17.10.2017 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Hebfeier für Austragshaus "Neuzugang" im Freilandmuseum

Seit drei Jahren wird im Freilandmuseum Neusath-Perschen ein alter Hof wieder aufgebaut. Zur Hebfeier des Austragshauses gab es nicht nur viele Informationen über das jahrhundertealte Gebäude - sondern auch eine nasse Überraschung von oben.

Nach der Hebfeier besichtigten Bürgermeister Armin Schärtl und einige Interessierte auch den Dachstuhl des "neuen" Hauses. Besonders dessen Statik spielte bei der Wiedererrichtung eine große Rolle. Bilder: plcs(2)
von Redaktion OnetzProfil

Neusath-Perschen. Beim Richtfest für den dritten Gebäudeteil des sich gerade im Bau befindlichen Hofes, auf der auch Bürgermeister Armin Schärtl, einige Mitarbeiter des Museums und Zimmerer anwesend waren, gab es einige Informationen zum "neuen" Haus "Köstlerwenzel". So heißt das Austraghaus des ehemaligen "Köstlerwenzelhofs", das bis 2003 in der Gemeinde Neualbenreuth (Landkreis Tirschenreuth) stand. Dort wurde es dann auf Wunsch des Bezirks abgebaut und eingelagert.

Seit Herbst 2014 wird es nun im Stiftlanddorf des Freilandmuseums wieder aufgebaut. Im Frühjahr 2015 begann die Holzinstandsetzung, bei der alte Balken restauriert wurden. Solche, die nicht mehr zu retten waren, wurden rekonstruiert und ergänzen nun die Konstruktion. Einige Balken bestehen sowohl aus einem restauriertem und einem rekonstruiertem Teil - gerade statisch eine große Herausforderung. Im Jahr darauf wurden die Bruchsteinwände wieder originalgetreu wiedererrichtet. "Gerade die Rekonstruktion eines Gewölbes aus diesem Material ist bewundernswert", betonte Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer bei der Hebfeier am Montag.

Insgesamt sind 90 Kubikmeter Feldsteine und 40 Kubikmeter Holz verbaut worden. Sämtliche Arbeiten wurden und werden von den museumseigenen Handwerkern ausgeführt. Wichtig ist, dass sie auf das historische Handwerk spezialisiert sind, das heute nur noch wenige beherrschen. Seit mittlerweile über 30 Jahren pflegen sie die Häuser im Museum - so hat sich einiges an Erfahrung angesammelt. Es besteht auch ein Kooperationsvertrag mit der OTH (Ostbayern Technische Hochschule) in Bezug auf historische Bauforschung.

Datiert ist das Gebäude auf das Jahr 1783. "Oft meint man, dass diese Häuser einmal gebaut werden und dann immer so stehen bleiben. Nein, es wurde ständig umgebaut, weil die Anforderungen wechselten", erklärte Dr. Angerer. Wahrscheinlich wurden im ersten Stock immer wieder neue Wände eingezogen oder herausgenommen. "Wir haben beschlossen, den Zustand von 1783 wieder herzustellen und möglicherweise mit einer Ausstellung auch den verschiedenen Nutzungen gerecht zu werden, besonders aber dem Austrag", sagte die Museumsleiterin weiter. Ein Problem bei der Gebäudeanlage: Das Haupthaus fehlt. Es brannte 1986 aus ungeklärter Ursache ab, nachdem es einige Jahre zuvor eine Berliner Aussteigerfamilie erworben hatte. "Ich hoffe, dass wir eines Tages die Genehmigung bekommen, das Haupthaus zu rekonstruieren", hoffte Dr. Angerer. Nach der Ansprache übergab sie das Wort an Zimmermann Anton Götz, der eine kurze Rede hielt. Danach wurde der Richtbaum auf dem Dachfirst angebracht. Plötzlich schütteten die Zimmerer - einem alten Brauch folgend - einen Zuber Wasser von der Traufe aus. Museumsleiterin Dr. Angerer konnte der unplanmäßigen Dusche aber gekonnt ausweichen. Anschließend stießen die Zimmerer mit Sektgläsern, die dann weggeworfen wurden, an. Zu guter Letzt gab es für alle Beteiligten noch Weißwürste und Brezen.

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