Nabburg
17.09.2013 - 00:00 Uhr

Vortrag von Dr. Gabriele Ziegler beleuchtet Schicksale und Situation der Nazizeit: Jüdische Familien in Nabburg

Der Tag des offenen Denkmals 2013 zum Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale" stand auch Pate für die Veranstaltung in der Kleinbühne "Remise". Dr. Gabriele Ziegler gab in einer beeindruckenden und ergreifenden Powerpoint-Präsentation Einblicke in Schicksale der jüdischen Kaufmannsfamilien Baum, Wilmersdörfer und Bruckmann in Nabburg während der Zeit unterm Hakenkreuz.

Zweiter Bürgermeister Kurt Koppmann (links) sowie Franz Grundler und Dr. Gabriele Ziegler (von rechts) freuen sich über den Besuch der Eheleute Barbara und Helmut Baum in der Kleinbühne "Remise". Ergreifend stellte die Referentin das Schicksal der drei jüdischen Familien Baum, Wilmersdörfer und Bruckmann in Nabburg während der Nazizeit dar. Bild: ohr

Franz Grundler begrüßte die zwanzig interessierten Besucher, dankte der Stadt Nabburg für das Säubern der sieben "Stolpersteine" und bat die Zuhörer, sich "von den Inhalten des Vortrages berühren zu lassen". Zweiter Bürgermeister Kurt Koppmann freute sich über die Anwesenheit der Eheleute Barbara und Helmut Baum. Die Stolpersteine sind Gedenktafeln gegen das Vergessen und erinnern an Ermordung, Verschleppung und Vertreibung von Menschen während der schlimmen Zeit des Nationalsozialismus, unterstrich der Repräsentant.

Haus am Unteren Markt

Auf der Leinwand erscheint das Wohn- und Geschäftshaus der Familien Baum, Bruckmann und Wilmersdörfer in Nabburg am Unteren Markt um das Jahr 1913 mit dem Zusatz "Gedenke und erzähle". Im Vorspann führte die Referentin bewegende Aufnahmen der bedeutendsten Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vaschem" in Jerusalem vor Augen. Dieses große Archiv dokumentiert die nationalsozialistische Judenvernichtung wissenschaftlich.

Ein weiteres Bild zeigte eine Klasse des Gymnasiums in Nabburg im ehemaligen Konzentrationslager Dachau. An diesem Ort des Schreckens und Leids verfassten die Schüler ein mitfühlendes Gebet, das die Zuhörer tief beeindruckte.
Zur Zeit der Etablierung der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten um 1932 gehörten Josef Baum und seine Frau Margaretha, geb. Trautner aus Nabburg, mit ihrem Sohn Helmut sowie Gerta Bruckmann, geb. Baum, Schwester Josefs, mit ihrem Mann Sally und vier Kindern zur jüdischen Kaufmannsfamilie der Firma Alois Baum Samson Wilmerdörfer am Unteren Marktplatz in Nabburg.

Zur Linderung des Elends Nabburger Bürger im Ersten Weltkrieg richteten Alois Baum und Gattin Clara, Josefs Eltern, im Juni 1917 die Stiftung "Alois und Clara Baum'sche Kriegsstiftung 1914/17" ein. Durch das "Dritte Reich" kam es 1938 zur Auflösung jüdischer Stiftungen und der Verbleib der Schenkung der Nabburger Kaufmannsfamilie ist bis heute nicht geklärt.

Der Einfluss der Nationalsozialisten nimmt in den Jahren vor 1938 in Nabburg verstärkt zu und sie kontrollieren das Leben der Juden. Zum Beispiel infolge des Boykotts schrumpfen die Einnahmen des jüdischen Kaufhauses merklich. Die beabsichtigte Übergabe der Firma durch Josef Baum an seine katholische Ehefrau Margaretha wird mit beißendem Hohn auf den Juden abgelehnt. Auch Schikanen von Bürgern gegenüber der jüdischen Familie in der Öffentlichkeit werden in der Erinnerungsschrift "Gedenke und erzähle" (Urheberrecht bei Gabriele Ziegler und Franz Grundler, Nabburg 2007) angeführt. "Gretl, ich möchte Dir nur sagen: Ich grüße dich nicht mehr", teilte ihr eine Freundin auf der Straße mit. Ebenfalls wird einem Nabburger Kindermädchen gegen gerichtliche Bestrafung verboten, bei den "Juden", den Familien Baum und Bruckmann, Dienste zu leisten.

Eigentum gestohlen

Durch die Arisierung, die Enteignung des jüdischen Besitzes, geht das Kaufhaus 1938 an einen neuen Besitzer über, öffentlich in der Presse als "käuflich erworben" bekannt gemacht. Ab diesem Zeitpunkt müssen die jüdischen Familien in ihrem eigenen Haus auf engstem Raum zur Miete wohnen. Mit weiteren Bildern und anschaulichen Schilderungen zeigte Referentin Dr. Gabriele Ziegler Wege ins jüdische Getto Belzyce und ins Konzentrationslager Majdanek (beide Polen) und vermittelte Eindrücke von Schicksalschlägen.

Nach dem Vortrag erläuterte Franz Grundler die themenbezogene Illustration in der Remise. Laut Hinweis ist eine Neuauflage der Gedenkschrift "Gedenke und erzähle" beabsichtigt.

 
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