26.03.2007 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

"Wirtshausmord und Bauernplag" feierte Premiere an Originalschauplätzen im Oberpfälzer ... Von Liebe, Suff und Tod

von Susanne WolkeProfil

Wie war das damals? Das Landleben vor 100 Jahren in der Oberpfalz? Es gibt ja Erzählungen. Von Verzweifelten, die nach Amerika auswanderten. Von reichen Bäuerinnen, die sich in ihren Knecht verliebten. Von Saufbolden, die im Wirtshaus ihre Frau erstachen. Lange vorbei. Man müsste dabei gewesen sein. Oder eine Zeitreise machen. Im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen ist das nun möglich. Dafür sorgt die neue Volksbühne "Spinnrad".

"Wirtshausmord und Bauernplag" war für die Premiere des Theaterstücks am Freitag angekündigt. Eigentlich kamen die Besucher in der Annahme, nur Zuschauer zu sein. Dass sie gleich zu Beginn als Mägde und Knechte begrüßt wurden - freilich mit dem Hinweis, dass man so viel Gesinde eigentlich gar nicht brauche -, sorgte für Irritation. Die war allerdings bald überwunden - spätestens als es im Wirtshaus Freibier für alle gab.

Das Stück "Wirtshausmord und Bauernplag" ist etwas Besonderes. "Marschiertheater" nennen es die Macher der Volksbühne "Spinnrad". "Ein ganz neuer Weg, dem Publikum Geschichte zu vermitteln", sagt Museumsleiter Dr. Ralf Heimrath. "Wirklich ganz toll", finden die Besucher.

Alle drei Beschreibungen treffen zu. "Wirtshausmord und Bauernplag" ist ein Theaterstück, in dem Besucher und Schauspieler gemeinsam agieren: Zusammen durchwandert man die ländlichen Anlagen des Oberpfälzer Freilandmuseums - wobei die Besucher schon mal mit Problemen des bäuerlichen Alltags konfrontiert werden. Was man denn machen soll, wenn die einzige Tochter so einen heiratet wie den Sepp, dem es nur um den Hof geht, fragt etwa eine bekümmerte Bäuerin (gespielt von Christine Wagner) in die Runde.

Aber darauf wissen die Besucher auch keine Antwort. Und so muss Anna Maria Brunner seufzend weitergehen - über Äcker und Felder, vorbei an Gemüsegärten, Ententeichen und Flurkreuzen - vom "Kufnerhaus" zur "Schönbergerschen Bierwirtschaft". Das Freilandmuseum ist eine authentische Kulisse für ein Theaterstück, das das ländliche Leben in der Oberpfalz um 1900 nachspielt. Doch die Bauernstuben mit gescheuerten Holzdielen, Herrgottswinkeln und angrenzenden Kuhställen sind mehr als das. Sie sind Originalschauplätze von Ereignissen, die dort wirklich stattgefunden haben.

Genau hier werden die jetzt nachgespielt: Spärliche Überlieferungen haben dem "Spinnrad" als Vorlage für drei unterhaltsame Einakter gedient. Die Schauspieler Christine Wagner, Katrin Seidel und Max Hermann lassen Geschichte lebendig werden. "Auf Amerika will i umme!", ruft da etwa ein Bauer seiner Frau zu. Die ist anfangs noch skeptisch: "Aber die verstehn uns doch gar net!" Andere Sorgen hat Liesl, deren Mann im Wirtshaus "des ganze Göid versaft". "Schleichn tuast di!", schreit er seine Frau an, die ihn nach Hause holen will. Als sie das nicht tut, hört man einen Schrei. Und das Messer des Metzgergesellen Wastl ist plötzlich voller Blut. Eine wahre Geschichte - spannend vermittelt.

Mit "Wirtshausmord und Bauernplag" ist dem "Spinnrad" nach "Hamlet - mia gangst" ein weiterer Erfolg gelungen: Aufführungen am 20. und 21. April um 18 Uhr sowie am 11., 12., 25., 26. und 27. Mai um 20 Uhr. Reservierungen unter Tel. 09433/2 44 20.

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