18.10.2017 - 17:06 Uhr
NabburgOberpfalz

Drei Jahre inmitten von Scherben

Bei den Grabungen im Zwingerweg West sind Dr. Mathias Hensch und sein Team in Nähe des Mähntores auf archäologische Schätze gestoßen. Im Stadtmuseum Zehentstadel arbeitet seit einem Monat Regina Feuerer an den "neuen" Funden. Sie braucht Ausdauer.

Regina Feuerer und ein kleiner Teil der Fundstücke, die sie im Keller des Zehentstadels im Zuge ihrer Promotionsarbeit untersucht. Bilder: plcs (2)
von Redaktion OnetzProfil

Regina Feuerer schreibt seit Juni an ihrer Doktorarbeit und ordnet die Funde ein. Ihren Bachelor in klassischer Archäologie und den darauffolgenden Master in Vor- und Frühgeschichte hat sie in Regensburg absolviert. Nun promoviert sie extern an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über die Nabburger Ausgrabungen.

Viel Material vorhanden

Und davon gibt es jede Menge: Seit 2004 wird immer wieder im Gebiet der Altstadt gegraben: 2005/06 am südlichen Ende, später dann, als an der Spitalkirche und am Kindergarten Baumaßnahmen anstanden. So herrscht an archäologischem Material wirklich kein Mangel. In den nächsten Jahren soll es aber wohl keine neuen Großgrabungen mehr geben, erzählt Regina Feuerer.

Allein für die Funde der letzten Ausgrabung im September diesen Jahres wurden knapp 100 Kisten benötigt, 15 davon für Keramik. Das ist mehr, als man sich vielleicht vorstellt. "Ich habe bis jetzt vier Kisten bearbeitet, wobei in den ersten drei 980 Tonscherben liegen", so Feuerer. Sie bearbeitet in erster Linie Fundstücke aus Keramik, aber auch solche aus Glas und Buntmetall. "Keramik hat den Vorteil, dass sie anders als Holz oder auch Glas nicht 'recycled', also verbrannt oder eingeschmolzen wurde. So gibt es hier mehr Funde", erklärt die junge Frau. Die Funde repräsentieren nahezu die gesamte Stadtgeschichte. "Es ist sehr selten, dass man zum Beispiel einen komplett erhaltenen Keramiktopf entdeckt. Meistens findet man kleinere Puzzlestückchen", erzählt die Doktorandin. Einige Keramikscherben kann man auf das achte Jahrhundert, also auf das Frühmittelalter, datieren.

Noch drei Jahre

Interessant ist, dass man auch Relikte gefunden hat, die aus der Zeit vor dem Jahr 929, der ersten schriftlichen Erwähnung Nabburgs, stammen. So könnte die Anfangszeit der Stadtgeschichte neu geschrieben werden. Anhand der Form kann das Alter bei mittelalterlichen Funden gut bestimmt werden. Bei der C-14-Methode (Messung des radioaktiven Zerfalls im Fund) beträgt die Ungenauigkeit dagegen etwa 100 Jahre. Die dendrochronologische Methode (Ermittlung der Jahresringe) ist genauer, funktioniert aber nur bei Holz. Regina Feuerer hat eine Mammutaufgabe vor sich: Mindestens drei Jahre wird ihre Arbeit noch dauern.

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