28.06.2017 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Vortrag von Manfred Dietz in der Remise Legenden über "Venedigermandln"

Ein ungewöhnliches Thema stand in der Remise auf dem Programm: die alten Berglegenden der "Venedigermandln". Der Vortrag von Manfred Dietz war Finissage und verbindendes Thema zur Ausstellung Spatland, die den Flussspatbergbau um Nabburg erläutert und im Juni erstmals in der Remise zu sehen war, und der Sonderausstellung mit Glasgussobjekten von Ralph Wenzel.

Manfred Dietz ging in seinem Vortrag in der Remise den alten Berglegenden der "Venedigermandln" auf die Spur. Bild: exb
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Manfred Dietz arbeitete früher in der Mineralölbranche und kam auf vielfältige Weise mit Bergbau in Kontakt. Schon länger lassen ihn die "Venedigermandln" nicht los, die Beschäftigung mit diesen Sagen ist zu seinem Steckenpferd geworden. Eingangs gab Dietz mehrere Venedigerlegenden - zum Beispiel aufgezeichnet von Franz Xaver Schönwerth - in Originalsprech zum Besten: Da wird von seltsamen kleinen Leuten erzählt, die meist in einer unverständlichen Sprache redeten, sehr scheu waren und fast spukhaft in den Bergen eigenartiger Arbeit nachgingen: Mit einem Spiegel sollen sie in das Innere der Berge geblickt haben, magische Fähigkeiten sollen sie gehabt haben und wenn man ihnen zu nahe kam, konnte es zu wunderlichen Überraschungen kommen.

So berichtet Schönwerth von einem Wildsteiner Bauern, der offenbar mit einem Messerwurf einen Venediger verletzt hatte und der dann flugs per "Windgspreil" nach Venedig verfrachtet wurde. Erst nachdem er dort versichert hatte, niemals mehr einem Venediger etwas anzutun, entließ man ihn wieder. Die Sage endet mit dem Hinweis, dass das Silberbergwerk seither verlassen sei.

Zentrum der Glasindustrie

Dass die Erinnerung an das Treiben der Venediger auch im Nabburger Raum vielleicht mit dem alten, belegten Silberbergbau in Verbindung steht, dafür gibt es zumindest späte Rezeptionen: In der Namensgebung "Vendigerstollen" oder "Venezianerschacht". Was steckt nun hinter diesen Sagen? Viele Autoren haben sich inzwischen wissenschaftlich mit dem Thema befasst, sie kommen alle zu einem ähnlichen Ergebnis: Im Mittelalter waren die hochentwickelten venezianischen Glashütten von Murano das Zentrum der Glasindustrie. In dieser Hochphase war der Rohstoffbedarf enorm. Neben anderen Zuschlagsstoffen wie Kobalt und Mangan zur Färbung des Glases war es aber vor allem Braunstein, der dringend gesucht wurde. Er diente zur Entfärbung des Glases, war Voraussetzung für die sprichwörtliche "Glasklarheit" des venezianischen Cristallo. Und dieses knapp werdende Mineral war vor allem in den deutschen Mittelgebirgen in seiner reinsten Form zu finden. Die "Venedigermandln" - Kleinwüchsigkeit war im Bergbau ökonomisch vorteilhaft - waren also nichts anderes als Prospektoren, die von Venedig ausschwärmten. Das wurde sogar betriebswirtschaftlich organisiert: Zum Beispiel führte es zu hohen Personalkosten, wenn die Sucharbeit planlos verlief. So entwickelte man ein System "geheimer" Zeichen - die Walenzeichen - die überall vor Ort auffindbar sind und wohl nichts anderes als Fundweisungen für die Prospektoren darstellten, damit sie nicht dorthin liefen, wo ein Suchtrupp vorher schon erfolglos war.

Mögliches Depot

Ob nun unser Flußspat schon damals zu den Zuschlagsstoffen zählte, die von den Venedigern ins Auge gefasst wurden, darüber lässt sich nur spekulieren. Aber, so Manfred Dietz, es könnte ja sein, dass einmal die Nikolauskirche, von der berichtet wird, dass sie auch als Lagerraum der Handelsleute diente, von den Venedigern als Depot genutzt wurde, da ja Nabburg ein zentraler Ort zwischen möglichen Fundstellen rund um die nördliche Oberpfalz auf dem Weg nach Süden war und es "wohl kaum auffiel, wenn da ein Sack mit brauner Erde, die vielleicht aus dem Erzgebirge stammte und inkognito Braunstein enthielt, längere Zeit zwischengelagert wurde, bis vor Wintereinbruch der Transport nach Süden organisiert war". Eine durchaus vorstellbare These, die dann auch die Diskussion belebte.

Ein Ausblick auf die phantastischen Möglichkeiten heutiger Glasarchitektur holte das Zeit reisende Publikum in die Gegenwart zurück.

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