20.03.2014 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Turbulente Demokratie-Lehrstunde mit dem Münchner Kabarettisten Ecco Meineke im Schmidt-Haus Nichts für hysterische Historiker

Ecco Meineke, bewaffnet mit einer Kleinstgitarre. Bild: Höller
von Autor LYProfil

Ecce Magister, Ecco Meineke - der Münchner Kabarettist lieferte im Schmidt-Haus sein Meisterstück ab. Passend zur Wahl-Saison erörterte er die "Vor- und Nachteile der Demokratie", immer mit vielen haarsträubenden Beispielen aus Geschichte und Gegenwart. Zugegeben: Einen Historiker würde es die Fußnägel nach oben rollen, aber Meineke stellt abstruse Zusammenhänge mit einer scheinbaren Leichtigkeit und gleichzeitigen bissigen Satire her, dass es ein höchst intelligentes Vergnügen ist, ihm zu lauschen.

Der ehemalige Frontkämpfer der Münchener Lach- und Schießgesellschaft stellt in seinem Programm "Liberté! Égalité! Humbatäterä-Tätä!" die grundsätzlichen Fragen: "Muss ich noch wählen gehen, oder gründe ich lieber eine Bank?" Bei den engen Verflechtungen zwischen Geldinstituten und Politikern ist das laut Meineke durchaus überlegenswert.

Gehlenkirchs Gemotze

Meineke steht nicht allein auf der Bühne. Sein hochbetagter Nachbar "Herr Gehlenkirch" darf altersbedingt richtig böse sein und sich in Vorurteilen suhlen, sich an die Vergangenheit erinnern und Wahrheiten unverblümt aussprechen. Mühelos wechselt Meineke die Rollen und kann so erkenntnisreiche Dialoge führen. "Hand in Hand" mit der Demokratie gehen bei Meineke "Todesstrafe und Genozid". Die Ureinwohner Amerikas, die aristokratischen Köpfe bei der Französischen Revolution ("Die Bastille war das französische Guantanamo") oder Tausende Griechen in der von Hitler verursachten Hungerkatastrophe - Meineke nennt Opfer und Zahlen und klärt über die Zusammenhänge auf.
Den blutigen Kolonialismus vergleicht er mit den Murmeltieren, die hinter ihrer freundlichen Fassade alles ermorden. Bei ihm wird Papst Alexander VI. Borgia zum "BungaBunga-Papst". Um die Zukunft abgehalfterter Politiker im Hier und Jetzt brauche man sich keine Gedanken zu machen, "denn sie gehen nicht in Rente, sondern in die Wirtschaft". Wie man sich die NSA zum Fundbüro machen kann? Einfach mal anrufen, wenn man verlorene Bilder und Quittungen braucht. Und dann kocht er noch schnell den "Mollath-Datschi und den HVB-Topf mit Schwarzgeld".

Guter Rat zum Schluss

Der Abend ist ein Rundumschlag, ein Wechselbad von traurigen Wahrheiten, treffsicheren Pointen und der schier grenzenlosen Mimik, das die Zuschauer mit viel Applaus quittieren. "Demokratie ist gut" - und so lautete Meinekes Aufruf zum Schluss, die Wahlen als Mittel zu nutzen. Mit Blick auf die schleppende Wahlbeteiligung etwa in Amberg und Weiden kann man sich nur wünschen, dass solch ein Rat künftig befolgt wird.

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