Betriebsräte schlagen Alarm
Kennametal vor Massentlassungen

Udo Fechtner von der IG Metall (Dritter von links) und Betriebsräte aus den Werken in Nabburg und Vohenstrauß wiesen am Montag auf die Gefahr eines massiven Arbeitsplatzabbaus bei Kennametal in der Oberpfalz hin. Fechtner sprach von "kurzfristigen, unsinnigen Entscheidungen", die vermutlich bevorstünden. Bild: Dobler
Wirtschaft
Nabburg
13.12.2016
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Das Management in der Zentrale in den USA hat sich bei Firmenzukäufen verspekuliert, jetzt müssen die Beschäftigten des Konzerns in Übersee und Europa dafür bluten. So sehen es die IG Metall und die Kennametal-Betriebsräte, die wegen geplanter Entlassungen die Alarmglocke läuten. Das Horrorszenario heißt "Projekt W".

Dabei stehen die regionalen Produktionsstätten seit Jahren hervorragend da, versicherten Udo Fechtner von der IG Metall Amberg und die Betriebsratsvorsitzenden und ihre Stellvertreter aus den beiden Kennametal-Werken in Nabburg (Steel heißt das eine, Fine Machining das andere) und dem Werk in Vohenstrauß. "Außerdem ist Kennametal mit seinen fast 1000 Beschäftigten in der Region einer der wichtigsten Arbeitgeber für uns", machte Gewerkschafter Fechtner deutlich. Die drei Werke seien profitabel und von roten Zahlen weit entfernt. Einzig Vohenstrauß könnte eventuell auf Leute verzichten, aber die bräuchte man dafür dringend in Nabburg.

Abbau in zwei Wellen

Ursache für die Misere, die nun mit Entlassungen ausgebügelt werden soll, liegt laut IG Metall in einer verfehlten Politik des Konzernvorstands, der sich mit Firmenzukäufen übernommen habe und die erworbenen Betriebe später unter Wert verramschen musste. "Und weil Kennametal ein börsennotiertes Unternehmen ist, will man mit einer Personalreduzierung von fast zehn Prozent schnell wieder in die finanzielle Erfolgsspur." So hat die Zentrale geplant, 500 Menschen in den USA und 500 in Europa (was überwiegend Deutschland meint) auszustellen - und zwar bis Mitte nächsten Jahres.

17 sollen das Werk in Vohenstrauß verlassen, 44 die beiden Werke in Nabburg. "Außerdem wurden schon im letzten halben Jahr durch freiwillige Abgänge und über die Rentenbrücke zahlreiche Mitarbeiter in den Ruhestand geschickt", hieß es. Die Betriebsräte sprechen dabei von einer "ersten Welle", die in Europa 212 Leute getroffen habe, und einer bevorstehenden "zweiten Welle", die mindestens 265 weitere treffen soll. Die Personalrasur hat sogar einen Namen: Sie lautet "Projekt W".

Was man vor Ort überhaupt nicht verstehen kann: Wie sich die regelmäßige Mehrarbeit in den drei Werken und ein riesiges Überstundenkonto der Belegschaft mit Entlassungen vertragen.

Auch wenn die drei hiesigen Betriebsleiter den Chefs in Europa und Amerika wie angekündigt klar machen würden, dass die Vorzeigewerke in der Oberpfalz aus produktionsstrategischen Gründen verschont werden sollten, glaubt man bei Gewerkschaft und Betriebsräten nicht unbedingt an den Erfolg des ehrenwerten Vorstoßes. Man befürchtet eher, dass der Abbau von oben auf Teufel komm raus durchgezogen werde - mit zwei Konsequenzen. Dass nämlich die Kunden nicht mehr so schnell wie gewohnt beliefert werden können und dass die entlassenen Facharbeiter weg sind, weil begehrt auf dem Arbeitsmarkt, falls Kennametal sie doch wieder brauchen sollte. (Im Blickpunkt)

Kennametal mit seinen fast 1000 Beschäftigten in der Region ist einer der wichtigsten Arbeitgeber für uns.Udo Fechtner, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg
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