Engpässe am Lehrerpult

Stellvertretender Bezirksvorsitzender Albert Schindlbeck (rechts) und der Vorsitzende des Kreisverbandes Nabburg, Edgar Hanner (Dritter von rechts), zeichneten zahlreiche Jubilare für ihre langjährige Zugehörigkeit zum Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband aus (von links): Rolf Alwin Werner (50 Jahre), Josef Eimer (50), Helmut Engel (50), Diana Wachtel (25), Michael Koppmann (25), Jutta Schenke (40) und Diana Neidhardt (25). Nicht im Bild Elisabeth Junge (40). Bild: ohr
Vermischtes
Nabburg
07.12.2016
53
0

Bei der Jubilarehrung des Kreisverbands Nabburg des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands fielen kritische Worte zur aktuellen Situation an den Schulen. Zwei Aspekte tragen nach Auffassung der Pädagogen besonders zur Zuspitzung der Problematik bei.

Im Beisein von Ehrenvorsitzendem Karl Schimmer und Ehrenmitglied Ludwig Pöppl sowie der Jubilare und zahlreicher Mitglieder blickte Kreisvorsitzender Edgar Hanner im Gasthaus Sauerer auf diverse Aktivitäten zurück. Unter anderem erinnerte er an die Fahrt zur Landesgartenschau in Bayreuth, die Betriebserkundung bei der Firma Bauscher in Weiden und die Personalratswahlen. Christa Wilhelm und Edgar Hanner vertreten in der neuen Periode den Kreisverband.

Die Personalknappheit an den Grund- und Mittelschulen, die Digitalisierung an den Schulen sowie die zunehmende Aggressivität und Verrohung der Sprache in den Schulen und in der gesamten Gesellschaft thematisierte der stellvertretende BLLV-Bezirksvorsitzende Albert Schindlbeck zu Beginn seiner Ausführungen. Weltweit vollziehe sich ein radikaler, gesellschaftlicher Wandel: Neue Medien und soziale Netzwerke greifen ins individuelle Leben sowie in Wirtschaft und Politik ein. Begleitet würden sie von verabscheuungswürdigen Auswüchsen in Sprache und Ehrlichkeit. Nachrichten zufolge stünden mittlerweile Wohlstand, Demokratie und der soziale Friede zur Disposition, betonte der Referent.

"Verbindendes Moment"

"Bildung muss als verbindendes Moment unserer Gesellschaft verstanden werden", lautete sein Fazit. Die Schule sei die einzige Einrichtung für alle Kinder. Über das Wissen hinaus habe sie das soziale Miteinander zu stärken und so zur Stabilisierung der Demokratie beizutragen. Global, aber auch aktuell in Deutschland, führen Ereignisse vor Augen, dass Demokratie ein "fragiles Konstrukt" sei.

Der BLLV sehe es deshalb als seine Aufgabe, dass "Bildung in ihrer übergeordneten Bedeutung für unsere Gesellschaft erkannt und anerkannt wird". Dazu zähle eine deutliche Erhöhung der finanziellen Ressourcen für Bildung und die vom Landesvorstand verabschiedete Umsetzung des BLLV-Manifestes "Haltung zählt". Diese öffentliche Erklärung wendet sich gegen die Verrohung der Sprache, Ausgrenzung und Aggression. Sie ist nicht nur ein Appell an die Lehrer, sondern an die gesamte Gesellschaft zum Schutz der Demokratie.

Lehrerinnen und Lehrer stünden einem pädagogisch sinnvollen Einsatz moderner Medien im Unterricht sehr aufgeschlossen gegenüber, hob der Sprecher weiter hervor. Aber im Mittelpunkt des Schulalltags stehe immer die Lehrerpersönlichkeit und ihre Beziehung zu den Schülern. "Der personale Bezug wird noch wichtiger werden", betonte der BLLV-Repräsentant. Laut einer aktuellen BLLV-Studie mangle es an der Ausstattung und der schnellen Hilfe bei technischen Fragen.

Engpässe beim Personal

Bereits im September warnte der Verband vor Engpässen in der Lehrerversorgung im Laufe des Schuljahres. Die Situation sei nicht flächendeckend dramatisch, betonte Schindlbeck. Aber viele Lehrkräfte würden ihre persönliche Leistungsgrenze überschreiten, um Unterrichtsausfälle zu verhindern. "Das zehrt jedoch an ihren Nerven und macht viele krank", unterstrich der stellvertretende Bezirksvorsitzende.

Seiner Meinung nach stellen zwei Aspekte die Schulen vor besondere Herausforderungen und tragen zur zugespitzten Situation bei: die steigende Zahl zu betreuender Flüchtlingskinder und der gleichzeitig anschwellende Anteil von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Der BLLV werde auch künftig nicht müde, den Finger in die Wunden bayerischer Bildungs- und Beamtenpolitik zu legen, betonte der Redner abschließend und kündigte an, dass der Verband immer konstruktive Vorschläge unterbreiten werde.

EhrungenZahlreiche Mitglieder wurden bei der Versammlung für ihre langjährige Zugehörigkeit zum Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) geehrt. Seit 25 Jahren sind Michael Koppmann, Diana Wachtel und Diana Neidhardt dabei. Für 40 Jahre wurden Elisabeth Junge und Jutta Schenke ausgezeichnet. Bereits seit 50 Jahren sind Rolf Alwin Werner, Jose Eimer und Helmut Engel Mitglied im BLLV. (ohr)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.