Polkas, Walzer und Märsche in Neualbenreuth
Blasmusikfest mit ganz anderen Tönen

Alle Altersgruppen verband das "Fest der Blasmusik" am Wochenende in Neualbenreuth (wir berichteten bereits). Im Bild das Festzelt, auf der Bühne "MaChlast" aus Österreich. Bild: enz
Kultur
Neualbenreuth
09.05.2017
461
0
 
Die Blaskapelle Gloria mit ihren Sängerinnen traten zum Abschluss des Blasmusikfests auf. Bild: enz
 
Theresa und Magdalena von den Falkensteiner Musikanten sagen mit auf der Bühne Bild: enz

"Du weißt ich liebe dich, mein Herz schlägt nur für dich": Das Motto aus der "Böhmischen Liebe" zog wieder Blasmusikfreunde aus dem In- und Ausland zum 11. Fest der Blasmusik in die Marktgemeinde. Dort gab es mehrere Höhepunkte.

Der Ort war zwei Tage lang "heimliche Hauptstadt" der Blasmusik. Die überwiegende Zahl der Besucher kommt s seit mehreren Jahren, und wer einmal hier war, kommt meist zum nächsten Fest wieder. "Wir sind bereits zum 10. Mal hier. Es ist ein fest gebuchter Termin in unserem Kalender" sagen die Schloßauer Musikanten aus dem Odenwald, die den Slogan "All you need Mosch" auf ihrem T-Shirt tragen. Ebenfalls zum 10. Mal waren die "Original Heidetaler" aus dem Salzatal bei Halle an der Saale angereist.

Viele Stammgäste


Zu den Stammgästen gehört auch die Blaskapelle "Muzicanka", die gemeinsam mit den Reulsberger Musikanten und weiteren Blasmusik freunden aus den Niederlanden mit einem Bus anreiste. Auch der Musikverein Löhlbach, mit dem die Ernestgrüner durch gegenseitige Mitgliedschaft in den Vereinen eng verbunden ist, gehört zu den "Wiederholungstätern". Dirigent Christian Sack hatte seine 200 Tage währende Weltreise durch Australien, Nord- und Südamerika sowie Asien so gelegt, dass er pünktlich zu diesem Fest wieder zu Hause war. Roberto Kämpf, Dirigent des Musikvereins Neuhaus- Schierschnitz e.V. aus dem Landkreis Sonneberg spielte vor zwei Jahren im Orchester Holger Mück auf dem 10. Musikfest. Jetzt lud er 40 aktive und passive Mitglieder seines Vereins in einen Bus und kam mit ihnen zum 11. Fest der Blasmusik.

Daniel Käsbauer, Dirigent der Blaskapelle "Mission Böhmisch", die vor fast zwei Jahren ihren erst dritten Auftritt im Tillensaal in Neualbenreuth auf Einladung von Klaus Rustler hatte, fasste zusammen: "Es ist toll, dass man hier so viele Kollegen trifft". Musiker aus Wildeck, zwischen Eisenach und Bad Hersfeld gelegen, spielen seit 15 Jahren aus Spaß an der Freude in kleiner Besetzung zusammen - 2 Trompeten, Bariton, Tenorhorn, 2 Saxofonen, Tuba und Schlagzeug. Der Musikverein Bokeloh aus dem Oldenburgischen nahm eine weite Anreise auf sich. Drei Mitglieder waren vor zwei Jahren zum ersten Mal auf dem Fest der Blasmusik und so begeistert, dass sie in diesem Jahr gleich mit vielen weiteren Mitgliedern kamen. Traditionell eröffnete die Blaskapelle Ernestgrün das Fest. Bei der "Böhmischen Liebe" zum Abschluss hielt es kaum noch jemanden auf den Bänken. Zum zweiten Mal dabei war die Gruppe "MaChlast" aus Österreich: In ihrem Namen steckt Alkohol, denn das tschechische Wort "chlast" hat etwas mit Trinkerei zu tun. Aber bekanntlich gehören Blasmusik und Bier zusammen. Ihr Motto: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers" (Gustav Mahler). So erschienen ihre Klänge als Variationen von Blasmusik, einiges mit jazzigem Touch. Bis auf wenige Ausnahmen wurden eigene Kompositionen gespielt. Bald tanzte das Publikum munter zur ihren Klängen. Magdalena und Theresa von den Falkensteiner Musikanten wurden aufgefordert, in einer Minute ein Lied einzustudieren. Sie meisterten ihre Aufgabe mit Bravour und sangen gemeinsam mit den Musikern. Zum Kochen brachte die Blaskapelle das Publikum mit ihrem letzten Titel "Millander Festtagsmarsch", dem als Zugabe noch der "Maxglaner Zigeunermarsch" folgte. Auch Guido Henn und seine Goldene Blasmusik traten nicht zum ersten Mal hier auf. Viele bekannte Kompositionen kamen zur Aufführung, die das Publikum mitrissen. Als Solist brillierte Matthias Achatz in "Der alte Dessauer". Die Polka "Freudentränen", die zum Abschied gespielt wurde, hatte Guido Henn gleich nach seiner ersten Teilnahme am Fest der Blasmusik als Erinnerung daran komponiert.

