09.10.2017 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Zahl der Altstadtbewohner verringert sich - Wegzug der Kinder und Auflagen Hohe Hürden bis zum Kleinod

"Unter unserem Himmel" fielen kritische Sätze, als es im Bayerischen Fernsehen 45 Minuten lang um die Nabburger Altstadt ging. Autor Meinhard Prill nahm dabei den Denkmalschutz ins Visier und schilderte in seiner Reportage, wie sich Sanierer von alten Anwesen mit ihm abstreiten müssen. Eines wurde am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen deutlich: Die Nabburger Altstadt ist ein Juwel, das es so bayernweit nicht gibt. Mit viele Jahrhunderte alten Häusern und der bedauerlichen Tatsache, dass heute nur noch 300 Einwohner dort leben. Viele kamen zu Wort im Film von Meinhard Prill. Zum Beispiel Ida Sobiegalla, die 92-jährige Ehefrau des vor Jahren schon verstorbenen NT-Mitarbeiters Georg Sobiegalla, die syrische Flüchtlinge im Obergeschoss ihrer Hauses aufgenommen hat. Sie betreibt ihre Buch- und Zeitschriftenhandlung unverdrossen weiter, obgleich das Geschäft eher in bescheidenem Rahmen läuft.

Ida Sobiegalla berichtete in der Dokumentation über das Leben in der Nabburger Altstadt. Bild: hou
von Autor HOUProfil

Danach der Dürnsrichter Bauunternehmer Reinhard Bücherl, der zusammen mit seinem Vater in der Nabburger Altstadt ein Gebäude erworben hat und nun seit einigen Jahren schauen muss, ob es jemand kauft und wie man es womöglich nach dessen Interessen gestaltet. Mit einem uralten Dachstuhl, der wohl einer grundlegenden Erneuerung bedarf. Doch wird das gestattet?

Das städtebauliche Kleinod hoch droben auf dem Berg hatte vor Jahrzehnten schon den Münchener Architekten Hartmut Schließer beschäftigt. Als die BR-Journalisten mit ihm sprachen, fiel die Bemerkung: "Hier lockt die Aussicht auf ein Haus, das es nur einmal gibt auf der Welt." Doch Schließer machte deutlich, dass sich trotz vielfältiger Bemühungen und auch Eigeninitiativen die Zahl der Altstadtbewohner zunehmend verringerte. Wohl auch, weil die Kinder der Eigentümer längst woanders hingegangen sind.

Die 45-minütige Reportage machte deutlich, dass es offenbar nicht einfach ist, nach erfolgtem Kauf die alten Gebäude zu sanieren. Mehreren Erwerbern ist es, mit hohem Geld- und Zeitaufwand, zwar gelungen, hinter alten Mauern unglaubliche Wohnattraktivität zu schaffen. Doch manche der Hauseigentümer zeigten sich verbittert über Hürden, die der Denkmalschutz vor ihnen aufbaute. Es fielen Formulierungen wie: "Äußerst zähe Verhandlungen, hochnäsige Gesprächspartner". Am eindrucksvollsten beschrieb es der Besitzer einer Eisdiele in der Altstadt. Er sagte: "Denkmalschutz ist etwas Schönes. Aber wenn wir leben wollen, muss man Leben zulassen." Zum Beispiel auch bei der Montage einer Markise, die der Mann möchte und deren Anbringung seiner Meinung nach auf Widerstand stoßen dürfte. Zum Schluss noch einmal Architekt Schließer. "Wie sieht diese Altstadt in 20 Jahren aus?", wurde er gefragt. "Bestenfalls blühend", lautete seine Antwort. Mit der besorgten Einschränkung: "Es könnte auch zum Zerfall kommen."

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