03.01.2014 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Bereits vor rund 200 Jahren war einmal der Umbau der Spitalkirche St. Maria ins Auge gefasst Schulbänke statt Gotteshaus

Einen erklecklichen Brocken der städtischen Ausgaben verschlingt die Neugestaltung der gotischen Spitalkirche St. Maria zu einem stilvollen Versammlungs-Zentrum. In diesem Zusammenhang interessant: Bereits vor rund 200 Jahren war ein Umbau dieser Kirche geplant - und zwar zu einem Schulhaus.

von Autor SEFProfil

Wie dem Stadtarchiv zu entnehmen ist, sollte anno 1801 die "Einsendung überflüssigen Kirchensilbers" dazu beitragen, die Kontributionsforderung des französischen Generals Jean Victor Moreau zu erfüllen. Er hatte am 3. Dezember 1800 in der Schlacht bei Hohenlinden gesiegt und dem mit Österreich verbündeten Bayern drei Millionen Gulden abgepresst.

Der Weisung des Kurfürsten Max IV. Joseph musste sich auch der Nabburger Pfarrer Thomas Held (1779-1803) beugen. Gehorsam notierte er am 30. Mai 1801 sämtliche Gerätschaften in den genutzten Gotteshäusern. Zu ihnen zählte die Spitalkirche, die zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch liturgischen Zwecken diente. Der Pfarrer erwähnte nämlich "drei Altäre, ein messinges Crucifixlein, sechs messinge Leuchter, einen kupfernen Weihbrunnkessel und ein Paar hölzerne Kanontafeln" als Inventar. Abschließend bemerkte er, dass die Filialkirche dem Landgericht Nabburg unterstehe. Helds Nachfolger Gottlieb Mayerhofer verfasste am 15. September 1804 ein neues Verzeichnis, in dem die Marienkirche fehlt. Offensichtlich hatte man sie zwischenzeitlich im Rahmen der Säkularisation profaniert (entweiht).

Ungewisse Zukunft

Was sollte nun mit dem ehemaligen Sakralbau geschehen? Kam ein Abriss oder eine sinnvolle Verwendung in Frage? Am 23. Dezember 1802 hatte der Landesherr allen Kindern vom 6. bis 12. Lebensjahr eine sechsjährige Werktagsschulpflicht verordnet. Ihr folgten drei Jahre Feiertagsschule. Speziell für Nabburg hatte die Landesdirektion Amberg am 19. April 1803 verfügt, dass man der getrennten Unterweisung der Knaben und Mädchen zustimme.

Untergebracht waren die 180 Sprösslinge im Schulhaus, das der Kirchenstiftung gehörte. Der alte Kasten hinter der Pfarrkirche war aber in einem maroden Zustand und eine Sanierung erschien unrentabel. Deshalb wollte die Landesdirektion lieber die profanierte Spitalkirche für schulische Zwecke nutzen. In ihrem Auftrag ersuchte Landrichter Karl Franz Reisner Freiherr von Lichtenstern 1806 Michael Reisnecker und Andreas Piehler, die Lokalität zu begutachten, einen Plan für zwei Schulsäle zu zeichnen und eine Kostenschätzung auszuarbeiten. Die Pfreimder verbrachten 15 Tage "bey diesem wahrlich miehesamen und zeitfressenden Geschäft".
Als sie alles fein säuberlich ausgearbeitet hatten, kam eine überraschende Kehrtwendung: Der Umbau des Spitalkirchleins sollte urplötzlich entfallen. Die Behörde zog die Notbremse und überließ die Reparatur des bisherigen Schulhauses lieber der Kirchenstiftung. Doch Reisnecker und Piehler gaben sich nicht so leicht geschlagen. Für ihre Konzeption stellten sie dem Landgericht 57 Gulden in Rechnung.

Probleme mit Bezahlung

Weil sie auch 13 Jahre später noch auf die Bezahlung warteten, beschwerten sie sich 1819 bei der Kreisregierung in Regensburg. Sie wies Landrichter Eduard von Grafenstein (1807-1824) an, die Petenten zum Stadtmagistrat Nabburg zu schicken.

Doch bei den Stadtvätern stießen die Handwerker auf Unverständnis. Die Ratsherren betonten nämlich, dass weder sie noch die Bürgerschaft von der Errichtung eines neuen Schulhauses die geringste "Wissenschaft" gehabt habe. Deshalb müssten sie den Anspruch, der zudem als völlig überhöht erscheine, energisch zurückweisen. Ob Michael Reisnecker und Andreas Piehler jemals zu ihrem Geld kamen, geht aus den städtischen Archivalien nicht hervor. Es darf tunlichst bezweifelt werden!

An Privatleute verkauft

Weil der Umbau der Spitalkirche nicht zustande kam, wurde das Bauwerk später an Privatleute verkauft, aber erfreulicherweise nicht abgerissen. Die östliche Hälfte des Denkmals diente als Lagerraum und Garage, die westliche wurde erst zu einer Scheune, dann zu einer Wohnstätte umfunktioniert. Seit 2006 ist der gesamte Komplex im Besitz der Stadt. Sie ließ archäologische Grabungen mit überraschenden Ergebnissen vornehmen und begann die aufwendige Veränderung, die große Erwartungen weckt.

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