Musik klingt aus dem Obertor

Um Feuchtgkeitsschäden künftig zu vermeiden, wurden im Obertor eine Wandtemperierung und eine Zwangslüftung eingebaut. Bild: Götz
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Nabburg
10.01.2017
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Bürgermeister Armin Schärtl (Zweiter von rechts) und Johannes Schießl vom Bauamt (rechts) stellten die Sanierungsmaßnahme Obertor vor. Neue Mieter sind Benjamin Steinbacher - hier vertreten durch seine Frau Bianca - und Max Lehner. Bild: Völkl

Im Empfangsraum steht die einladende rote Couch, eine Etage höher bereits ein E-Piano. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ist das Nabburger Obertor wieder bewohnbar und hat nun auch neue Mieter gefunden.

Eine private Musikschule zieht ins historische Wahrzeichen ein. Als der frühere Landtagsabgeordnete Otto Zeitler sein Stimmkreisbüro aus dem Obertor nach Schwandorf verlagerte, stand das mittelalterliche Gebäude etwa sechs Jahre leer. Gut hat das dem mit Städtebaufördermitteln saniertem Obertor nicht getan: Feuchtigkeit zog sich durch die undichten Fugen ins Innere. Die Stadt kam um eine erneute Sanierung nicht herum. Die Schäden waren zwar - so die Beurteilung der Restaurierungsfirma - noch relativ gering, doch der Verfall wäre immer schneller fortgeschritten - bis zur Einsturzgefahr.

Kosten: 138 000 Euro

Seit der ersten Restaurierung in den 90er Jahren hat sich in der Innendämmung viel getan, wurden Baustoffe weiterentwickelt. Dieses Wissen wurde nun bei der zweiten Maßnahme eingesetzt. Bittere Pille für die Stadt: Aus dem Topf "Städtebaufördermittel" kann kein zweites Mal geschöpft werden. Von 138 000 Euro Sanierungskosten bleibt der größte Teil an der Stadt hängen. Der Bezirk Oberpfalz und die Bayerische Landesstiftung unterstützen das Projekt mit rund 20 000 Euro.

Von März bis Oktober 2015 versetzten acht Fachfirmen - vorwiegend aus der Region - das Obertor wieder in einen bewohnbaren Zustand. Johannes Schießl vom Bauamt der Stadt nennt die einzelnen Schritte: So mussten der Putz und steinsichtige Flächen überarbeitet, die Eichenholzfenster erneuert werden. Der Wehrgang und der obere Bereich der Freitreppe wurden abgedichtet, das Holzgeländer inklusive Tragkonstruktion und der Bohlenbelag am Wehrgang erneuert.

Zur Temperierung

Innen sind die Wände neu verputzt und sämtliche Holzoberflächen überarbeitet. Ganz wichtig: Die mechanische Zwangslüftung mit Hilfe eines Thermoventils sagt der Feuchtigkeit den Kampf an. In den Wänden sind zudem Kupferleitungen zur Temperierung eingeputzt. All das geschah mit nur minimalen Eingriffen in die historische Bausubstanz.

Bürgermeister Armin Schärtl freute sich bei einem Rundgang sehr, dass dieses sanierte "Kleinod in der Altstadt" nun auch neue Mieter hat. Es ist wie Musik in seinen Ohren: Die Musiker Benjamin Steinbacher - besser als Ben Stone bekannt - und Max Lehner erfüllen sich ihren Traum und eröffnen hier, unterstützt von Steinbachers Ehefrau Bianca, im Februar eine Musikschule.

Knapp 20 Quadratmeter groß ist jedes der achteckigen Stockwerke. Im Untergeschoß sind Toiletten und Heizung untergebracht. Hier befand sich früher übrigens der Nabburger Kleinkerker für Kleinkriminelle. Über dem Eingangsraum, der über den Wehrgang zu erreichen ist, liegen die beiden Unterrichtsräume. Am 29. Januar ist Schnuppertag.

Gotischer TorturmDas Obertor ist ein Teil der Nabburger Festungsmauer und wurde 1565 erbaut. Der gotische Torturm mit achteckigen Obergeschossen und Pyramidendach hat ein Durchfahrtstor mit spitzbogigem Torbogen, Wehrgang und Freitreppe. Der südliche Bogen wurde erst 1912/13 als Fahrzeugdurchfahrt angebaut.
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