Nabburg
12.03.2007 - 00:00 Uhr

Dr. Gabriele Ziegler rekonstruiert Leben jüdischer Familien - Infoabend mit Edith Römer: Motto: "Gedenke und erzähle"

"Gedenke und erzähle" - das ist nicht nur ein uralter jüdischer Traditionsbegriff, sondern auch das Motto, unter dem Dr. Gabriele Ziegler ihre Recherchen zu dem Leben der jüdischen Familien im ehemaligen Baumhaus in Nabburg stellen will. Am Freitagabend wurde im Nabburger Jugendwerk über das Projekt "Stolpersteine" informiert.

Anhand von Bildern, Dokumenten und Briefen wurde zum ersten Mal das Leben dreier Generationen jüdischer Familien in Nabburg rekonstruiert. Zudem stand Edith Römer, geborene Baum, als eine der letzten Hinterbliebenen Rede und Antwort zu den Fragen der interessierten Bevölkerung.

Seit 1826

Seit 1826 wurde das Haus am Unteren Markt 3 von jüdischen Familien bewohnt. 1885 heiratete der aus Böhmen stammende Alois Baum die Nabburgerin Klara Wilmersdörfer. 1892 übernimmt das Ehepaar die Firma Samuel Wilmersdörfer am Unteren Markt. Das Geschäft floriert. Zur Hundertjahrfeier der Firma im Jahre 1926 können sich die Baums über einen festen Kundenkreis und hohe gesellschaftliche Beliebtheit erfreuen. Im ersten Weltkrieg richten sie sogar für Hilfsbedürftige die "Alois und Klara Baum'sche Kriegstiftung" ein, deren Verbleib ungeklärt ist.

Aus der Ehe kamen drei Kinder hervor. Die älteste Tochter, Gerta, heiratete Salomon, kurz Sally, Bruckmann, der 1919 nach Nabburg übersiedelte und in die Firma des Schwiegervaters einstieg. Die Ehe brachte vier Kinder hervor: Werner-Abraham, Friedel-Salomo, Günther-Gabriel und Waltraud-Miriam.

Die zweite Tochter von Alois und Klara Baum, Irma, bleibt zunächst ledig. Über sie ist weiterhin eher wenig bekannt. Das dritte Kind, Sohn Josef, übernimmt das Geschäft des Vaters. 1929 heiratet er die Christin Margaretha Trautner. Mit ihr bekommt er drei Kinder: Helmut, Gabriele und Edith Baum. Das Geschäft, das er zusammen mit seinem Schwager Sally Bruckmann führt, floriert immer noch gut.

im Herbst 1942 verliert sich die Spur. Es wird angenommen, dass sie im Frühjahr 1943 vergast oder im Konzentrationslager Majdanek, nahe Belzyce, umgekommen sind. Was letztlich wirklich geschehen ist, wird man wohl nie endgültig klären können.

Nach Nabburg zurück

Josef Baum, der die Jahre gegen Kriegsende in Berlin als Arbeiter unter Gestapoaufsicht überlebte, kehrte zum Ende des Kriegs nach Nabburg zurück. Schon 1945 nahm die Familie das Geschäft in Nabburg wieder auf. Es erwies sich jedoch als nicht einfach, da fast alles Hab und Gut vergangener Tage weg war und die Wiedergutmachungszahlungen fast zu gering als Eigenkapital für ein derartiges Geschäft waren. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegsjahre führte Josef Baum das Geschäft bis 1963. Alle drei Kinder der Baum leben bis heute noch. Helmut Baum blieb in der Oberpfalz, Gabriele Baum und ihre Schwester Edith Römer, geborene Baum, leben heute in München. Ihre Tante Irma Baum wurde noch im Krieg von Leipzig ins Ghetto Riga gebracht. Ihre Tochter konnte sie nach England retten.

Werner-Abraham Bruckmann, der letzte Hinterbliebene der Familie, lebte noch viele Jahre in Israel. Als britischer Soldat kam er noch einmal nach Nabburg, wollte sich nach dem Verbleib der Familie erkundigen und besuchte auch einige Klassenkameraden. Er war es auch, der die Dokumente der Familie für die Holocaustgedenkstätten Yad Vashem und Jerusalem dokumentierte.

 
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