07.07.2017 - 20:10 Uhr
NeualbenreuthOberpfalz

Kommunikationsprofis im Wernersreuther Pfarrhof Weit-Blick bewegt Heimat

Schon während des Studiums hatte Marco Härtl diesen Traum. Jetzt hat er ihn verwirklicht. Der Jungunternehmer im Dorf ist Mutmacher für die Region.

In der Zentrale der Firma "Bewegter Blick" im ehemaligen Pfarrbüro des 1911 erbauten Anwesens: Stehend Geschäftsführer Marco Härtl zusammen mit Bürgermeister Klaus Meyer sowie links Maximilian Steinkohl und rechts Philipp Koller. Im Herbst ziehen die Jungs ins Erdgeschoss um. Bild: pz
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Wernersreuth. Seit einigen Wochen sind "die Jungs", wie Klaus Meyer sagt, im Pfarrhof etabliert. Die Räume im Obergeschoss - mit Retro-Lampe an der Decke und Mobiliar aus den 60er Jahren - kennt der Bürgermeister bestens. "Bis 1992 hat hier Pfarrer Max Wutz gewohnt", erzählt Meyer, der als gelernter Banker über Jahre die Kirchenrechnung erledigt hat. "Seither steht das Haupthaus leer." Jetzt wird es saniert, wie vor Jahren schon die Nebengebäude des Vierseithofs. Dort sind das Bürgerhaus mit der Obstpresse und die Feuerwehr untergebracht. Das einstige Pfarrbüro ist voraussichtlich bis Herbst übergangsweise Zentrale der Agentur für Film und Kommunikation "Bewegter Blick". Die Schreibtische im gemeinsamen Büro von Geschäftsführer Marco Härtl sowie den Mitarbeitern Maximilian Steinkohl aus Friedenfels und Philipp Koller aus Grafenwöhr sind einfache Arbeitsplatten auf Holzböcken - vom Schreiner in der Umgebung. Vieles im Geschäftssitz der neuen Firma mag noch etwas improvisiert wirken. "Aber das nehmen wir gerne in Kauf", sagt Marco Härtl.

Schafe bei den Nachbarn

"Es ist schön, wenn jetzt alles renoviert wird", sagt Härtl über das neue Firmendomizil, gleich neben dem elterlichen Anwesen - "dort drüben, wo die Schafe sind", erklärt der 30-Jährige beim Blick aus dem Fenster. Idylle pur. "Wir sind technisch top eingerichtet und haben alles, was wir brauchen": Besonders imponiert den Wernersreuther die deutlich schnellere Internet-Anbindung als zuvor in Weiden. Dort war der Kommunikationsexperte seit 2012 als Einzelunternehmer im City-Center unter dem Dach einer Medienagentur tätig - nach Stationen in Passau, Leipzig, Halle. Die Marke "Bewegter Blick" hatte er sich schon 2010 eintragen lassen und seine erste Firma angemeldet. Im März 2017 dann die Gründung der GmbH im Heimatdorf. Die Weidener Phase mit 70 bis 80 Stunden pro Woche schätzt der Stiftländer: "Das war absolut wichtig für die Entwicklung, eine Zwischenetappe und der Grundstein für den Neubeginn."

Im Erdgeschoss sind Handwerker bereits bei der Arbeit: "Es geht flott voran, das ist cool." Die junge Firma wird die Räumlichkeiten im Erdgeschoss nutzen - "mit Expansionsmöglichkeiten in alle Richtungen", wie Bürgermeister Meyer erklärt. "Demnächst wird auch die Remise komplett saniert", so Meyer. Die wird den Jungs auch zur Verfügung gestellt, die können dort ihre Geschäftsabschlüsse machen." Marco Härtl ist glücklich, dass er den Schritt gewagt hat - und dafür engagierte Mitstreiter motivieren konnte. Steinkohl (29) und Koller (27) sind mit dem Chef auf gleicher Linie, haben in ihrem Metier Erfahrung gesammelt und andere lukrative Angebote aus der Branche ausgeschlagen.

Business auf dem Dorf

"Wir möchten das Know-how wieder heimbringen", begründet Härtl seinen Schritt und erzählt, dass sie sich als Kommunikationsexperten mit akademischem Wissen im digitalen Bereich besonders auskennen: "Das ist eine Branche, die besonders schnelllebig ist." Der Firmensitz in Wernersreuth bringe dagegen Entschleunigung. Das Domizil fernab von Ballungszentrum sei kein Problem. "Die Infrastruktur bringt Lösungen", sagt Härtl und spricht von "Business auf dem Dorf".

Die Firma sieht der Kommunikationsprofi als Teil der Gesellschaft im Dorf, der Jugendarbeit, der Beteiligung am Ferienprogramm. "Wir überlegen, wie wir uns da mit einbringen." Die Firma zählt mit Härtl drei Mitarbeiter; im neuen Büro ab Herbst steht ein weiterer Praktikantenplatz zur Verfügung. Mittel- und langfristig will das Unternehmen auch Jobs bieten für Gleichgesinnte. "Wir haben in der Region sehr gute Leute, die in diesem Bereich unterwegs sind", weiß der Geschäftsführer.

Bürgermeister Meyer ist überzeugt, dass neue Firma und 350-Seelen-Dorf sich gegenseitig bereichern. "Die Firma hat Vorteile, aber wir als Pfarrei und Gemeinschaft haben Belebung und Vorbilder: Marco Härtl ist Vorbild." Die Leute in dem jungen und innovativen Unternehmen machten die ländliche Region attraktiv. Für Härtl ist der Schritt nach Wernersreuth Teil der Unternehmens-Identität. "Wir wollten uns nicht irgendwo in ein fertiges Büro setzen."

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Weitere Informationen:

www.bewegterblick.de

Wir möchten das Know-how wieder heimbringen.Marco Härtl über den Firmensitz im Heimatdorf

Heimat-Unternehmer

"Man sieht ja in Waldsassen, was mit historischen Gebäuden gemacht werden kann." Bürgermeister Klaus Meyer ist froh, dass sich in Wernersreuth das seit gut 25 Jahren leerstehende Gebäude wieder sinnvoll nutzen lässt. Dabei hilft die "Förderoffensive Nordostoberpfalz", die Finanzmittel ermöglicht, "die wir sonst nicht erhalten hätten." Die Anträge sind gestellt. Marco Härtl gilt als Rückkehrer von auswärts als "Heimat-Unternehmer", mietet das Objekt langfristig von der Kirchenstiftung. Förderer sind Landesamt für Denkmalpflege und Amt für ländliche Entwicklung: Peter Perzl habe Gemeinde und die Kirchenstiftung umfassend beraten. Die Sanierung kostet laut ersten Schätzungen maximal gut eine Million Euro. (pz)

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