30.03.2018 - 20:00 Uhr
Nabburg

Georg Knorr möchte sein Hobby nicht missen Stallhasen als Seelenbalsam

Manche meditieren, manche joggen - Georg Knorr umsorgt seine Stallhasen. Das ist sein Hobby, "um vom Alltag, von der Arbeit runterzukommen." Für seine Großmutter hatte die Hasenhaltung eine ganz andere Bedeutung.

Na, eine gelbe Rübe gefällig? Das ist ein Leckerbissen für die ganze Hasenfamilie. Bilder: Völkl (3)
von Claudia Völkl Kontakt Profil

"Die Oma hat mir viel beigebracht", erzählt der 52-jährige Nabburger. Sie war aus einer Generation, die die Kleintierhaltung nach dem Krieg nicht als Hobby sehen konnte. Der Ehemann war gefallen, vier Kinder mussten versorgt werden. Da war nicht viel Spielraum für Tierromantik. Die Zeiten wurden besser, die Kaninchenzucht blieb. Georg Knorr wuchs als Kind damit auf, wollte seine eigenen Hasen. An seine ersten Tiere erinnert er sich ganz genau: "Zwei Weibchen, ein Braun- und ein Schwarzscheck". Vater Siegfried baute mit seinem Sohn den Stall. Aus den Züchtungen gingen auch schon mal 60 Kaninchen hervor. Etliche wurden verkauft. "2,50 D-Mark, das war damals ein schönes Taschengeld", erinnert sich der "Schosch".

In den großzügigen Boxen sind 22 Kaninchen, darunter noch blinde Babys, untergebracht. Mit den Zuchtausstellungen hat sich einiges geändert. "Früher hieß es, solange der Tag im abnehmen ist, lässt man keine Häsin decken". Das hat sich zeitlich geändert, um im Herbst schöne Tiere präsentieren zu können. Jeder Züchter hat seine "Stilrichtung": Deutscher Riese grau, große Widder, Alaska, Marburger Fee oder Groß-Chin sind sehr beliebt. Georg Knorr hat vorwiegend Rote Neuseeländer im Stall, "darunter zwei Österreicher", erzählt er lachend. Die hat ihm der Gruber-Hans, der ehemalige Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Unterauerbach, vom bekannten Markt in Ried mitgebracht. "Die Tiere werden nicht zu groß und sind recht brav". Auch Zwerghasen spitzen heraus. Darunter ist "Benny". Den hat Tochter Melanie als Kind geschenkt bekommen. Er wird umsorgt, bis er mal von selbst das Zeitliche segnet.

Den Stallhasen geht es gut in der Kleintier-Oase an der Bürgermeister-Haller-Straße. "Die Ställe müssen großzügig sein, damit sich die Tiere gut bewegen können. Nur so bleiben sie gesund", erzählt Knorr. Neben Grascops bekommen sie Gerste, freuen sich über Brot, Kartoffeln, Äpfel und Gemüseabfälle. Sie lieben von Obstbäumen abgeschnittene Wassertriebe, um sie abzunagen und bekommen noch eine Delikatesse: Im Sommer schnallt sich Georg Knorr seine Kirm um. Mit der Sense mäht er Grünstreifen von Nachbarn oder Straßenränder, die "Ranga", ab: Das Gras ist ungespritzt und voller Kräuter. "Ich werde vielleicht dafür belächelt", schmunzelt der 52-Jährige, aber ich bin kein Spinner und auch kein Grüner." Seinen Tieren soll es einfach gut gehen. "Wenn ich sie füttere - das beruhigt". Da kann der Maschinenschlosser so richtig abschalten. Gelernt hat er eigentlich Metzger. Für ihn ist es denn auch vollkommen natürlich, dass für seine Hasen irgendwann das irdische Ende kommt. Das Fleisch ist mager und gesund. Am besten ist der Kaninchenbraten "mit Rahmsauce und Knödel", so wie ihn seine Großmutter zubereitete.

Seit 35 Jahren ist Knorr bei den Unterauerbacher Züchtern Mitglied. Das ist mit rund 200 Mitgliedern einer der stärksten Vereine im Landkreis. Doch da man sich täglich um die Tiere kümmern muss, gehen immer weniger "Junge" diesem Hobby nach. Bei Knorr hat eine Familie eine neue Variante entdeckt: Das Paar leiht sich zur Freude der Kinder immer wieder einen jungen Hasen aus. Der wird umsorgt und gefüttert. Im Herbst kommt das Kaninchen dann zurück "zu seinen Freunden".

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