07.07.2017 - 11:42 Uhr
NabburgOberpfalz

Schul-Mustergarten im Freilandmuseum Grüner Schüler-Daumen

Hitzefrei interessiert die sechste Klasse der Pfreimder Mittelschule sprichwörtlich ungefähr so, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Sie hat an diesem Tag Besseres zu tun. Sie "muss" im Garten arbeiten.

von Irma Held Kontakt Profil

Nabburg/Pfreimd. Dieser Garten liegt im Freilandmuseum. Zusammen mit einem Helferteam um Projektleiterin Bettina Kraus verbringen die Schüler dort regelmäßig einen Schultag. Dieses Mal gibt es was zu ernten: Erbsen, Kohlrabi, Gurken, Mairübe, ein paar Himbeeren und Basilikum. Schön rot blühen die Feuerbohnen auf dem Beet im eingezäunten Bereich. Außerhalb hat nur eine überlebt und auch von der Gurke ist so gut wie nichts geblieben. "Die Gurke und die Bohnenpflanzen haben mit Vergnügen die Museumsgänse gefressen", erklärt Kraus.

Wenn einer noch gezweifelt hat, ist spätestens jetzt der Beweis dafür erbracht, weshalb Bauerngärten früher eingezäunt waren. Auch den Schulgarten, in dem ein pflanzliche Vielfalt gedeiht, schützt ein Hanichelzaun. Blumen. Sträucher, Erdbeeren, Salat, Kartoffeln und noch viel mehr Pflanzen sind vor dem gefräßigen Federvieh sicher. Vor dem Garten stehen zwei Bankerln zum Ausruhen nach getaner Arbeit. "Die haben wir gemacht," erzählt Markus stolz beim Erbsen lesen. Mit wir meint er die Projektgruppe "Bauen". Ein Schemel im Garten geht ebenfalls auf die Kappe der Buben.

Doch bevor die Schüler ins Freie dürfen, steht Theorie im Tagungsraum auf dem Projektplan. Eine trockene Angelegenheit ist das aber nicht. Johanna Baumann spannt die Schüler mit Semmeln formen und bestreuen mit Leinsamen, Sesam oder Kümmel ein. Wer gerade nicht an der Semmel arbeitet, kann sich als Zwischenmahlzeit Haferflocken mahlen. Das fordert den Forscherdrang heraus. "Wir machen jetzt Hafermehl." Danach gefragt, ob's gelungen ist und schmeckt, kommt die leicht nach Enttäuschung klingende Antwort: "wie Kaugummi".

"Diese Klasse macht unheimlich gut mit", ist Bettina Kraus begeistert. Aus den Worten von Dr. Birgit Angerer ist zu schließen, dass die Zusammenarbeit mit der Pfreimder Schule ein Win-Win-Projekt ist. Das Museum suchte eine Klasse für den Mustergarten und der Pfreimder Rektor Siegfried Seeliger eine Aktion zur gesunden Ernährung. "Nach diesem Probedurchgang", erklärt dazu Kraus, "können es andere Schulklassen buchen, entweder für einen Tag oder als Bündel."

Die Schüler sind bereits voraus gerannt, um im Garten nach dem Rechten zu sehen. Einige kommen sogar außerhalb des Schulprojekts ins Museum, um sich zu kümmern. Sie haben einen Ausweis und dürfen jederzeit rein. Bei so vielen Händen geht die Ernte schnell, muss sie auch, denn Annegret Hottner wartet. Die Saatgutspezialistin von "Arche Noah" zeigt das Vermehren von Pflanzen. Niels ist eine Art kommender Fachmann. Er ist inzwischen Mitglied bei "Arche Noah" und übernahm auf Vermittlung von Annegret Hottner die Patenschaft für eine Tomatensorte. Bei den Johannisbeer-Setzlingen fordert Hottner Mitarbeit ein. Das braucht sie nicht zwei Mal zu sagen. Hauswirtschafterin Brigitte Müller passt während der Arbeit im Freien auf, dass die Semmeln nicht verkohlen und bereitet mit Schülern die Sommerbrotzeit im Tagungsraum zu - schmackhaft und frisch mit den eigenen Semmeln aus Dinkel- und Vollkornmehl, Gurken, Kohlrabi und Mairübe aus dem eigenen Garten, nur der Frischkäse ist gekauft.Mustergarten im Freilandmuseum

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.