08.02.2018 - 20:00 Uhr
Nabburg

Heimatpfleger will Schau-Zinngießerei Industriedenkmal als Attraktion

Der Heimatpfleger gerät ins Schwärmen. Die Idee, eine bundesweit einzigartige Schau-Zinngießerei zu betreiben, sieht er als große Chance zur Belebung der Altstadt an. Doch der Stadtrat bremst die Euphorie. Finanzielle Bedenken machen sich breit.

Der Betrieb ist längst eingestellt, die einstige Zinngießerei gehört jetzt der Stadt. Der Anbau (rechts) soll für den Zwingerweg weichen. Doch was geschieht mit dem Rest? Bild: Amann
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Auf der Tagesordnung stand eine Grundsatzdebatte über die weitere Zukunft des Gebäudes der Zinngießerei Schreiner, das die Stadt zur Jahreswende mitsamt komplettem Inventar erworben hat. Zu einer Beschlussfassung über die weitere Vorgehensweise, die eigentlich auch vorgesehen war, kam es letzten Endes aber nicht.

Im Mittelpunkt stand der Vorschlag, die einstige Gießerei in ein Konzept einzubeziehen, das vier Komponenten aufweist: Stadtarchiv, Zwingerrundweg, Zinn-Museum und Schauwerkstatt. Dafür warben Stadtarchivar Sebastian Bauer, Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser und Heimatpfleger Raphael Haubelt. Sie bekamen die Gelegenheit, ihre Vorstellungen darzulegen.

Den Anfang machte der Archivar. Sebastian Bauer erinnerte an seinen ersten Tätigkeitsbericht, dem bereits zu entnehmen war, dass die Lagerung des Stadtarchivs in den jetzigen Räumen - klimatisch bedingt - alles andere als optimal ist. Außerdem fehle es platzmäßig an Kapazitäten, so dass das Archiv ein neues Domizil gut brauchen könne. Er nannte Zahlen: 1200 Urkunden und 300 Fotos zählt das Archiv; insgesamt sind es 350 laufende Meter an Material (darunter eine Vielzahl alter Bestände an Ratsprotokollen, Steuerbüchern und Rechnungen), die es umfasst. Mittelfristig sei vor allem durch die Aufnahme der Registratur mit einem Zuwachs auf 850 Meter zu rechnen.

"Kultur-Hotspot"

Nach einem Überblick über das Stadtmuseum, den dessen Leiterin Christa Haubelt-Schlosser gab (Kasten), kam Heimatpfleger Raphael Haubelt konkret auf die Gießerei zu sprechen. Die räumliche Kombination mit dem benachbarten Stadtmuseum biete Synergie-Effekte. Mit der Einrichtung einer Zinn-Schauwerkstatt ließe sich seiner Meinung nach ein Alleinstellungsmerkmal für Nabburg schaffen. Cafe, Aussichtsplattform, Kino und Theater könnten weitere Bestandteile werden. Haubelt erinnerte: Das Zinnhandwerk war einst auf den süddeutschen Raum begrenzt, mit Schwerpunkt in Nürnberg. Dort gebe es heute nichts mehr zu sehen. Aber Nabburg könne ein Industriedenkmal errichten, das Authentizität durch Originalität aufweisen kann. Mit diesem Kultur-Hotspot könne man auch die Altstadt beleben und in der touristischen Werbung einen neuen Weg einschlagen. Erste Kontaktaufnahmen hätten gezeigt, dass es mehrere Förderquellen gäbe.

Nach diesem leidenschaftlichen Plädoyer für den Erhalt des Gießerei-Gebäudes mit kombinierter neuer Nutzung kam die Ernüchterung. Bürgermeister Armin Schärtl (SPD) formulierte sie so: "So schön das alles sein mag, aber ein Kompletterhalt als Schaugießerei wird kaum finanzierbar sein." SPD-Sprecherin Evi Thanheiser sah es ähnlich: Ein drittes Museum unter der Regie der Stadt sei nicht zu schultern. Sie trat dafür ein, einen Kompromiss zu finden. Er könne vorsehen, die Zinn-Sammlung zu verkleinern und im bestehenden Gebäude des Stadtmuseums unterzubringen und in der Gießerei das Archiv einzurichten. Archiv und Schauwerkstätte mit Schmelzofen unter einem Dach würden ihrer Meinung nach ohnehin nicht zusammenpassen. Dritte Bürgermeisterin Heidi Eckl (ÖDP) meinte zwar auch, dass sich die Idee von der Schaugießerei gut anhöre, sie bezweifelte jedoch, ob es ein Publikum für eine solche Dauereinrichtung gäbe.

Zwingerweg zuerst

Frank Zeitler (CSU) trat dafür ein, erst einmal mit dem westlichen Zwingerweg weiterzumachen. Denn dafür sei das Schreiner-Anwesen ja gekauft worden: Damit der rucksackartige Anbau abgebrochen und der Weg an dieser Stelle weitergeführt werden kann. "Erst dann kann man weiterdenken", meinte er. Man müsse sich aber schon darüber im Klaren sein, dass sich der aus dem Jahr 1966 stammende Firmenzweckbau in schlechtem Zustand befinde und daraus großer Investitionsbedarf resultieren würde.

"Wir sollten da nichts versäumen", sprach sich Altbürgermeister Josef Fischer (ABU) dafür aus, das vorgestellte Konzept nicht gleich ad acta zu legen. Nabburg müsse alles tun, um seinem Anspruch als Kulturstadt gerecht zu werden. Schließlich verblieb der Stadtrat ohne Beschluss so, dass zunächst Gespräche darüber geführt werden sollen, ob und wie sich die Zinn-Sammlung zum Bestandteil des bestehenden Stadtmuseums machen ließe.

Kombination mit Stadtmuseum

Das Stadtmuseum im Zehentstadel beinhaltet drei Dauerausstellungen, aber keine Flächen für die Nabburger Stadtgeschichte. Seine Leiterin Christa Haubelt-Schlosser berichtete dem Stadtrat, dass seit 2003 exakt 31 348 Personen die Einrichtung an der Ecke Spitalhof/Schmiedgasse besuchten. 36 Sonderausstellungen gab es in dieser Zeit zu sehen. Der Bestandswert des Museums liege bei 950 000 Euro. Die Angliederung der Zinngießerei-Schreiner-Sammlung würde den Erhalt von Kulturschätzen bedeuten. Der weltweit agierende Nabburger Handwerksbetrieb weise immerhin eine 200-jährige Familientradition mit internationalem Bekanntheitsgrad auf. (am)

Das wäre eine Chance für einen neuen touristischen Weg.Stadtheimatpfleger Raphael Haubelt
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