompem", wie es im Thai-Englisch heißt. Kemmler nimmt die Zuhörer mit zu den Absurditäten der Englischübersetzungen der Deutschen Bahn und widmet sich ausführlich der HipHop-Sprache "Urban American": Eindrucksvoll belegt er, wie mit einiger einzigen Vokabel - dem "F"-Wort des Programmnamens - ganze Dialoge entstehen können, nur weil das Wort anders betont und ausgesprochen wird. Und ihm gelingt es auch noch, einen "Urban American"-Text ins Deutsch der Luther-Bibel zu übertragen und aus dem Rapper Ice-Cube den "schlimmen Gesellen Eiswürfel" zu machen. Eine Variation der englischen Sprache, die es Kemmler angetan hat, ist auch das Südstaaten-Englisch ("Southern"). "Südstaaten, das ist so etwas wie die Dritte Welt, in der alle dick sind", gibt er auch noch etwas geographische Nachhilfe. Seine Einschätzung, wonach gerade das "Southern" die wohl beste Sprache zum Predigen ist, untermauert Kemmler mit einer hinreißenden Performance, von der man gerne noch etwas mehr gehabt hätte.

Helles vertreibt Dunkelheit

Italienisches, japanisches und natürlich das Englisch aus Oxford streift Kemmler an diesem Abend ebenfalls. Auch verdeutlicht er akustisch, dass man Sportarten wie Basketball eigentlich nur in englischer Sprache kommentieren könne. "Etwas zu kontrastieren hätte aber auch seinen Reiz", stellt er fest und versucht sich in einer Basketball-Reportage im Englisch der Schotten - mal ganz ohne Tempo, Emotionen und Leidenschaft. Herrlich!

Eine Zugabe gibt es auch, in der Kemmler zum Kern der bayerischen Sprache vordringt und erkennt, dass Dracula und Frankenstein dem Dialekt entzogen sind. Denn gruselig sein kann das Bayerische nicht: "Im Bayerischen vertreibt das Helle - ich spreche vom Getränk - die Dunkelheit!"

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