19.03.2018 - 18:08 Uhr
Nabburg

Forum im Freilandmuseum Antworten auf den Klimawandel

Die steigende Bodenerosion zu minimieren ist eines der dringlichsten Probleme. Mit seiner Initiative "boden-ständig" hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium ein Instrument ins Leben gerufen, das die Böden und Flur fit macht für den Wasserrückhalt. Darüber informiert ein Forum im Freilandmuseum.

Robert Brandhuber (rechts) und Prof. Karl Auerswald (links) diskutierten die aktuellen Entwicklungen im Zeichen des Klimawandels. Bild: bnr
von Richard BraunProfil

-Neusath. Das "boden:ständig Forum Oberpfalz", das in dieser Form zum ersten Mal stattfand, führte 90 Gäste, darunter Bürgermeister, Vertreter von Verwaltungen und Verbänden und nicht zuletzt praktizierende Landwirte ins Oberpfälzer Freilandmuseum nach Neusath. Veranstalter war das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz, deren Behördenleiter, Thomas Gollwitzer, bereits früh die Bedeutung und Möglichkeiten der Initiative "boden:ständig" erkannt hat und das Projekt seit den Anfängen federführend begleitet.

Mit dem Klimawandel nehmen Probleme wie Überflutung, Schlamm in Dörfern, Bodenerosion und Nährstoffeinträge in Bäche und Seen ständig zu. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wird sich die Bodenerosion bis 2050 verdoppeln. Speicherfähige Böden und rückhaltefähige Landschaften sind die entscheidenden Antworten. Um den Gemeinden, und Landwirten wirksame Unterstützung bei der Bewältigung dieser Probleme zu geben, wurde 2014 vom Staatsministerium ELF die Initiative "boden:ständig" ins Leben gerufen.

Nach vier Jahren einer erfolgreichen Erprobungsphase, geht es nun um die großflächige Umsetzung. Dafür setzt das ALE die Instrumente "Flurneuordnung" und "Dorfentwicklung" zielgerichtet ein. Mittlerweile gibt es in ganz Bayern 52 "boden:ständig"-Projekte, davon acht in der Oberpfalz. Das regionale Forum ist Teil dieses Prinzips. Als Netzwerkveranstaltung dient es der Kontaktpflege und dem Erfahrungsaustausch aller Akteure. Die erfahrenen Praktiker werden auch von wissenschaftlicher Seite unterstützt.

Als ausgewiesene Fachleute befassen sich Prof. Karl Auerswald (Technische Universität München) und Robert Brandhuber (Landesanstalt für Landwirtschaft) seit Jahren mit den aktuellen Entwicklungen im Zeichen des Klimawandels und suchen nach praxisnahen Lösungsmöglichkeiten für Landbewirtschaftung und Flurgestaltung. "Viele machen es sich leicht und sehen im Maisanbau und dem Klimawandel die Ursachen für die Bodenerosion", stellte Auerswald in den Raum. "Aber es ist der Mensch, der oft mangels Wissen oder falscher Einstellung die Probleme verursacht", so der Wissenschaftler.

"Ganz ohne Landschaftsbau gibt es keine Verbesserung", ist Robert Brandhuber überzeugt. Beide Wissenschaftler zeigten an Praxisbeispielen, wie die Sache sinnvoll angegangen werden kann. Oft reichen schon kleine Eingriffe in die Landschaft, um eine Verbesserung zu erreichen. "Ein sauberer, trapezförmiger Graben sorgt für einen schnellen Wasserabfluss und damit zu großer Erosion", zeigte Auerswald auf. Eine begrünte Mulde verlangsame dagegen den Abfluss und damit die Erosion, so der Fachmann. Eine große Rolle spielt die Topographie des Geländes. "Wo Wasser zusammenfließt, passt kein Ackerbau", ist eine von vielen Erkenntnissen.

Beim Forum wurden auch einige bodenständig-Projekte vorgestellt, die in kurzer Zeit zum Erfolg geführt haben. Eines davon befindet sich im Tal der Großen Laber im Landkreis Regensburg. Besonders nach Starkregen führen über die Ufer getretene Bäche dem Fluss nicht nur große Wassermengen, sondern auch abgetragenes Bodenmaterial zu.

Viele Akteure bildeten ein eingespieltes Team und erarbeiteten gemeinsam die passende Lösung. Dabei wurden die Probleme von mehreren Seiten angepackt. Weitere, vorgestellte "boden:ständig"-Projekte waren der Abtsdorfer See im Berchtesgadener Land und der Sulzfelder Badesee im Landkreis Rhön-Grabfeld. Die Projekte zeigten, wie mit den Menschen vor Ort eine produktive Umsetzungs-Stimmung erzeugt werden konnte und so jeder dazu beitrug, die Problematik zu lindern.

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