20.02.2018 - 20:00 Uhr
Nabburg

Experten ermitteln Sanierungsbedarf Ein Hallenbad als Totalschaden

Seit 1967 existiert das Hallenbad in Nabburg. Mittlerweile ist es ziemlich in die Jahre gekommen - sowohl baulich als auch von der technischen Ausstattung her, die völlig veraltet ist. Um den genauen Sanierungsbedarf zu ermitteln, nehmen Experten das Bad genau unter die Lupe. Sie kommen zu einem vernichtenden Urteil.

Das Hallenbad auf dem Nabburger Schulberg ist nicht nur baulich in die Jahre gekommen. Auch die Technik entspricht längst nicht mehr dem Stand der Zeit. Experten sollten den Sanierungsbedarf ermitteln und stellten dem Bad nun ein verheerendes Zeugnis aus. Bild: Tietz
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Schwandorf/Nabburg. Bereits im Vorfeld der Sitzung am Dienstag am Landratsamt hatte der Kreisbauausschuss am Montag das Hallenbad auf dem Nabburger Schulberg besichtigt (wir berichteten). Nun hatten die Experten von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen das Wort. Sie waren vom Ausschuss im vergangenen Jahr damit beauftragt worden, den Sanierungsbedarf am Hallenbad zu ermitteln. Die Ergebnisse des Gutachtens stellten Professor Gunther Gansloser und Kurt Pelzer dem Gremium vor. Ihr Fazit war schonungslos: "Das Bad ist ein wirtschaftlicher Totalschaden".

Die Kosten für eine Sanierung des Hallenbades schätzten die Experten auf rund drei Millionen Euro. Ein kompletter Neubau in exakt der gleichen Form, in der es nun existiert, würde mit rund 4,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Folglich: Zu einer Sanierung könne aus bäderfachlicher und ökonomischer Sicht nicht geraten werden, betonte Pelzer.

Angesichts der Besichtigung am Tag vor der Sitzung war Landrat Thomas Ebeling vom Ergebnis dieser Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nicht überrascht. Er stellte aber die Frage in den Raum, wie dringend der Handlungsbedarf ist, beziehungsweise wie lange das Bad noch betrieben werden kann. "Eine akute Schließungsgefahr besteht nicht", antwortete Gansloser. Ein Problem stellen vor allem die alten Leitungen dar. Wenn das Gesundheitsamt bei einer Überprüfung zu dem Schluss komme, dass alle Vorschriften eingehalten werden, gebe es keine Probleme. Sehe die Behörde aber eine Legionellen-Gefahr, so könnte sie Maßnahmen dagegen fordern. Dann bestehe Nachrüstungsbedarf, der aber laut Ansicht des Experten keine umfassende Sanierung nach sich ziehen würde: "Man müsste etwas basteln, damit das nicht mehr auftritt".

Siegfried Damm (SPD) äußerte sich froh, dass kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Dennoch sprach er sich dafür aus, sofort einen runden Tisch mit allen Beteiligten einzuberufen, um über die Zukunft des Bades zu diskutieren. Für Alfred Damm (ÖDP) war klar: "Eine Sanierung käme nicht in Frage, sondern nur ein Neubau". Dieser könnte vielleicht auch an einem anderen Standort - Stichwort: Freizeitzentrum Perschen - entstehen. Georg Butz (CSU) sprach sich dafür aus, zu ermitteln, wie groß genau der Bedarf für das Bad ist, und ergänzte, dass seitens des Gymnasiums bereits ganz leise Raumbedarf angemeldet worden sei. Schulleiter Christian Schwab hatte nämlich bei der Besichtigung am Montag bemerkt, dass der Schule ein Ort für Veranstaltungen fehle und diese immer in den Turnhallen stattfinden müssten.

Landrat Ebeling fasste als Ergebnis der Debatte zusammen: "Ich sehe, dass die Tendenz eher in Richtung Neubau geht". Nun werden Gespräche geführt und der genaue Bedarf ermittelt - auch unter dem Blickwinkel eines möglichen Baus in Perschen, wo das Bad eventuell eine sinnvolle Ergänzung sei und man Synergieeffekte mit dem bestehenden Freibad nutzen könne.

Bauliche Mängel und veraltete Technik

Die Mängelliste, die die Experten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen dem Landkreis-Bauausschuss vorlegten, war lang: Das Nabburger Hallenbad weist nicht nur zahlreiche bauliche Mängel auf, vor allem die Anlagentechnik ist total veraltet. "Man muss davon ausgehen, dass die gesamte Technik erneuert werden muss", legte Kurt Pelzer dem Ausschuss dar. Hinzu kommt: Das Bad dient hauptsächlich dem Schul- und Vereinssport. Das Schwimmbecken habe mit einer Größe von 8 mal 20 Metern keine Regelabmessungen und sei deshalb für Wettkämpfe nicht geeignet. Als Lehrschwimmbecken sei es wegen der fehlenden Wassergewöhnungstiefe - das Becken ist 1,20 bis 1,90 Meter tief - und nicht vorhandener Einstiegshilfen nur bedingt brauchbar. "Das ist ein großes Sicherheitsrisiko für die Aufsichtsperson", betonte Experte Pelzer. (tib)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.