27.09.2007 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Zehn Oberpfälzer "lokale Aktionsgruppen" geben Bewerbungen für Leader-Förderprogramm ab Pioniergeist in dicke Ordner verpackt

von Uli Piehler Kontakt Profil

Das Treffen der "lokalen Aktionsgruppen" (LAGs) aus der Oberpfalz im Landwirtschaftsamt in Nabburg (Kreis Schwandorf) hatte etwas von einer Erfindermesse. Eine zündende Idee jagte die nächste bei der Präsentation der Entwicklungskonzepte, die die Vertreter der LAGs ausgearbeitet hatten. Mit den in dicke Aktenordner verpackten Zukunftsplänen bewerben sich zehn Oberpfälzer Klein-Regionen um Zuschüsse aus dem Leader-Programm der Europäischen Union.

"Buttom up"-Prinzip

"Lokale Aktionsgruppe" (LAG) - ein gestelzter Name für ein einfaches Gebilde: Im Grunde ist eine LAG ein Zusammenschluss mehrerer benachbarter Gemeinden. Die Kommunen suchen nach gemeinsamen Stärken, formulieren Ziele jenseits der Kirchturmpolitik und versuchen miteinander, an Gelder der EU zu kommen. Denn genau für solche gemeindeübergreifenden Projekte auf dem flachen Land hat die EU das Förderprogramm Leader geschaffen. Dabei spielt das "Buttom up"-Prinzip eine entscheidende Rolle. Das heißt, die Projekte sollen den Bürgerinnen und Bürgern nicht übergestülpt, sondern im Gegenteil, von ihnen angestoßen und mitgetragen werden.
8,6 Millionen Euro aus dem Leader-Programm sind in der Förderperiode 2002 bis 2006 in rund 150 Projekte in der Oberpfalz geflossen. Die Zuschüsse haben ein Vielfaches an Investitionen nach sich gezogen. Projekte, wie etwa der Freizeitpark Monte Kaolino in Hirschau (Kreis Amberg-Sulzbach) oder das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee (Kreis Schwandorf) konnten nur in Gang gebracht werden, weil ein Teil der Kosten über die Leader-Förderung gedeckt werden konnte. "Das Leader-Programm ist zu einem Markenzeichen geworden", sagt Hans-Michael Pilz vom Landwirtschaftsamt. Er gibt die Bewerbungen an das Landwirtschaftsministerium weiter. "Wenn andere Geldgeber sehen, dass ein Projekt Leader-Status hat, ist das oft schon ein Vorteil." Leader steht wegen des "Buttom up"-Prinzips nicht nur für breite Akzeptanz in der Bevölkerung, sondern bietet die Gewähr für ein hohes Engagement der Initiatoren.

Bisher hatten acht Oberpfälzer LAGs den Leader-Status (unter anderem die AOVE im Kreis Amberg-Sulzbach, der InitiAktivkreis Tirschenreuth, sowie Oberpfälzer Seenland und Brückenland im Kreis Schwandorf). So viele, wie in keinem anderen Regierungsbezirk. Künftig sollen es elf sein. Neu beworben haben sich am Dienstag das Sulzbacher Bergland und der Naturpark Hirschau (beide im Kreis Amberg-Sulzbach). Für nächstes Jahr steht bereits das "Vierstädtedreieck" im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in den Startlöchern.
Unter dem Motto "Leben erleben" setzt der Naturpark Hirschwald auf sanften Tourismus als Zukunftsperspektive. In der LAG sind acht Kommunen engagiert. Sie wollen mit den Pfunden Umwelt und Natur wuchern und als eine der ersten Maßnahmen die Umweltstation im Kloster Ensdorf ausbauen. Im Sulzbacher Bergland sind neun Gemeinden zusammengeschlossen. Das Leitmotiv "Heimat aus einem Guss" nimmt Bezug auf das Stahlwerk Maxhütte, das die Region geprägt hat.

Entscheidung im Dezember

Am 12. Dezember werden in München von insgesamt 60 LAGs in Bayern die 50 besten für die nächste Förderperiode bis 2013 ausgewählt. Wer beim ersten Anlauf durchfällt, kann sich beim Nachzügler-Termin im Frühjahr 2008 noch einmal bewerben.

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