Vor 75 Jahren verstorben: "Blindenvater" und Ehrenbürger Anton Schaidler
Mann mit Herzenswärme

Noch erhalten: das Grabmal Anton Schaidlers auf dem Stadtfriedhof Nabburg. Repros: sef (2)
Lokales
Nabburg
25.04.2013
20
0

Anton Schaidler war nicht nur ein international bekannter Blindenpädagoge, sondern glänzte auch durch herausragende musikalische Fähigkeiten. Am 25. April 1938 starb der Ehrenbürger, den man zu den renommiertesten Nabburgern zählt darf.

Anton Schaidlers Vater stammte aus Neunburg v. W. und machte sich 1861 als Bader in Nabburg ansässig. Verheiratet er mit Franziska Schreiner, Schwester des Kommerzienrats Anton Schreiner. Eines von sieben Kindern hieß Anton, der am 8. Februar 1866 zur Welt kam. Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt Amberg und einer kurzen Tätigkeit als Schulgehilfe wechselte er an das Zentralblindeninstitut München, das er von 1911 bis 1933 leitete.

1913 wurde diese von König Ludwig I. 1826 gegründete Institution in Landesblindenanstalt umbenannt. Sie umfasste eine Erziehungs- und Beschäftigungsanstalt samt Internat. Erstere gliederte sich in eine Elementar- und eine Fortbildungsschule. In der Beschäftigungsanstalt wurden männliche Blinde im Stuhl-, Matten-, Korbflechten und Bürstenmachen, weibliche im Stricken und Bürstenmachen ausgebildet. Andere schulte man zu Telefonisten. In Fachkreisen hatte Anton Schaidler den Ehrentitel "Blindenvater". Er forderte, dass nach einer soliden Schulbildung die Erwerbsfähigkeit und die daraus erwachsende Selbstständigkeit jedes Blinden (1900: 4000 in Bayern) angestrebt werden müssten. "Was immer er unternahm, trug das Siegel der Herzenswärme und behielt den Blick auf den Blinden gerichtet. Anton Schaidlers Charisma zog alle in den Bann. Sein Herz war voll Poesie, Musik und Überzeugungskraft", hieß es in einer Festschrift. Gefragt war Anton Schaidler als Referent auf den gesamtdeutschen Blindenlehrerkongressen.
An der Akademie der Tonkunst in München wirkte von 1867 bis 1901 Joseph Gabriel Rheinberger, ein Dozent internationalen Ranges für Klavier, Orgel und Komposition. Zu seinen Schülern gehörte neben Engelbert Humperdink, Ermanno Wolf-Ferrari und Wilhelm Furtwängler 1890 auch Anton Schaidler. Die erworbenen Qualifikationen veranlassten ihn, Instrumentalunterricht und Chorgesang in den Fächerkanon der Landesblindenanstalt aufzunehmen. 1926 verfasste er ein musikalisches Bühnenwerk zur Hundertjahrfeier des Blindenwesens.

Obwohl Anton Schaidlers Lebensmittelpunkt München war, kehrte er oft in seine Heimatstadt zurück. Höhepunkt war deren Tausendjahrfeier 1930, für die er das Festspiel "Siegfried von der Nabeburg" textete und komponierte. Dieses Engagement und die herausragenden beruflichen Verdienste veranlassten Nabburgs Stadtväter, den Wahlmünchner zum Ehrenbürger zu ernennen.

1933 wurde der 67-Jährige pensioniert. Er verlegte seinen Alterssitz in das Haus "Bahnsiedlung 390" (heute Turnhallenweg 34) und spielte gern auf der Orgel in der Pfarrkirche. Dabei endete vor 75 Jahren - am 25. April 1938 - anlässlich einer Hochzeit überraschend sein Leben. Bestattet wurde Anton Schaidler auf dem Stadtfriedhof, wo sein Grab immer noch zu finden ist. Mehr über das Leben und Wirken Anton Schaidlers kann in der neuen "Heimat Nabburg" nachgelesen werden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.