12.04.2017 - 14:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Unbekannter fliegt mit Drohne über Storchenhorst "Tiefflieger" als Storchenschreck

Er hat im Internet-Forum den Status eines "Tieffliegers" - und macht diesem Namen vielleicht alle Ehre. Mit einer Drohne könnte der unbekannte Fotograf Tieren zu nahe gekommen sein und sie verschreckt haben - wie den Perschener Storch. Mit dem im Internet gezeigten Foto machte sich der "Tiefflieger" keine Freunde und rief sogar die Polizei auf den Plan.

Nicht mit der Drohne sondern mit einem Teleobjektiv wurde dieses Bild der beiden Störche auf der Nabburger Friedhofskirche aufgenommen. Ihrem Artgenossen auf dem Dach der Kirche St. Peter und Paul in Perschen kam jetzt scheinbar eine Drohne zu nahe. Bild: Tietz
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

"Ich konnte nicht ahnen, dass der so schlechte Nerven hat", kommentiert der "Tiefflieger" das Foto, das den Storch direkt beim Abflug von seinem Horst auf dem Kirchendach im Nabburger Stadtteil Perschen zeigt. Bei vielen Forumsmitgliedern stößt er damit auf Unverständnis: "Störche aus dem Nest jagen kommt echt nicht so gut...", schreibt einer, während ein anderer dem Fotografen dringend einen Gang zum Arzt empfiehlt. Einsicht war beim "Tiefflieger" aber nicht vorhanden - im Gegenteil: "Störche gibt es ja inzwischen wieder überreichlich. Ich habe noch einen anderen angeflogen, der schon vier Eier im Nest hatte, der ist nicht weggeflogen... Singles halt...", schreibt er und räumt damit ein, auch schon einen brütenden Vogel per Drohne angeflogen zu haben. Der Storch in Perschen sei nach einer Platzrunde wieder in seinem Nest gelandet. "Lustig finde ich das nicht, aber es bereitet mir auch keine schlaflosen Nächte", teilt der Fotograf weiter mit.

"So etwas geht überhaupt nicht", bezieht der Leiter der Kreisgruppe Schwandorf des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Zeno Bäumler, klar Stellung zu dem Foto. Ganz offenkundig wurde der Storch für ihn bewusst mit einem Multikopter - besser bekannt als Drohne - angeflogen. "Wenn ich weiß, da ist ein Storchennest, gehe ich dort nicht hin", äußert der LBV-Kreisgruppenleiter sein generelles Unverständnis über die Tatsache, dass der Drohnenbesitzer scheinbar absichtlich und mutwillig auf das Storchennest zugeflogen sei. Generell sei die Natur dafür da, dass sich der Mensch erholen könne, "aber es gibt bestimmte Regeln, die man einhalten sollte", unterstreicht Bäumler in einem Telefonat mit unserer Zeitung.

Flucht aus dem Nest

Eine große Gefahr sieht Bäumler darin, dass die Vögel die herannahende Drohne zum Beispiel für einen gefährlichen Greifvogel halten könnten und aus dem Nest flüchten. Unter Umständen kehren sie laut LBV-Experte Bäumler im Anschluss aus Angst gar nicht mehr in ihr Nest zurück. "Das kann so weit gehen, dass sie die Brut aufgeben", führt er weiter aus, dass dies für ein eventuelles Gelege tödliche Folgen hätte. Oftmals wären Nester und dort lebende seltene Vogelarten für nicht-geschulte Augen überhaupt nicht zu erkennen, legt Bäumler dar, dass es manchmal auch gar keine Absicht der Drohnenbesitzer ist, wenn sie Vögeln zu nahe kommen. Das müsse man sich aber bewusst machen, bevor man ein derartiges Fluggerät aufsteigen lässt.

Auch wenn es bis dato im Landkreis Schwandorf noch keine Vorfälle mit Drohnen gegeben habe, sei das Thema im Landesbund für Vogelschutz durchaus brisant: "Das ist schon ein Problem", bestätigt Bäumler. Er appelliert an die Drohnenbesitzer, ihrem Hobby auf einem Fluggelände - wie zum Beispiel in Perschen - nachzukommen. Wer Tiere fotografieren möchte, könne sich gerne auch an den Landesbund für Vogelschutz wenden. Dort können Experten den Fotografen viele Empfehlungen geben und zum Beispiel sagen, wie nahe sie den Tieren kommen können, ohne dass sie davon gestört werden.

Drohnen: Was ist erlaubt?

Vor wenigen Tagen trat eine neue Drohnen-Verordnung in Kraft. Generell kein Problem ist es demnach, Drohnen auf einem Modellfluggelände fliegen zu lassen. Die neuen Regeln gelten laut einer Information des Bundesverkehrsministeriums nur außerhalb – mit einer Ausnahme: Wie bei jeder Drohne muss am Fluggerät eine Plakette mit dem Namen und der Adresse des Besitzers befestigt sein. Wer eine Drohne mit einem Gewicht von mehr als zwei Kilo besitzt, muss darüberhinaus besondere Kenntnisse nachweisen. Laut Ministerium kann dieser Nachweis nach einer Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle erteilt werden. Wessen Drohne mehr als fünf Kilo auf die Waage bringt, benötigt zusätzlich noch eine „Aufstiegserlaubnis“, die von den Landesluftfahrtbehörden erteilt wird.

Grundsätzlich verboten ist es, Drohnen außerhalb von Modellfluggeländen mehr als 100 Meter hoch fliegen zu lassen. „Eine behördliche Ausnahmeerlaubnis kann bei den Landesluftfahrtbehörden beantragt werden“, teilt das Ministerium weiter mit. Generell dürften Drohnen nur in Sichtweite geflogen werden und müssten stets bemannten Luftfahrzeugen ausweichen. Laut Verkehrsministerium ist der Betrieb von Drohnen zum Beispiel über Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Menschenansammlungen, Hauptverkehrswegen oder An- und Abflugbereichen von Flugplätzen verboten. Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 0,25 Kilogramm dürfen auch nicht über Wohngrundstücken fliegen. Das Gleiche gelte, wenn das Objekt – unabhängig von seinem Gewicht – in der Lage sei, optische, akustische oder Funksignale zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen.

Die Polizei ermittelt

Das Bild im Internet vom abfliegenden Storch hat auch die Polizei auf den Plan gerufen. Ihr wurde über Tierschützer bekannt, dass besagte Einträge im Internet existieren. "Gegen den Schreiber, der im Forum den Status 'Tiefflieger' hat, wurden Ermittlungen bezüglich möglichen Verstößen gegen das Luftverkehrsgesetz und das Tierschutzgesetz aufgenommen", teilte die Polizeiinspektion Nabburg mit und bat gleichzeitig um Hinweise zu dem Drohnenbesitzer. Wer Beobachtungen gemacht hat, soll sich mit der Polizei Nabburg unter der Telefonnummer 09433/2404-0 in Verbindung setzen. (tib)

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