10.05.2017 - 12:29 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Geophysiker vermuten weitere Vulkankrater bei Neualbenreuth Mit der Röntgenbrille in die Erde

Ein dumpfer Schlag und hoch oben in den Wipfeln ein gelbes Wölkchen – Pollen, die durch die Erschütterung von den Ästen geweht und in alle Winde zerstreut werden.

von Paul Zrenner Kontakt Profil

Rasch und eigentlich recht unspektakulär verläuft die Sprengaktion im Wald am Fuße des Tillenbergs. Dort, wo vor zwei Jahren das Neualbenreuther Maar nachgewiesen worden ist, sind die Geophysiker des Landesamts für Umwelt (LfU) weiteren Vulkankratern auf der Spur. „Ein Geologe weiß, dass ein Vulkan selten allein kommt“, erklärt Dr. Roland Eichhorn.
„Wir sind mitten in der Messkampagne“, erklärt der Leiter des Geologischen Dienstes am LfU. Zu große Euphorie ist allerdings im Moment noch nicht angebracht. Also kein Dampf, kein Zischen und auch kein glutheißes Magma. „Wir können heute nur sagen, dass auf bayerischer Seite hier das einzige nachgewiesen Maar ist.“ Allerdings gibt es wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, dass sich die „Sensation“, wie Bürgermeister Klaus Meyer sagt, von vor zwei Jahren wiederholen könnte: In den vergangenen Tagen waren – ausgehend von der bereits erfolgten Bohrung bis in 100 Meter Tiefe – weitere Messungen durchgeführt worden. „Wir schauen mit der Röntgenbrille in den Untergrund“, sagt Dr. Eichhorn und nennt die Seismik als eine Methode, während er laut mit einem Fuß auf den Boden stampft: „Wenn die Wellen in den Boden reingehen, gehen sie unterschiedlich wieder raus – je nach dem, ob es harter Granit, oder ob es ein Loch ist, das mit Dreck und Laub oder irgendwas gefüllt ist.“

24 Geofone auf 100 Meter

Dr. Erwin Geiss, Teamleiter der Geophysiker, erläutert die Einzelheiten des Verfahrens: Entlang eines 1000 Meter langen Kabels, das je zur Hälfte ausgehend von der bereits erfolgten Bohrung durchs Waldgebiet verlegt ist, sind 24 hochempfindliche „Geofone“ installiert – hochempfindliche Mikrofone, die die Erschütterungen messen. „Da wird auch registriert, wenn eine Ameise drüberläuft, erklärt Dr. Geiss und erzählt nebenbei, dass Wildschweine ebenfalls ihren Gefallen an den Geräten finden und sie nachts wieder ausgraben. Die Messergebnisse werden in Echtzeit auf einen Rechner überspielt: Dann kommt der Part von Johannes Großmann: Er kann anhand der Daten Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit schließen. „Für jedes Geofon haben wir eine Spur. Diese Spur zeigt die Erschütterungen.“

100 bis 250 Gramm Sprengstoff

Der dumpfe Knall wird einige 100 Meter vom Vulkankrater entfernt erzeugt. Sprengmeister Christan Veress und Assistent Brian Kröner haben das Loch mit einem Bohrhammer in den Boden getrieben – bis zu zwei Meter tief. Zwischen 100 und 250 Gramm konventioneller Sprengstoff reichen aus.

Zum Thema: Auf dem Weg zum Krater-Boden

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