30.01.2004 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Mit Karl-Heinz Lauber im Schneepflug unterwegs - Zwei Teams im Wechsel Schneeschlacht der Straßenwärter

Nabburg schläft noch, wenn für Karl-Heinz Lauber der Job beginnt. Um drei Uhr geht es in die Straßenmeisterei am Naabweg. Wenn dann morgens der Berufsverkehr einsetzt, merkt kaum einer, dass das Straßenwärterteam meist schon eine "Vorsorgestreuung" gemacht hat. Derzeit geht es damit nicht ab: Es schneit und schneit und schneit. Die beiden Räumgruppen haben Hochsaison.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Zwei achtköpfige Teams wechseln sich ab. Der eine Trupp beginnt um drei Uhr morgens. Um 12 Uhr ist Schichtwechsel, die zweite Mannschaft ist dann bis 22 Uhr im Einsatz. Arbeitszeit ist "Dispositionszeit": Wenn es weiterschneit, muss schon mal verlängert werden.

250 Kilometer zu betreuen

Die Straßenmeisterei Nabburg mit einem weiteren Stützpunkt in Schmidmühlen ist gut gerüstet: zwei LKW und zwei Unimogs stehen auf dem Hof, ebenso fünf Lkw, die von Bauunternehmen angemietet und für den Winterdienst ausgerüstet werden. Nabburg ist die Zentrale mit Verwaltung, Salzlager, Soleaufbereitung. Der Aufwand muss sein: 250 Kilometer Staats- und Bundestraße sind zu betreuen - bis Ponholz im Süden, Trisching in Westen, Teunz im Osten und Wernberg-Köblitz im Norden. Als neuralische Strecken sind die B 14 Richtung Wittschau und die B 85, also der Pittersberg, berühmtberüchtigt. Die Strecken haben Autobahnstatus, sind rund um die Uhr zu betreuen.

Karl-Heinz Laubers Revier ist die Staatsstraße 2156 Nabburg-Schwarzenfeld und retour. Zum "Nachfassen" wird wieder der Bauhof angefahren. Mit neuer Ladung gehts über die A 93 nach Schwarzenfeld: Ab hier ist die Staatsstraße 2040 bis Willhof an der Reihe.

In zwei Meter Höhe hat Lauber in seinem Führerhaus den perfekten Überblick. Per Joystick reguliert er den Schneepflug, stellt je nach Schneedecke und Straßenzustand die passende Höhe ein. Mit Knopfdruck wird die Streustärke reguliert. Auf dem Streuteller vermischt sich das Festsalz mit Sole. So kann der Verbrauch reduziert werden. Dazu gehört Routine und Fingerspitzengefühl. 20 Gramm pro Quadratmeter ist der normale Schnitt. Lauber steuert seinen 177 PS-starken Koloss meist mit Tempo 50: "Das gibt das beste Streubild", weiß der 38-Jährige. Die Straßenwärter sind übrigens auch schon selbst in Kalamitäten gekommen, mussten am Teunzer Berg rückwärts fahren und sich quasi selbst den Weg streuen.

Im großen und ganzen ist Lauber mit dem Verhalten der Autofahrer zufrieden. "Die lassen uns in Engstellen zuvorkommend durch", so Lauber. Allerdings beobachtet er auch, dass manche Verkehrsteilnehmer einfach zu wenig Abstand halten, vor allem Nachts zu schnell dran sind. Sorgenkinder sind ausländische Lkw-Fahrer mit schlechten Reifen. Da wird auf der B 14 schon so mancher Stau provoziert, durch den sich die Straßenwärter dann ein Nadelöhr suchen müssen.

Die Kehrmannschaften haben auch mit manchen Beschwerden über angeblich schlecht geräumte Strecken zu leben. "Meist sind es aber Fahrer mit Sommerreifen", weiß Lauber. Apropos Beschwerde: Lauber fährt bewusst langsam durch die Ortschaften, hebt das Räumschild an, um Einfahrten nicht zuzuschütten. "Trotzdem beschweren sich die Anlieger, dass wir ihre Fassaden vollspritzen", so der Straßenwärter. Meist seien das aber nachfolgende Lastwagen, die flott unterwegs sind und den Schneematsch an die Hauswand klatschen.

"Froh, wenn wir kommen"

Der Straßenwärter grüßt mal nach links, mal nach rechts. Man kennt sich und "meistens sind die Leute doch froh, wenn wir kommen". Zurück im Bauhof wird der Streubericht abgegeben. Käme es auf der Strecke wegen Glatteis zu einem Unfall, kann mit diesen Daten nachgewiesen werden, wann der Räumdienst die Stelle zuletzt passiert hat. Lauber hat für die letzte seiner insgesamt drei 41 Kilometer langen Touren drei Tonnen Salz und 1000 Liter Sole gebraucht. Es ist 12 Uhr. Schichtwechsel.

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