16.08.2017 - 20:00 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Hotelier Alois Zimmermann hat 200 Weinreben hinter dem Sibyllenbad pflanzen lassen Erste (Wein)-Früchtchen wachsen bereits

Schneller als erwartet macht Alois Zimmermann seine Ankündigung wahr und lässt beim Sibyllenbad einen Weinberg anlegen. Der Hotelier erlebt dabei eine große Überraschung.

Andrea Lambert, Betriebsleiterin Nina Lang, Hotel-Gesellschafterin Marta Misikova und Hotelier Alois Zimmermann schauen Gärtnermeister Robert Lampert (von links) zu, wie er die kleinen Weinreben bearbeitet. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Viele Jahre hat es gedauert, doch nun tut sich etwas auf dem Brachland hinter dem Sibyllenbad. Der Bezirk Oberpfalz lässt als Träger der Einrichtung eine Kurpromenade entstehen mit einem Springbrunnen, der größer als jener in Marienbad werden soll. Alois Zimmermann, der Besitzer des Hotels "Pyramide", wollte da nicht zurückstehen. Mit einem kleinen Weinberg sorgt er dafür, dass es "Baierwein", der eigentlich an den Hängen der Donau daheim ist, bald auch im deutlich raueren Grenzkamm des Oberpfälzer Waldes gibt.

Erst vor gut vier Wochen hat Zimmermann angekündigt, auf dem Hügel hinter seinem Hotel "Pyramide" einen Weinberg anlegen zu lassen. Von gut 100 Reben war die Rede. Bei der Pflanzaktion staunte Zimmermann nicht schlecht. Auf dem Hang war für weit mehr Pflanzen Platz. Die Hotelgäste haben künftig einen wunderbaren Blick auf 200 Weinreben und 22 Apfelbäumchen.

"Wir haben neun Weinsorten ausgewählt", erzählt Robert Lampert. Der Gärtnermeister aus Selb ist Fachmann für Weinbau und schaute mit seiner Frau Andrea am Montagnachmittag nach den frisch gepflanzten Rebstöcken, die noch sehr klein und mit einem Verbiss-Schutz sorgsam ummantelt sind. Lampert berichtet, dass es sich bei den Beeren um "Tafelweintrauben" handle. Anders als jene Trauben für den klassischen Weinbau seien diese süßer und deshalb besser zum Verzehr geeignet. Dies ist genau im Sinne von Zimmermann, der will, dass die Leute kostenlos von den Rebzweigen naschen können. Derzeit denkt er nicht daran, damit Wein keltern zu lassen.

Erste Früchtchen

Gärtnermeister Lambert verspricht, dass bereits im nächsten Jahr die ersten Früchte reifen werden, wenn alles gut geht und der Wein den Winter übersteht. "Reben wachsen schnell. Sie werden bis zu drei Meter lang", erklärt er und zeigt auf einige erste Fruchtansätze, die vorsichtig aus dem Verbiss-Schutz herausspitzen. Natürlich müssen die zarten Pflänzlein sorgsam gepflegt und gehegt werden, damit sich ein Traubensegen einstellt. Zimmermann hat deshalb das Gärtnerehepaar in die Pflicht genommen, sich weiter um den Weinberg zu kümmern. "Drei Schnitte sind notwendig pro Jahr", berichtet der Fachmann, der ehrlich zugibt, noch nie einen ganzen Weinberg betreut zu haben. Umso mehr freut sich das Selber Ehepaar auf die neue Herausforderung beim Sibyllenbad.

Zimmermann hat dem Fachmann bei der Auswahl freie Hand gelassen. Lampert entschied sich für robuste Arten, welche für die Oberpfalz bestens geeignet sind und die auch raue Winter überstehen können. Darunter sind neue Züchtungen ebenso wie alte Sorten. Zum Naschen gibt es voraussichtlich im nächsten Jahr als rote Trauben "Muskat New York", "Einset Seedless", "Nero" und "Erdbeertraube". Bei den grünen Sorten hat sich Lampert für "Phönix", "Unio", "Gelber Augusteller" und "Pusztatraube" entschieden. Als rot- und gelbfruchtige Traube wächst zudem die Sorte "Bellarosso". Alle Beteiligten sind sich einig, dass das Sibyllenbad damit bald eine besondere und weit über die Region hinaus einzigartige Attraktion haben wird. Denn die nächsten großen Weinanbaugebiete befinden sich - abgesehen von der Region Regensburg, wo der "Baierwein" reift - erst wieder in den Gegenden von Bamberg, Schweinfurt, Würzburg und Bad Windsheim, wo Alois Zimmermann bereits einen Weinberg unterhält.

Ein "Sibyllenbader"

Nun darf man sich einerseits aufs Naschen freuen und andererseits gespannt sein, ob es nicht doch eines Tages einen erlesenen "Sibyllenbader" geben wird. Die ausgewählten Sorten sind nämlich nicht nur ausgesprochen schmackhaft, sondern aus allen Beeren ließe sich auch wunderbarer Wein machen.

Baierwein

Wahrscheinlich geht der Weinbau in Altbaiern auf die Römer zurück. Urkundlich erwähnt wurde der "Baierwein" erstmalig 1271. In Klöstern, wie St. Emmeram in Regensburg, wo heute Gloria von Thurn und Taxis Hof hält, wurden in der Folge Weingärten angelegt. Das Ufer der Donau war von Kelheim bis Passau von Weinbergen gesäumt, und am Wittelsbacher Hof in München rannen jährlich nicht weniger als 40 000 Liter Baierwein durch die Kehlen.

Klimatische Veränderungen und zunehmende Konkurrenz sorgten dafür, dass die Anbaufläche kontinuierlich zurückgegangen ist. Heute wird mit steigender Tendenz auf rund vier Hektar, meist steile Lagen, in denen von Hand geerntet werden muss, vorrangig Müller-Thurgau als Baierwein angebaut.

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