12.01.2018 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Dreiste Maschen der Daten-Diebe

Als Rita Armbruster den Briefkasten öffnet und die Post herausnimmt, fällt ihr ein Schreiben besonders auf. Sie öffnet es, wundert sich - und geht zur Polizei.

Wer im Internet aufgefordert wird, seine persönlichen oder Bankdaten preiszugeben, sollte misstrauisch und wachsam sein. In den allermeisten Fällen steckt dahinter eine Betrugsmasche. Bilder: Tietz (2)
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Die ganze Geschichte beginnt für die Wernberg-Köblitzerin mit einem Anruf etwa zwei Wochen vorher: Sie hätte sich an einem Glücksspiel beteiligt und dafür nicht bezahlt, teilt ihr Gegenüber mit. "Ich habe geantwortet, dass ich generell bei keinen Glücksspielen mitmache und nicht belästigt werden möchte", schildert Rita Armbruster in einem Telefonat mit unserer Zeitung. Damit war für sie die Angelegenheit erledigt. Eigentlich. Denn kurz später erhält sie besagten Brief. Er beinhaltet in schriftlicher Form die Aufforderung, für ihre angebliche Glücksspiel-Teilnahme zu zahlen. Die Rechnung summiere sich auf 341 Euro zuzüglich Mahn- und Inkassogebühren. Ein Überweisungsträger liegt dreisterweise gleich bei. Rita Armbruster zahlt nicht, geht zur Polizei und erstattet Anzeige.

Damit handelt sie genau richtig. Denn die Ermittler sind darauf angewiesen, schnell Infos zu erhalten. "Je eher man neue Maschen erkennt, desto früher kann man etwas unternehmen", appelliert der stellvertretende Leiter der Nabburger Polizeiinspektion, Polizeihauptkommissar Stefan Weinberger, an die Bevölkerung, die Ermittler schnell zu verständigen. Oft kämpfen sie aber gegen Windmühlen: "Wenn man eine Machenschaft erkannt hat, fällt der Gegenseite etwas Neues ein - die Bandbreite ist enorm".

Auch im Schutzbereich der Polizeiinspektion Nabburg nehmen die Ordnungshüter zahlreiche Anzeigen von Menschen auf, die Opfer eines Betrugsversuchs - sei es im Internet, per Telefon oder per Brief - geworden sind (siehe Infokasten). Kinderleicht ist es laut Polizei, zum Beispiel eine gefälschte Verkaufsseite im Internet einzurichten - samt Zertifikaten, die den Käufern der vermeintlichen Schnäppchen einen vertrauenswürdigen Eindruck vorgaukeln sollen. Wachsamkeit ist vor allem dann gefragt, wenn Vorauszahlungen verlangt werden. Weinberger rät hier, sich genau zu versichern, wo das Geld hingeht, so lange man keine Ware hat. Generell rät die Polizei dringend dazu, mit seinen persönlichen Daten sehr vorsichtig umzugehen, wachsam zu sein und sie nicht leichtfertig preiszugeben - mag die Internet-Seite, die E-Mail, der Brief oder der Anruf auch noch so seriös erscheinen. "Mehr Skepsis wäre manchmal gefragt", betont Polizeihauptkommissar Weinberger - zum Beispiel auch bei Angeboten, die preislich zu verlockend sind, um wahr sein zu können. "Jeder Mensch will etwas billig bekommen, dann wird man manchmal fahrlässig", weiß Weinberger. Doch oft stecken dahinter gefälschte Seiten.

Wenn man eine Machenschaft erkannt hat, fällt der Gegenseite etwas Neues ein - die Bandbreite ist enorm.Stefan Weinberger, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Nabburg

Gängige Betrugsversuche

Die Ermittler der Polizeiinspektion Nabburg sind mit einer Vielzahl von mehr oder weniger erfolgreichen Betrugsmaschen konfrontiert. Neben den Versuchen, Bankdaten per gefälschter E-Mail zu bekommen, nennt der stellvertretende Leiter der Nabburger Polizeiinspektion, Stefan Weinberger, zum Beispiel einige Fälle, in denen Menschen aus dem nördlichen Landkreis etwas gekauft, bezahlt, aber nicht bekommen haben. Das betrifft zum Beispiel einen Autokauf über eine bekannte Kfz-Seite oder viele Betrugsfälle bei Ebay-Kleinanzeigen.

Relativ häufig seien in der vergangenen Zeit auch Fälle, in denen die Geschädigten ihre Kontodaten in einer angeblichen E-Mail eines großen Internet-Händlers preisgegeben haben. Daraufhin wurden zu ihren Lasten bei besagtem Händler Gutscheine gekauft. Als "ganz dreist" schildert Weinberger einen Fall, bei dem ein Landkreis-Bewohner einen Anruf eines vermeintlichen Mitarbeiters der Firma Microsoft erhielt. Dieser habe angegeben, dass er eine neue Sicherheitssoftware installieren will und deshalb per Fernwartung Zugriff auf den PC benötige. Dass der angebliche Microsoft-Mitarbeiter während der "Installation" Mail-Konto und Internetbanking öffnete, kam dem Angerufenen bereits spanisch vor. Als er dann nach der TAN-Nummer verlangte, war klar, dass es sich um einen Betrugsversuch handelt. Damit konfrontiert, drohte der vermeintliche Mitarbeiter damit, persönliche Daten zu löschen, wenn er die Nummer nicht bekomme. Das Problem war erst gelöst, als der Angerufene das Gespräch beendete und den Computer neu startete.

Bei Betrügern beliebt ist auch der Druck mit Mahnungen - wie im Fall von Rita Armbruster. Laut Weinberger warnt zwischenzeitlich auch die Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen vor genau dieser Masche. Eine Rolle spielt laut Weinberger auch noch der sogenannte "Enkeltrick". Hier hätten aber zahlreiche präventive Maßnahmen bereits Wirkung gezeigt. (tib)

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Weitere Informationen im Internet:

www.polizei.bayern.de www.onlinewarnungen.de

www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de

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