22.01.2004 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Vorstrafenregister des Angeklagten lässt keinen Spielraum - 17-Jährigen mehrfach geschlagen "Watschn", die sitzen: Drei Monate Knast

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Ein Streit, dann setzt es "Watschn". Das ist zwar ein Fall für den Richter, aber eigentlich keiner für den Knast. Nicht so bei Josef A. (Namen von der Redaktion geändert): Angesichts seines langen Vorstrafenregisters kann er drei Monate lang in der Justizvollzugsanstalt über sein Verhalten nachdenken.

Jugendlicher im Zwiespalt

Josef A. wohnt bei seiner Lebensgefährtin im Raum Nabburg. Deren 17-jähriger Sohn Mario S. handelte sich Schläge ein, als es am 5. November 2003 in einer Gaststätte zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und Josef A. kam. Laut Anklageschrift schlug A. dem Sohn seiner Lebensgefährtin mit der flachen Hand links und rechts ins Gesicht. Vor dem Lokal soll der 39-Jährige ihn dann am Hals gewürgt und nochmals fünf "Watschn" verpasst haben. Vom Arzt wurden denn auch Weichteilschwellungen, gerötete Stellen und Schürfwunden im Bereich des Oberkörpers attestiert.

Josef A. stand nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht. "Ist das Ihr Erziehungstil, andere zu schlagen?", fragte Richter Ludwig Michael Artinger. Josef A. wollte seine Tat nicht so hoch hängen: "Differenzen gibt es überall." Der Junge "hat halt pampig dahergeredet", da habe es zwei Watschn gesetzt. Er habe ihn aber nicht gewürgt, nur gegen ein Geländer gehalten "bis er sich beruhigt hat".

"Sie wollen mir das Ganze soft präsentieren", kommentierte Artinger die Aussage des Angeklagten. Er warnte: "Entweder wandern Sie oder er in den Knast". Josef A. hat es bisher auf elf Vorstrafen gebracht, das letzte Mal saß er wegen gefährlicher Körperverletzung vier Monate. Würde Mario S. von seiner bisherigen Aussage bei der Polizei abweichen, würde ihm laut Richter Artinger ein Verfahren wegen Falschaussage blühen. Der 17-Jährige war für Artinger kein unbeschriebenes Blatt: "Wir kennen uns schon, du warst ja schon ein paar Mal bei mir". Mario S. versuchte das Geschehene ansatzweise herunterzuspielen, blieb jedoch angesichts dessen, was für ihn auf dem Spiel stand, bei seiner Aussage.

Lange Vorstrafenlatte

"Das hört sich schlimmer an, als es war", versuchte Josef A. seine Tat zu verniedlichen. Damit hatte er bei Richter Artinger keine Chance. "Wollen Sie sagen, dass Sie ihn nur gestreichelt haben?" Angesichts der Vorstrafen blieben dem Gericht nicht viele Möglichkeiten der Ahndung: Ein Verfahren wegen Fischwilderei und Diebstahl war zwar eingestellt worden, doch dann folgten Bewährungs-oder Haftstrafen. Diebstahl, Verabredung zu einem Verbrechen, Trunkenheit im Verkehr, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und mehrere Fälle von Körperverletzung fanden sich im Bundeszentralregister. "Wenn einer elf Mal was anstellt, gibt es nicht mehr viel einzustellen. Das haben sie anscheinend noch nicht begriffen", betonte der Richter. Leo Wegmann, Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft, plädierte angesichts der Vorstrafen auf eine sechsmonatige Freiheitsstrafe.

"Des haut mich wieder zurück", meinte der Angeklagte in seinem letzten Wort. "Das hätten Sie sich früher überlegen sollen", entgegnete ihm der Richter. Das Urteil lautete auf drei Monate Freiheitsstrafe: "Wenn einer immer wieder in Haft kommt und die Lektion nicht kapiert hat, gibt es nichts anderes", so Artinger.

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