Schul-Mustergarten im Freilandmuseum
Grüner Schüler-Daumen

Im Garten gibt es immer viel zu tun, auch zwischen dem Pflanzen und der Ernte. Bei diesen fleißigen Gärtnern geht hacken, Unkraut zupfen und gießen flott von der Hand. Bilder: Held (5)
Vermischtes
Nabburg
07.07.2017
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Kümmel, Sesam oder Leinsamen geben den Semmeln die nötige Würze.

Hitzefrei interessiert die sechste Klasse der Pfreimder Mittelschule sprichwörtlich ungefähr so, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Sie hat an diesem Tag Besseres zu tun. Sie "muss" im Garten arbeiten.

Nabburg/Pfreimd. Dieser Garten liegt im Freilandmuseum. Zusammen mit einem Helferteam um Projektleiterin Bettina Kraus verbringen die Schüler dort regelmäßig einen Schultag. Dieses Mal gibt es was zu ernten: Erbsen, Kohlrabi, Gurken, Mairübe, ein paar Himbeeren und Basilikum. Schön rot blühen die Feuerbohnen auf dem Beet im eingezäunten Bereich. Außerhalb hat nur eine überlebt und auch von der Gurke ist so gut wie nichts geblieben. "Die Gurke und die Bohnenpflanzen haben mit Vergnügen die Museumsgänse gefressen", erklärt Kraus.

Wenn einer noch gezweifelt hat, ist spätestens jetzt der Beweis dafür erbracht, weshalb Bauerngärten früher eingezäunt waren. Auch den Schulgarten, in dem ein pflanzliche Vielfalt gedeiht, schützt ein Hanichelzaun. Blumen. Sträucher, Erdbeeren, Salat, Kartoffeln und noch viel mehr Pflanzen sind vor dem gefräßigen Federvieh sicher. Vor dem Garten stehen zwei Bankerln zum Ausruhen nach getaner Arbeit. "Die haben wir gemacht," erzählt Markus stolz beim Erbsen lesen. Mit wir meint er die Projektgruppe "Bauen". Ein Schemel im Garten geht ebenfalls auf die Kappe der Buben.

Doch bevor die Schüler ins Freie dürfen, steht Theorie im Tagungsraum auf dem Projektplan. Eine trockene Angelegenheit ist das aber nicht. Johanna Baumann spannt die Schüler mit Semmeln formen und bestreuen mit Leinsamen, Sesam oder Kümmel ein. Wer gerade nicht an der Semmel arbeitet, kann sich als Zwischenmahlzeit Haferflocken mahlen. Das fordert den Forscherdrang heraus. "Wir machen jetzt Hafermehl." Danach gefragt, ob's gelungen ist und schmeckt, kommt die leicht nach Enttäuschung klingende Antwort: "wie Kaugummi".

"Diese Klasse macht unheimlich gut mit", ist Bettina Kraus begeistert. Aus den Worten von Dr. Birgit Angerer ist zu schließen, dass die Zusammenarbeit mit der Pfreimder Schule ein Win-Win-Projekt ist. Das Museum suchte eine Klasse für den Mustergarten und der Pfreimder Rektor Siegfried Seeliger eine Aktion zur gesunden Ernährung. "Nach diesem Probedurchgang", erklärt dazu Kraus, "können es andere Schulklassen buchen, entweder für einen Tag oder als Bündel."

Die Schüler sind bereits voraus gerannt, um im Garten nach dem Rechten zu sehen. Einige kommen sogar außerhalb des Schulprojekts ins Museum, um sich zu kümmern. Sie haben einen Ausweis und dürfen jederzeit rein. Bei so vielen Händen geht die Ernte schnell, muss sie auch, denn Annegret Hottner wartet. Die Saatgutspezialistin von "Arche Noah" zeigt das Vermehren von Pflanzen. Niels ist eine Art kommender Fachmann. Er ist inzwischen Mitglied bei "Arche Noah" und übernahm auf Vermittlung von Annegret Hottner die Patenschaft für eine Tomatensorte. Bei den Johannisbeer-Setzlingen fordert Hottner Mitarbeit ein. Das braucht sie nicht zwei Mal zu sagen. Hauswirtschafterin Brigitte Müller passt während der Arbeit im Freien auf, dass die Semmeln nicht verkohlen und bereitet mit Schülern die Sommerbrotzeit im Tagungsraum zu - schmackhaft und frisch mit den eigenen Semmeln aus Dinkel- und Vollkornmehl, Gurken, Kohlrabi und Mairübe aus dem eigenen Garten, nur der Frischkäse ist gekauft.

Mustergarten im Freilandmuseum

Nabburg/Pfreimd. (ihl) Die Schüler der 6. Klasse der Landgraf-Ulrich-Mittelschule Pfreimd betreuen 2017 den neu angelegten Garten beim "Klösterwenzel" im Freilandmuseum Neusath-Perschen. Sie lernen alte Nutzpflanzen, Selbstversorgung, Saatgutvermehrung und Gartenarbeit kennen. Das Projekt "Mustergarten in Neusath" wird gefördert von der Umweltbildung Bayern. Der Raiffeisenverein übernimmt die Kosten für die Schule.

Dieser außerschulische Lernort vermittelt unter anderem gesunde Ernährung oder nachhaltiges Wirtschaften. Lernziele sind Selbstversorgung durch die Bereiche Holz und Wald, Feld und Garten, Küche und Keller; die Wertschätzung selbst angebauter Früchte; die erhaltenswerte Sortenvielfalt; sparsames und vorausschauendes Wirtschaften. Was den Garten im Museum so besonders macht ist nach Überzeugung von Dr. Birgit Anger, Leiterin des Freilandmuseums, das anschauliche Kennenlernen und Vermitteln von Zusammenhängern. Dazu zählt sie das Funktionieren eines früheren Bauernhofes oder die Bedeutung von Mist und Jauche sowie die Hanichel-ernte im Museumswald. Daraus wurde mit dem Museumszimmerer der Zaun für den Garten gebaut. Angerer zufolge hat bereits die Förderschule Nabburg Interesse an dem Projekt angemeldet und auch die Zusammenarbeit mit der Pfreimder Schule wird im nächsten Schuljahr fortgesetzt.

Die Gurke und die Bohnenpflanzen haben mit Vergnügen die Museumsgänse gefressen.Projektleiterin Bettina Kraus
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