Eigene Wasserversorgung
Alle anderen zahlen drauf

Wasser unterliegt strengen Regeln und Kontrollen. Dies gilt für öffentliche wie private Anlagen. Archivbild: NT
Politik
Nabburg
16.02.2018
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Nabburg/Schmidgaden. Die Verbandsräte des Zweckverbandes (ZV) zur Wasserversorgung der Brudersdorfer Gruppe sahen sich in der letzten Sitzung mit einem Problem konfrontiert, weswegen andere Versorger bereits vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) gezerrt wurden. Der Zankapfel ist von der Sorte private Wasserversorgungsanlagen - Brunnen oder Zisternen. Der Fall im Verbandsgebiet ist also beileibe nicht der erste. Das Gartengießen mit Brunnenwasser soll in die Verbandssatzung aufgenommen werden, doch in dieser Angelegenheit geht es um viel mehr. Aufgeflogen ist die heimlich gebaute Wasserversorgung eines Landwirts bei der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Regensburg im Zusammenhang mit der Klage gegen die Leitungssanierung.

Nach den Worten von ZV-Geschäftsführer Hans Werner habe der Kläger dem Wasserversorger vorgeworfen, dass er seiner Verpflichtung nicht nachkäme und private Gewinnungsanlagen toleriere. Der Verband wollte dem sofort nachgehen, Wasserwarte erhielten zunächst keinen Zutritt. Die Bevölkerung sei der Meinung, man könne jederzeit Eigengewinnungsanlagen bauen, doch dem sei nicht so, informierte Werner. Zwei gewichtige Argumente sprechen dagegen. Wasserversorgung funktioniert als Solidargemeinschaft. Die Folge: Je mehr sich verabschieden, desto teurer wird es für alle anderen. Für den ZV Brudersdorfer Gruppe machte Werner im Nabburger Rathaus diese Rechnung auf. "Wenn sich die 22 Anschließer, die über 800 Kubikmeter jährlich verbrauchen, selbst versorgen, sinkt die Wasserabnahme um mehr als die Hälfte. Die verbleibende Rest zahlt dann das Doppelte." Die Gebühr pro Kubikmeter liegt bereits bei 1,85 Euro.

Dieser Kostenexplosion hat der VGH im Urteil vom 3. April 2014 einen Riegel vorgeschoben. Mit folgender Begründung: Teilbefreiungen vom Benutzungszwang sind "nur insoweit zu gewähren, als dies für die Gebührenzahler zu keiner Erhöhung der bisherigen Verbrauchsgebühr um mehr als 50 Prozent führt; zudem darf dadurch die regionale Durchschnittsgebühr, abhängig vom bisherigen örtlichen Gebührenniveau, nicht um mehr als 10, 20, 30 oder 40 Prozent überschritten werden". Der zweite Grund für die strengen Regeln ist in der Reinheit des Wassers durch genaue Laboranalysen zu suchen. Nach Angaben Werners darf der Bauer sein Wasser nicht für die Spülung in der Melkkammer nutzen. Es sei weder auf Keime noch andere Rückstände untersucht worden. Die Anlage liege nicht in einem Wasserschutz-, sondern in einem intensiv landwirtschaftliche genutzten Gebiet, sagte er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Schmidgadens Bürgermeister Josef Deichl wies auf die getrennte Führung von öffentlicher und privater Leitung hin.

Im genannten Fall soll dagegen eine Vorrichtung private und öffentliche Versorgung verbinden; wahrscheinlich um, falls im Sommer die eigene Quelle versiegt, aus dem öffentlichen Netz zu schöpfen. Verbandsvorsitzender Armin Schärtl packte noch nicht die große Keule aus. "Wir weisen auf den Sachverhalt hin". Dies verband er mit dem Appell, Anlagen dem ZV zu melden.
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