Schaufenster in die Geschichte

Johanna Ullmann-Süß zeigt im Schaudepot den Arztschlitten aus dem 19. Jahrhundert, der von Carolin Binninger restauriert worden ist. Bilder: plcs (2)
Vermischtes
Nabburg
19.10.2017
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Eine von mehreren Vitrinen im Schaudepot: Darin befinden sich etliche gut erhaltene Gebrauchgegenstände aus vielen Jahrzehnten.

Die Schätze der Vergangenheit werden im Freilandmuseum Neusath-Perschen in einem 3000 Quadratmeter großen Zentraldepot gelagert. Den Besuchern ist es aus Hygienegründen nicht zugänglich. Um Geschichtsinteressierte trotzdem einzubinden, hat sich die Museumsleitung etwas einfallen lassen.

Neusath-Perschen. "Wir haben ein Schaudepot angelegt, eine Mischung aus Depot und Ausstellung", erklärt Johanna Ullmann-Süß. 2000 Exponate sind dort zu sehen. Das gesamte Zentraldepot passt sich gut der Landschaft an. Der Bau ist dezent gestaltet, aber trotzdem lässt sich die Größe dieses Gebäude gut erahnen. An den rund vier Millionen Euro Baukosten hat sich die EU mit 1,5 Millionen Euro beteiligt. Auch der Bezirk Oberpfalz brachte sich bei der Finanzierung ein.

Keine Klimaanlage nötig

Dank einer guten Gebäudeplanung konnte auf eine teure und aufwendige Vollklimatisierung verzichtet werden. "Es wird manuell belüftet, eine Temperatur von 18 bis 21 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent sind der Normbereich", erklärt die stellvertretende Museumsleiterin Johanna Ullmann-Süß. Klimastabilisierung und Hygiene sind die beiden Hauptpfeiler zum Schutz der Exponate. Langsame Temperaturschwankungen das Jahr über sind hingegen unproblematisch. Im Depot befindet sich ein Thermohygrograph, der Luftfeuchtigkeit und Temperatur aufzeichnet. Somit kann ein optimales Klima gewährleistet werden. Wer das Depot besucht, geht über einen Steg in den zentralen Ausstellungsraum, in dessen Mitte sich eine Art Pyramide hinter Glas befindet: Das "Objektarium" zeigt Ausstellungsstücke, die immer wieder wechseln. An drei Tablets können sich die Besucher über die einzelnen Ausstellungsstücke informieren. Außerdem werden an einem großen Monitor mit Touchfunktion 74 alte Stummfilme in Schwarzweiß gezeigt, die etwa eine Schafschur im frühen 20. Jahrhundert zeigen und noch authentisch gedreht wurden. Es sollen einmal 150 Filme werden. "Die alten Filme konnte Johanna Ulmann-Süß vor der "Entsorgung" retten. "Ich habe sie dann für das Depot sichern können", so Ullmann-Süß.

Bedrohte Wörter

Durch drei schmale Fenster können Besucher einen Blick ins Depot werfen. Betreten dürfen sie es nicht. Begriffe an der Wand neben den Fenstern sind wichtig für das Verständnis des Depots. Die rot geschriebenen sind Wörter, die mittlerweile zu verschwinden drohen, etwa "Rogl" für Tüte. Durch eine Glasfront mit Tür kommt man ins eingangs erwähnte Schaudepot. Dieses betretbare Depot beherbergt einige interessante Exponate wie einen von der Studentin Carolin Binninger für ihre Masterarbeit aufwendig restaurierten Arztschlitten aus dem späten 19. Jahrhundert. Des weiteren kann man sich Fahrräder aus den 1930ern bis 1950ern anschauen sowie einige Schränke, die nach der Herkunftsregion geordnet sind. "Exponate werden nicht mehr restauriert, sondern konserviert. Schäden, die durch lange Lagerung verursacht worden sind, werden behoben, typische Gebrauchsspuren aber nicht. So bleibt die Authentizität wesentlich besser erhalten", erläutert Johanna Ullmann-Süß. Im Keller befindet sich der von der Öffentlichkeit abgeschirmte Teil des Depots mit platzsparenden mobilen Aktenschränken für die Exponate. Insgesamt gibt es 2400 Quadratmeter Depotfläche, wovon etwa 300 zugänglich sind. Im nördlichen Teil wird gearbeitet: Hier befinden sich die ebenerdigen Werkstattbereiche mit einer Schreinerei. Um ein Exponat zu archivieren, sind immerhin 17 Arbeitsschritte erforderlich.

Depot geöffnetJohanna Ullmann-Süß bietet am Sonntag, 22. Oktober, um 14 Uhr eine Sonderführung durch das Schaudepot an.
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