22.01.2018 - 20:00 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Beim 16. Landfrauenfrühstück lernten 70 Frauen Wildkräuter kennen Heimliche Schätze der Natur

Kein Schneeräumer weit und breit auf den Straßen rund um Wernersreuth. Dennoch sind 70 Frauen gekommen. Im Maximilian-Kolbe-Haus ist der Tisch liebevoll und reich gedeckt.

"Wir müssen uns nur wieder bewusstwerden, wie wertvoll unsere Natur ist." Zitat: Kräuterführerin Petra Stark
von Ulla Britta BaumerProfil

Wernersreuth. "Einige haben abgesagt deshalb", bedauerte Vorsitzende Brigitte Meyer das wenig einladende Wetter am Samstag zum Frauenfrühstück des Landvolks. Die Vorsitzende ist dennoch sehr zufrieden mit der Teilnehmerzahl. Bei der Begrüßung verkündet Brigitte Meyer einige Neuerungen: Um mehr Platz zu schaffen, hat das Aufbauteam das Frühstücksbüfett diesmal in den langen Flur verlegt. Damit habe man das kulinarische Angebot erweitern können mit gekochten Eiern, Müsli und Obstsalat.

Bevor das große Schlemmen eröffnet wurde, las Brigitte Meyer eine Geschichte über Unkraut vor: Diese heimlichen Schätze der Natur waren diesmal Thema des dem Frühstück folgenden Referats mit Kräuterführerin Petra Stark aus Waldsassen.

Kleines Gitarrenkonzert

Unter den Gästen befand sich außerdem ein einziger Vertreter des männlichen Geschlechts: Paul Meyer, gerademal neun Jahre alt, zeigte aber deshalb keinerlei Scheu oder Lampenfieber. Selbstbewusst frühstückte er mit den 70 Frauen, um danach auf seiner Gitarre ein kleines, klassisches Solokonzert zu geben. Der kleine Mann bekam viel Applaus für seinen sehr guten musikalischen Beitrag.

"Es gibt kein Unkraut", erklärte Referentin Petra Stark, die für diese Pflanzen lieber das Wort "Wildkräuter" verwendet. Seit 2009 ist die Klosterstädterin ausgebildete Kräuterführerin. Gelernt, sagte sie, habe sie ihr Wissen im Jahr 2009 in der Umweltstation Waldsassen. Damals seien Kräuterführer noch wenig bekannt gewesen. Seither haben die Klosterstädter unzählige Leute dafür ausgebildet.
"Wir brauchen keine Gojabeere", meinte Stark zu den boomenden Exoten, die als Heilpflanzen aus aller Welt auf dem Markt kämen. "Wir müssen uns nur wieder bewusstwerden, wie wertvoll unsere Natur ist." Mit vielen Beispielen aus der Kräuterheilkunde zeigte Petra Stark, was alles in vermeintlich unscheinbaren Wiesen- und Gartenpflanzen stecke. So kann das Gänseblümchen im Tee oder Salat Heilwirkung entfalten ebenso wie die Birke, deren Wirksamkeit die Fachfrau besonders herausstellte.

Gebratener Löwenzahn

Dazu betonte sie ausdrücklich, dass Kräuterführer keineswegs einen Apotheker oder Arzt ersetzen könnten. Vielmehr sei das Wissen um die Kräuter überlieferte Volksheilkunde. Jeder müsse selbst entscheiden, wie er die Pflanzen für sich selbst anwenden wolle. Weiter wies Stark darauf hin, dass man sich an den Geschmack der Kräuter gewöhnen müsse. Der verwöhnte Gaumen sei nicht mehr darauf vorbereitet. Petra Stark hatte auch manches Gourment-Schmankerl dabei. So könne man Löwenzahnköpfe in Butter braten, was sehr lecker sei.

Als drittes Beispiel brach Petra Stark dann eine Lanze für den Giersch. Den wolle nun wirklich niemand in seinem Garten haben. Dabei räumte Petra Stark mit Vorurteilen gegenüber diesem "Ärgernis im grünen Wohnzimmer" auf. So sei der Giersch nicht giftig und könne in der Kräuterküche überall zum Einsatz kommen. "Geben Sie dem Giersch eine Chance", sagt Petra Stark und ernte damit Lachen. Sie schlug vor, den Giersch Wodka einzulegen. "Ein paar Tropfen wirken!" Karin Göhl, ebenfalls Kräuterführerin, schlug zur Ausrottung des Übels vor, den Giersch zu Asche zu machen und ins Gießwasser zu geben. Da der Giersch aber auch als Heilpflanze der Linderung von Nierenleiden sowie dem gesamten Stoffwechsel diene, kann man ihn natürlich auch einfach aufessen. Viele weitere Beispiele folgten, bis Mittag wurde es nicht langweilig. Brigitte Meyer bedankte sich bei der Referentin und bei ihren Tischdamen-Team für ihre Mithilfe zum wieder guten Gelingen des Wernersreuther Landfrauenfrühstücks.

Wir müssen uns nur wieder bewusstwerden, wie wertvoll unsere Natur ist.Kräuterführerin Petra Stark
Wir brauchen keine Gojabeere.Petra Stark über exotische Heilkräuter

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