11.03.2018 - 20:00 Uhr
Nabburg

Steuerberater Johann Kreckl spricht beim VdK Übergeben, nicht vererben

"Bei einer Erbschaft können hohe Steuern anfallen. Die lassen sich aber umgehen oder mindern, wenn man frühzeitig schenkt." Steuerberater Johann Kreckl von der Treukontax Nabburg hat beim VdK-Ortsverband einige Tipps parat.

Fachmann Johann Kreckl empfahl bei einem Vortrag beim VdK im "Kräuterbeck", die persönlichen Freibeträge bei Schenkungen rechtzeitig und geschickt zu nutzen. Bild: bph
von Sepp FerstlProfil

Kreckl sprach zum Thema "Schenkungssteuer - clever gestalten" und erläuterte detailliert die Erbschaftssteuer-Reform mit der Neuregelung bei Bewertung und Besteuerung des Vermögens. Familien könnten durch gezielte Schenkungen viel Geld vor dem Fiskus schützen aber auch zugleich unliebsame Erben später ins Leere laufen lassen, so Fachmann Johann Kreckl. Seine Strategie lautet: "Rechtzeitig die persönlichen Freibeträge bei Schenkungen geschickt nutzen."

So dürfen Ehegatten und eingetragenen Lebenspartner alle zehn Jahre 500 000 Euro steuerfrei erhalten, Kinder 400 000 Euro und Enkel 200 000 Euro. "Kindern stehen dabei die Freibeträge von Mutter und Vater zu."

Gewinner und Verlierer

Gewinner der seit 2009 geltenden Reform seien aktive Betriebe, wie Landwirtschaft. Verlierer Immobilien und verpachtete Gewerbebetriebe. Bei der Bewertung von Einfamilienhaus/ Eigentumswohnung komme der Bodenwert aus der Bodenrichtwertkarte und der Gebäudewert (Regelherstellungskosten abzüglich Altersabschlag) zum Tragen. Beim Mehrfamilienhaus, Miet- oder Geschäftshaus ebenso der Bodenwert, aber beim Gebäude 70 Prozent der Jahresmiete.

Es gebe auch Verschonungsregelungen (steuerfrei) für selbstgenutzte Immobilien: Nutzung durch den Ehegatten. "Bei der Nutzung durch Kinder aber nur steuerfrei, wenn es weniger als 200 Quadratmeter sind und nur im Erbfall." Zum Beispiel nannte Kreckl einen Wohnhausverkehrswert von 200 000 Euro. Die Erbschaftssteuer betrage etwa 90 Prozent; dies seien 180 000 Euro. Der Freibetrag eines Elternteils von 400 000 Euro würde abgezogen; demnach würden keine Steuern für das Kind anfallen. Hingegen würde bei einem Wohnhaus (200 000 Euro) der Tante an die Nichte 20 Prozent Steuern anfallen, also 32 000 Euro.

"Nicht vererben, sondern zu Lebzeiten übergeben", lautete der Ratschlagt Kreckls, wobei er zur Untermauerung seiner Aussage einige Beispiele anfügte. Bei einem Mietshaus riet er zum Nießbrauchsrecht. Sein Beispiel: Miete 10 000 Euro mal Faktor 12,4 gleich Wertminderung 120 400 Euro. Und dieses mal 20 Prozent : 20 080 Euro Steuern gespart.

Beachtet werden sollte laut Referent, dass alle zehn Jahre die Freibeträge neu berechnet würden. Der Erbschein habe keine Bindungswirkung für die Finanzverwaltung. Bei einer Ebengemeinschaft (drei Kinder) müsse jedes Kind ein Drittel des gesamten Vermögens versteuern. Verbindlichkeiten bei der Bank oder offene Rechnungen könnten Steuer mindern. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an.

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