02.08.2011 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Der Heimatpfleger und Museumspionier Alfons Haseneder hätte heute seinen 100. Geburtstag Der Schutzpatron des Edelmannshofes

"Wenn jetzt der alte Edelmannsbauer von 1850 wieder kaam, na brauchat er bloß sein Hout hihänga und er kannt weida oarbeitn", soll er einmal über "seinen" Edelmannshof gesagt haben - und er selbst würde es sicher mit Freuden genau so machen, wenn er noch einmal wieder kommen könnte: Alfons Haseneder wäre heute 100 Jahre alt geworden.

von Autor AUBProfil

Als drittes Kind der Eheleute Julius und Franziska Haseneder erblickte der kleine Alfons in Treffelstein (Landkreis Waldmünchen) das Licht der Welt. Vorbildlich seiner Eltern ergriff auch er den Beruf des Lehrers, unterrichtete nach einigen Amberger "Referendars"-Jahren ab 1937 in Lengenfeld bei Parsberg. Die durch den Krieg unterbrochene Laufbahn setzte sich danach in Stulln und Schwarzenfeld fort. Ab 1953 folgte die Berufung zum Ober- bzw. Hauptlehrer und schließlich Schulleiter sowie späteren Gemeinderat in Diendorf, wo sich eine erst zweiklassige Volksschule im Aufbau befand. Nach und nach erweitert, bündelte diese die Schulkinder umliegender Dörfer, samt Perschen, dessen Unterrichtsgebäude 1976 abgebrochen wurde.

Ans Herz gewachsen

Gemäß seiner "pro Mit-Mensch"-Einstellung und der entsprechend umfassenden Berufsauffassung fokussierte der engagierte Pädagoge, Personalrat und BLLV-Vorsitzende seine Interessen primär zwar stets auf den schulischen Bereich, sie blieben jedoch für den als "durch und durch kunstsinnigen" beschriebenen Menschen nicht auf diesen beschränkt: Die musikalische Seite spiegelte sich wieder in Chorleiter- und Organistentätigkeiten, aber auch als Mitglied mehrerer Gesangs- und Musikvereine. 2004 würdigte eine Ausstellung erstmals sein künstlerisches Talent, mit dem er Ein- und Ausblicke in die Oberpfälzer Kultur in verschiedenen Techniken festhielt.
Mehrmals findet sich darunter auch ein Motiv, das ihm offensichtlich besonders ans Herz gewachsen war: Perschen mit dem Karner, St. Peter und Paul sowie dem Edelmannshof. Mit letzterem aber stand dem 1959 zum Kreisheimatpfleger bestellten Haseneder gleich zu Beginn seiner über 20-jährigen Ehrenamtstätigkeit eine große Herausforderung gegenüber, die er jedoch Dank seiner Weitsicht, Klugheit und seines Ideenreichtums aus Liebe zur Heimat als später in vielfältiger Weise beachteter "Pionier der (Freiland-)Museumslandschaft" hervorragend meisterte.

Verein lebt weiter

Dem von ihm 1961, also vor genau 50 Jahren, zusammen mit einigen Gleichgesinnten gegründeten Verein Oberpfälzer Bauernmuseum gelang es nicht nur, unglaubliche Überzeugungsarbeit zu leisten, den Edelmannshof durch Kauf vor dem Verfall zu retten, finanzielle Mittel und, ebenso mühselig, Inventar zusammenzutragen, um 1964 darin "seine" Museumsidee in die Tat umzusetzen, sondern auch, die bäuerliche Kultur, Tradition und Brauchtum der Oberpfalz fest im Bewusstsein vieler Generationen zu verankern.
Für sein Lebenswerk erhielt Alfons Haseneder das Bundesverdienstkreuz, den Nordgaupreis, die Landkreisverdienstmedaille und die Auszeichnung "für vorbildliche Heimatpflege". Wohl nur schweren Herzens, doch sein Erbe in guten Händen wähnend, überließ er 1976 aus Kosten- und Unterhaltsgründen den Edelmannshof, die darin befindliche Sammlung, das Archiv und den Museumsbetrieb mit seinerzeit "traumhaften" Besucherzahlen dem Bezirk.

Der von ihm initiierte Verein fungiert seither "nur mehr" fördernd. Die Eröffnung des Erweiterungsareals in Neusath vor 25 Jahren erlebte der "Schutzpatron des Edelmannshofes" nicht mehr. Er starb am 22. Juni 1983, jedoch nicht ohne die Bitte, die kurz bevorstehende Museumskirwa nicht seinetwegen abzusagen.

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