01.03.2018 - 20:00 Uhr
Nabburg

Digitalisierung ein Kraftakt für Schüler, lehrer und Wirtschaft "Schneller, als wir lernen können"

Die fortschreitende Digitalisierung wird die Arbeitswelt und die berufliche Ausbildung grundlegend verändern. Um in diesem neuen Umfeld bestehen zu können, braucht es einen Kraftakt seitens der Schüler, Lehrkräfte und auch der Wirtschaft.

Bei der Podiumsdiskussion stellten sich (von links) Veit Schmucker emz, Micheal Zankl Bezirk Oberpfalz, Hans Bauer BSZ Schwandorf und Renate Vettori den Fragen der Lehrer und Ausbilder.
von Richard BraunProfil

Nur gemeinsam kann diese Herausforderung gemeistert werden. Der Arbeitskreis "Schule und Wirtschaft" im Landkreis Schwandorf lud Lehrkräfte aus weiterführenden Schulen und Lehrlingsausbilder aus führenden Betrieben des Landkreises zu einem Abend der Ausbildung in den Schulungsraum der Firma EMZ-Hanauer nach Nabburg ein. Unter der Moderation von Renate Vettori vom Schulamt Schwandorf wurde die schulische und berufliche Ausbildung im Zeitalter der digitalen Bildung unter die Lupe genommen.

Vor dem Einstieg in die Thematik bot die Firma EMZ den Teilnehmern Gelegenheit, sich bei einem Firmenrundgang von den Auswirkungen des digitalen Fortschrittes ein Bild zu machen. Mit diesem Hintergrundwissen ließ sich anschließend gezielter diskutieren. "Tatsächlich zeigen sich manche Schulen von der Digitalisierung wenig begeistert", so die Erfahrung von Renate Vettori. Dies stehe jedoch im krassen Widerspruch zu den Gesetzen der Wirtschaft. "Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Alles was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden." Diese Grundsätze hätten auch in der Politik ihren Niederschlag gefunden. Im Masterplan Bayern Digital II hat das Bayerische Wirtschaftsministerium ein Investitionsprogramm mit einem Volumen von drei Milliarden Euro aufgelegt, das die digitale Zukunft Bayerns zur Spitze führen soll.

Die Umsetzung beginne bereits in den Grund- und Mittelschulen. "Es geht darum, die jungen Menschen fit zu machen für die digitale Gesellschaft und Wirtschaft", sieht Renate Vettori als Hauptaufgabe der Schulen. "Informatik wird Pflichtfach an Mittelschulen. Digitale Klassenzimmer, schnelles Internet und virtuelle Arbeitsplätze dürfen keine Zukunftsmusik sein, sondern müssen greifbare Realität werden", so die erfahrene Pädagogin. Ein Grundsatz müsse deshalb lauten: Lernen über Medien und lernen mit Medien.

"Die Welt entwickelt sich schneller als wir lernen können", ist die Erfahrung von Veit Schmucker, der für die Produktion bei EMZ verantwortlich ist. Die Kooperation von Schule und Wirtschaft werde einer der Grundpfeiler der Ausbildung. Nur in den Firmen hätten Schüler die Möglichkeit, erste Erfahrungen an den oft teuren Maschinen zu machen. "Die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte ist unbedingt erforderlich und wird auch so praktiziert" ist Johann Bauer vom Berufsschulzentrum Schwandorf überzeugt. Selbst ein Lehrerbetriebspraktikum, wie es in anderen Ländern bereits gehandhabt werde, sei angedacht.

Die Digitalisierung wird dazu führen, dass manche Berufe verschwinden und dafür neue entstehen. Ein Beispiel dafür ist der neue Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce. Diesen neuen Beruf stellte Michael Surer vor, der als Ausbildungsberater bei der IHK Regensburg tätig ist. Die Schwerpunkte der Ausbildung liegen bei der Auswahl und dem Einsetzen von Online-Betriebskanälen. der Bewirtschaftung und dem dazugehörigen Online-Marketing. Ein bedeutender Schritt in die Zukunft ist die additive Fertigung. Das Stichwort dafür heißt: 3D-Drucker.

"An jeder Schule sollte ein 3D-Drucker stehen", lautet deshalb die Forderung von Diplom-Ingenieur Michael Zankl, der als Netzwerkmanager beim Bezirk Oberpfalz die Verbindungen Schule-Industrie herstellt. "Der Laser ist das Werkzeug für Industrie 4.0", ist der Fachmann überzeugt. Nicht nur Schule und Industrie seien beim Thema "Digitale Zukunft" gefordert, auch die Politik müsse ihren Beitrag leisten, nur so könne die Zukunft gelingen.

An jeder Schule sollte ein 3D-Drucker stehen.Netzwerkmanager Michael Zankl

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp