03.07.2017 - 14:36 Uhr
NabburgOberpfalz

Themenabend "Hus und Luther" in der Remise Geburt einer neuen Zeit

Die neue Lehre kam nur unter schweren Geburtswehen in die Welt. Als sie da war zeigte sich, dass es einen hellsichtigen Vorläufer gegeben hatte. Davon kündete ein Abend in der Remise, bei dem auch ein seltenes Instrument vorgestellt wurde.

Gesanglich unterstützt wurde Helene von Rechenberg (links) von Christina Götz (rechts). Bilder: Dobler (7)
von Thomas Dobler Kontakt Profil

Die Remise, die "Kultur hinter'm Rathaus" von Franz Grundler, brachte als spezifisches Angebot im Reformationsjahr 2017 die Veranstaltung "Hus und Luther", die vier verschiedene Schwerpunkte aufwies. Zentrales Stück des Themenabends war der Vortrag des ehemaligen Nabburger Gymnasiallehrers Karl Kirch, der durch viele geschichtliche Beiträge die Stadt immer wieder bereichert. Als Vorstandsmitglied des Evangelischen Bildungswerkes und begeisterter Förderer deutsch-tschechischer Themen ging er unter dem Titel "Sola scriptura - die Bibel, die Kirche und die Ketzer" besonders auf die Bedeutung von Jan Hus als Frühreformer und dessen Einfluss auf Martin Lutther ein. Begleitend dazu war die Ausstellung "Hussitica" zu besichtigen.

Hus und Luther als Ketzer

"Jan Hus und Martin Luther waren Ketzer und galten es für die katholische Kirche noch lange, bis ins 20. Jahrhundert", betonte Kirch. Als Martin Luther einmal sagte, er sei ein Hussit, meinte er damit laut Kirch "ich bin nicht der einzige, nicht der erste, der widerspricht und es wagt, die Lehre der Kirche in Frage zu stellen". Denn es hatte schon immer andere vor Luther gegeben, die die Bibel als Richtschnur genommen hatten, um gegen die Lehre und die Praxis der Kirche zu protestieren.

Die Protestanten sprechen von "Vorreformatoren". Kirch verwendete lieber das mittelalterliche Wort "Ketzer". Die Geschichte der Ketzer beginnt früh. Sie beriefen sich immer auch oder nur auf die Bibel. "Von Eugen Drewermann stammt der Hinweis, dass schon die alttestamentarischen Propheten, die sich auf das Wort Gottes beriefen und damit die Mächtigen ihrer Zeit herausforderten, zu dieser Geschichte mutiger Frauen und Männer gehörten", so der Referent. Das Schicksal dieser Ketzer war in der Regel das gleiche: Sie wurden bekämpft, verfolgt und verbrannt.

Beide, Hus und Luther, hätten sich auf ihren ganz persönlichen Glauben und auf ihr Gewissen berufen. "Das war für die mittelalterliche Kirche eine absolute Ketzerei. Die Kirche war der Meinung, sie allein verfüge über die Wahrheit und den Zugang zu Gott." Diese Ketzer jedoch fanden ihren Weg zu Gott ohne Vermittlung der Kirche, sie setzten auf ihre eigene, persönliche Theologie, sie hielten ihren persönlichen Glauben für unmittelbarer und wahrer als das, was ihnen die Kirche sagte. Sie bedienten sich beim Lesen der Bibel ihres eigenen Verstandes, sprachen von ihrer eigenen Gotteserfahrung und folgten ihrem eigenen Gewissen. Damit wurden sie mündige, unabhängige und emanzipierte Christen.

Keine objektive Wahrheit

"Inzwischen denken wir alle - auch viele Katholiken - in ihrer Nachfolge wie sie", versicherte Kirch. "Es gibt keine objektive Wahrheit über Gott, es gibt nur subjektive Gotteserfahrungen und subjektive Gottesbilder". Widerspruch und Empörung - so würden auch heute noch manche reagieren. Dennoch: Mehr und mehr Christen empfänden sich nicht als an eine Lehre Gebundene, sondern als an ihr Gewissen gebunden.

Musikalisch vertreten wurde das anspruchsvolle Thema des Abends von einer Musikerin mit hohem Anspruch: Die virtuose Organistin Helene von Rechenberg aus Tutzing stellte zeitgenössische Musik auf einem besonderen Instrument vor - dem Portativ, einer kleinen tragbaren Orgel des Mittelalters. Gesanglich unterstützt wurde sie dabei von Christina Götz, die schon oft in der Remise mitgewirkt hat.

Nur mit drei Fingern

Das Portativ, so erläuterte von Rechenberg, gehöre zur Großfamilie der Orgel. Die Orgel als solche hatte im dritten Jahrhundert ihre Geburtsstunde, ab dem 14. Jahrhundert kannte man dann das Portativ: "Es war ein Instrument für die fahrenden Musikanten, man hat es sich mit einem Gurt umgebunden und mitgetragen." Das Besondere an dem Instrument ist, dass die Tasten im 90-Grad-Winkel zum Musiker stehen, so dass man nur mit drei Fingern spielt, ohne Daumen und kleinen Finger. Wie das geht, zeigte Helene von Rechenberg an mehreren Musikstücken aus der Renaissance, etwa einer englischen Pavane, einem beschwingten Tanz.

Als letzter bot Patrick Weise, der vielen noch von anderen Theaterabenden in Nabburg bekannt ist, seinen gewaltigen Luther-Monolog aus dem Stück "Ach, Hus" dar. Als Magister Luther sinnierte Weise über die Rolle von Jan Hus, der ein Jahrhundert vor Luther ähnliche Gedanken wie dieser über die "erbärmlichen Zustände in der Kirche" geäußert hatte, was er damals mit dem Leben bezahlte. Martin Luther hatte um 1530 die Hus-Briefe übersetzt und herausgegeben. "Über den Abgrund so langer Zeiten könnten wir uns die Hände reichen", befand Luther in den Monolog über seinen Vorgänger.

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