17.06.2004 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

"Langwiedteiche" entwickeln sich prächtig - Stadtrat informiert sich bei Vogelschützern Am Stadtrand eine Oase für Vögel

Was sich in kurzer Zeit im Feuchtgebiet "Langwiedteiche" entwickelt hat, überrascht selbst die Vogelschützer: Am Stadtrand von Nabburg ist ein kleines Naturparadies entstanden. Wolfgang Nerb, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oberpfalz des Landesbundes für Vogelschutz, informierte den Stadtrat über die Entwicklung der Weiherkette: Elf Teiche befinden sich seit eineinhalb Jahren im Besitz der Vogelschützer.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Augenfällig ist die Absenkung des Wasserspiegels der früher intensiv genutzten Wasserflächen in unterschiedlichen Stufen. Dieses "Wassermangement" führt dazu, dass Vögel und Amphibien das auf sie zugeschnittene Umfeld haben. Die Weiher dürfen zwar nicht verlanden, doch etwas Sumpf ist durchaus gewollt. Der Vorteil: Wo Fische keinen Lebensraum haben, siedeln sich Amphibien an. Kleingetier, Mäuse und Frösche tummeln sich. Sie sind auch die "eiserne Reserve" für den Storch. Das Biotop ist laut Nerb inzwischen zum Rückzugsgebiet für Jungvögel und eine bedeutende Raststelle für durchziehende Wasserläufer geworden. 17 verschiedene Libellenarten werden verzeichnet, seltene Schmetterlinge, brütende Enten und sogar Rebhuhnketten sind zu sehen. Auf Nachfrage von Stadtrat Richard Hirsch berichtete Nerb, dass an Abbruchkanten für Uferschwalben ein Domizil geschaffen werden soll. Auch Eisvögel sollen geeignete Bedingungen vorfinden.

Kein starrer Plan

"Wir sind fast rundum zufrieden", fasste Nerb zusammen. Die Umweltbetreuungsgruppe, die im Freilandmuseum Neusath-Perschen tätig sei, möchte die Diendorfer Weiherkette in ihr Konzept einbeziehen. Natürlich wird das Projekt "Langwiedteiche" wissenschaftlich begleitet und dokumentiert. Der Vorteil der Vogelschützer: "Wir haben keinen starren Pflege- und Entwicklungsplan, wir haben Zeit und können das Projekt im Einklang mit der Natur und viel Gefühl managen".

Das 6,8 Hektar große Areal kostete rund 260 000 Euro und wurde zu 85 Prozent aus dem Bayerischen Naturschutzfond gefördert. Der Eigenanteil der Vogelschützer betrug 39 000 Euro. Es klafft noch eine Finanzlücke in Höhe von 16 000 Euro. Nerf war der Stadt Nabburg dankbar,dass sie das Projekt mit 5000 Euro unterstützte: "Wenn alle so aufgeschlossen wären, wie die Stadt Nabburg, hätten wir eine rosige Zukunft."

Bürgermeister Josef Fischer sah in der Absenkung des Wasserspiegels noch einen anderen Vorteil hinsichtlich der Hochwassersituation: Dem Abbrechen der Teiche bei Unwettern ist vorgebeugt.

Nerb sprach ein Problem an: Das Gebiet sei keinesfalls tabu für Spaziergänger, doch bestimmte Zwischenbereiche dürften nicht betreten werden. Das Anleinen von Hunden sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Laut Nerb wird versucht, Spaziergänger durch die Vegetationsentwicklung zu kanalisieren. Will heißen: Nur bestimmte Streifen sollen gemäht und so zugänglich sein. Heuer habe die Abstimmung nicht ganz geklappt, deshalb sei zu stark gemäht worden.

"Als der Storch fort war"

Storchenbetreuer Josef Eimer rechtfertigte die Aktion: "Im Vorjahr wurde nicht gemäht, erst Ende September, als der Storch schon fort war." Er habe das Biotop wegen des hohen Grases auf den Dämmen nicht anfliegen können.

Apropos Pflege: Letztes Jahr hatten die Vogelschützer in einer Schulklasse, die Umweltbildung und Naturschutz verknüpfte, "super Arbeitskräfte".

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