"Hey Jude" auf der Posaune


Zum Abschluss des ersten Abends spielten Michael Maier und seine Blasmusikfreunde. Zu später Stunde verflog jegliche Müdigkeit, als Harald Kirschner als Solist "Sepp der in der Tuba wohnt" in atemberaubender Geschwindigkeit auf seinem Instrument vortrug. Bei einer Ernst-Mosch-Runde am späteren Abend konnte die Blaskapelle noch einmal die Stimmung zum Sieden bringen. Und zum Abschied spielte Michael Maier "Hey Jude" als Posaunensolo. Doch ohne Zugaben ging es nicht, und ganz am Ende klang der "Böhmische Traum" durch die Nacht.

Unausgeschlafene hellwach


Auch wenn sich so mancher aus dem Bett quälen musste, ging es am zweiten Tag ab 10 Uhr weiter. Die Blaskapelle Vindemia aus dem Weinviertel, wo praktisch der Wind die mährische Blasmusik herüberweht, stand auf dem Programm. Zum ersten Mal in Neualbenreuth dabei, zogen die Musiker alle Register. Spätestens bei der "Vogelwiese" war auch der letzte Unausgeschlafene hellwach. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt bei "Mein Tiroler Land" und der Südböhmischen Polka. Da war kein Halten mehr! Die Emotionen brachen sich Bahn. Der Leiter der Blaskapelle Vindemia, Karl Nagl, meinte unter dem Eindruck des Auftrittes: "Wir spielen auf vielen Festen, aber dass bei jedem Titel so mitgegangen wird, haben wir noch nicht erlebt."

Der Auftritt von Robert Payer's Original Burgenlandkapelle wurde aufgelockert durch die Moderation von Klaus-Dieter Eckstein. Er verkündete, dass hier die besten Blasmusikfreunde Europas versammelt sind, alle pflichteten dem bei. Zum Abschied sangen die Musiker a cappella "Wir trinken noch einmal" - ganz andere Töne auf einem Blasmusikfest. Danach durften auch sie nicht einfach von der Bühne gehen! Bei den Zugaben ging die Post ab.

Zum Abschluss aus Mähren die Blaskapelle „Gloria“: Deren Musical-Interpretationen waren ein Ohrenschmaus, mit Lubica Spackova und Mirka Zahumenska als tolle Sängerinnen. Das Tuba-Solo „Tänze aus dem Banat“ riss die Zuhörer von den Bänken. Das Fest endete mit dem „Böhmischen Traum“, mit dem es begonnen hatte.

Es ist toll, dass man hier so viele Kollegen trifft.Daniel Käsbauer, Dirigent der Blaskapelle "Mission Böhmisch"

Dem Auftritt von Klarus Blech - klein aber fein - fieberten Kenner und Liebhaber kleiner Besetzungen mit besonderer Freude entgegen. Das perfekte Spiel und Zusammenspiel überzeugte. Schon der erste Titel "Musik verbindet" - komponiert von Klaus Rustler, dem musikalischen Leiter der Blaskapelle Ernestgrün - drückte das Motto aus. Komponist Josef Thums aus Tschechien, der unter den Gästen weilte und aus dessen Feder bekannte Polkas, Walzer und Märsche stammen, wurde mit der Aufführung seines Stückes "Abendstimmung" geehrt. Der Auftritt von Klarus Blech war für Kenner der Höhepunkt.

"Seppl" aus Tokyo spricht kein Wort deutschEin Ehepaar aus Bucha bei Jena, 72 und 82 Jahre alt, hatte im Internet diesen Termin ausfindig gemacht. Als große Freunde der Blasmusik reisten sie früh an, um abends dann wieder nach Hause zu fahren. Das Fest zeigte auch, dass Blasmusik über Alters- und Landesgrenzen hinweg die Menschen verbindet. So waren unter den Gästen zahlreiche junge Menschen, die vor Begeisterung auf die Bänke sprangen und mit Leib und Seele dabei waren. Dass Blasmusik auch über Ozeane und Meere hinweg Menschen verbindet, bewies Katsumi Ishikawa aus Japan. Da er mit seiner Frau gerade auf Europatour war, kam er mal kurz in Neualbenreuth vorbei. Er selbst spielt Tuba, Bariton und Alphorn in einer 6-köpfigen japanischen Gruppe, die sich "Maria & Alpenbuam aus Tokyo" nennt. Die Gruppe tritt zünftig in Lederhose und Dirndl auf. Dort ist er der "Seppl", auch wenn er kein Wort deutsch spricht. Sie spielen etwa auf einem in Tokyo stattfindenden Oktoberfest. Auch in Südtirol, Innsbruck und München sind sie schon aufgetreten.

Die Begeisterung für Blasmusik im Land der aufgehenden Sonne erreicht damit ganz neue Dimensionen. Keine Frage, dass der japanische Gast in seiner zurückhaltenden Art sich überaus beeindruckt vom hiesigen Fest zeigte. (enz)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.