30.03.2013 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Das Thema Organspende wird immer wichtiger - Erlebnisse eines Betroffenen Neues Leben mit neuer Leber

"Soll ich Organspender werden oder nicht?" Vor dieser schweren Entscheidung stehen derzeit viele Bürger in Deutschland. Grund dafür ist das neue Transplantationsgesetz. Der Nabburger Helmut Röder war auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen. Er lebt nun mit einer Spenderleber.

Soll ich Organspender werden oder nicht? Eine Frage, die sich die Bürger, wegen des neuen Transplantationsgesetzes immer öfter stellen müssen. Hier ein entsprechender Ausweis.
von Siegfried BühnerProfil

Das neue Gesetz ist Ende des letzten Jahres in Kraft getreten. Demnach fragen die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen ihre Kunden ab 16 Jahren regelmäßig, ob sie nach einem Hirntod ihre Organe spenden wollen. Ein brisantes Thema, welches durch die Skandale der letzten Zeit nochmals zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen hat.

Der Kampf gegen das Virus

Aber nur wenige denken darüber nach, wie es den Menschen geht, die dieses Thema direkt betrifft. Helmut Röder aus Nabburg ist einer von ihnen. Im Jahr 1979 hatte er auf dem Weg zur Berufsschule einen schweren Motorradunfall. In der Klinik infizierte er sich dann mit dem Virus Hepatitis C. Die Krankheit entwickelte sich von da an unbemerkt - ein schleichender Prozess. Helmut Röder fühlte sich immer schwächer und war nicht mehr so belastbar. Zahlreiche Arztbesuche blieben zunächst erfolglos. Die einzige Erklärung: "Du trinkst zu viel Alkohol." Doch der Familienvater blieb hartnäckig. Er merkte, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Irgendwann folgte die Gewissheit: Leberzirrhose.
Die einzige Möglichkeit um die Krankheit zu besiegen, war die Interferon-Therapie, die bei ihm zwölf Monate dauerte. Bei dieser werden ein starker Medikamenten-Mix und Spritzen verabreicht, die den Virus besiegen sollen. Ein Leben voller Nebenwirkungen begann. "Diese Zeit ist die Hölle, du bist nur noch ein Wrack", erinnert sich Röder. Die Behandlung mache den Menschen kaputt. Viele andere müssten sie bald wieder abbrechen. Denn die Nebenwirkungen der Tabletten verändern das komplette Leben. Starke psychische und körperliche Folgen bestimmen den Alltag. Bei erfolgreichem Abschluss ist die Leber zwar völlig zerstört, aber zum Glück auch der Virus besiegt.

Leben mit Ungewissheiten

Im Jahr 2008 wurde Helmut Röder auf die Spenderliste gesetzt. Doch die Nebenwirkungen gingen weiter. Denn ohne eine funktionierende Leber ist der Körper besonders anfällig für die vielen Giftstoffe, die wir beispielsweise durch das Essen aufnehmen. Vier Jahre musste Röder mit seiner Familie auf sein neues Organ warten. Vier Jahre, die von einer großen Ungewissheit geprägt waren.
Natürlich beschäftigt man sich in dieser Situation auch mit dem Tod. "Ich bin der Nächste". Das war der Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, wenn wieder einmal ein befreundeter Mensch gestorben war.

Vier Jahre Ausnahmezustand, welche seine Familie immer wieder vor neue Herausforderungen stellten. Vier lange Jahre Kampf, die mit einem Anruf endeten. Der Helikopter mit dem Organ sei in vier Stunden in Regensburg. Dann ging alles ganz schnell. So schien es. Aber der Nabburger musste noch einen Tiefpunkt überstehen. Wie so viele Menschen durchlitt er, nach einer langen Narkose, eine depressive Phase: das (Tiefen-)Durchgangssyndrom. Danach ging es jedoch stetig aufwärts. Sein Körper hat die Spenderleber gut angenommen.

Eine schwere Zeit, in der Helmut Röder zahlreichen Vorurteilen ausgesetzt war. Denn viele Menschen wissen überhaupt nicht, dass es für eine Leberzirrhose auch andere Ursachen gibt als den Alkohol.

Dringender Appell

"Spender sind unbedingt notwendig. Denn eigentlich kann jeder schuldlos an diesem Virus erkranken", sagt der Vater von zwei Söhnen. Aber es sei eine schwierige Entscheidung, für diese man die nötige geistige Reife aufweisen sollte. Für Schüler käme dieses Thema jedoch noch zu früh, so Röder.

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