23.10.2017 - 17:36 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Klaus Eder referiert im Sibyllenbad Fast ein kleiner Psychologe

Als Physiotherapeut ist er weltweit anerkannt. Sowohl die Stars als auch die weniger bekannten Sportler vertrauen sich gern den heilenden Händen von Klaus Eder an. Beim Vortrag im Sibyllenbad hängt das Fachpublikum an seinen Lippen.

Wo Klaus Eder auftritt, sind die Vortragssäle voll. So war es auch bei seinem Besuch im Kurmittelhaus Sibyllenbad. Bild: jr
von Josef RosnerProfil

Der Physiotherapeut der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kam auf Einladung des Krankenhauses Tirschenreuth zu einem Fachvortrag. Im Kurmittelhaus befasste sich Klaus Eder mit dem Thema "Faszientherapie - Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung". Dabei gab er in humorvoller Art auch einige Anekdoten aus seiner langen Karriere preis.

Der 64-jährige gebürtige Regensburger arbeitet seit 1988 federführend für den Deutschen-Fußballbund, knetet die Beine und Muskeln der deutschen Stars. Wohl auch sein Einsatz war mitentscheidend, dass Deutschland in dieser Zeit zwei Mal den Weltmeistertitel errang. Professor Dr. Rudolf Ascherl, Chefarzt der Tirschenreuther Klinik für spezielle Chirurgie und Endoprothetik, freute sich über einen voll besetzten Saal.

Unter den Gästen waren überwiegend Mitarbeiter der Kliniken Nordoberpfalz und Physiotherapeuten aus der ganzen Region. "Klaus Eder hat Welt- und Europameister gemacht, er hat Olympiasieger geformt", hieß Dr. Ascherl den prominenten Gast willkommen, den er einen Weltstar auf seinem Gebiet nannte. "Wir sind stolz und dankbar, dass Sie gekommen sind. Ein Klaus Eder bringt alle wieder auf die Beine", sparte er nicht mit Vorschusslorbeeren. "Wenn Sie rufen, dann komme ich", gab Klaus Eder die Blumen zurück. Er dankte dem Team Sibyllenbad für die enge Zusammenarbeit mit seinem Reha-Zentrum in Donaustauf. "Wir haben dort ein interdisziplinäres Team, dem unter anderem auch Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und weitere hochkarätige Mediziner angehören."

Sein eigentliches Thema des Abends waren die Faszien, für deren Versorgung die Wege und Kanäle frei sein müssten. Um das zu erreichen, sei eine interdisziplinäre Kommunikation unerlässlich. Eder berichtete von gemeinsam erstellten Diagnosen von Ärzten und Physiotherapeuten, nach denen der Patient behandelt wird. "Die Physiotherapie kann vieles bewegen, dank geschickter Hände, Wissen und Können." Wichtig sei ein funktionierendes Bindegewebe, das den Sauerstoff und das Blut durch den Körper zu den Muskeln und Zellen leite. "Das Bindegewebe hat eine wichtige Transferaufgabe und ernährt die Zellen." Leider habe das Bindegewebe die Eigenschaft, permanent zu verkleben. "Dies muss verhindert werden. Unsere Aufgabe ist es, die Kanäle zum Bindegewebe freizuhalten, damit dieses dauerhaft seine Aufgaben erfüllen kann."

Becken besonders wichtig

Auch das Becken erfülle eine wichtige Aufgabe. Gerade der Fußball sei da eine große Herausforderung. "Ein Becken, das im Sport hochleistungsmäßig unterwegs ist, braucht alle ihm zur Verfügung stehenden Muskeln." Eder erinnerte an die schnellen, oft abrupten Bewegungen. Alle acht Gelenke, die ein Becken unterstützten, müssten dem Sportler uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Bei einem Fußballer müssten natürlich alle 28 Knochen des Fußes intakt sein. Damit das Zusammenspiel des ganzen Körpers funktioniere, sei jedoch ein gesundes Becken nötig.

Glauben an die Leistung

Wie wichtig Physiotherapeuten für den Sport sind, verdeutlichte Klaus Eder anhand einiger Zahlen. Bei den Olympischen Spielen seien für Deutschland in der Regel 20 Ärzte und 40 Physiotherapeuten dabei, die dafür sorgten, dass die Sportler zum Wettkampf topfit sind. "Wir arbeiten aber auch im präventiven Bereich, um Verletzungen vorzubeugen." Dabei müsse ein Physiotherapeut schon fast ein kleiner Psychologe für den Athleten sein und ihm den Glauben an seine Leistung bringen. Kurz ging Eder auf die heutige Fußballer-Generation ein. "Das sind keine Weißbier trinkenden und Weißwurst essenden Sportler, sondern alles ausgeschlafene junge Menschen, die wissen, was sie wollen."

Nach seinem gut einstündigen Vortrag stellte sich der Gast der Diskussion, geleitet von Professor Dr. Rainer Neugebauer aus Regensburg. Dann ging Professor Dr. Rudolf Ascherl kurz auf das Thema "OP-Wunden in der Reha" ein.

Bis zur WM auf jeden Fall dabei

Ein alter Bekannter im Stiftland ist Klaus Eder, stammt seine Frau Ursula doch aus Mitterteich. Da gehören regelmäßige Besuche bei der Familie dazu. "Zu Weihnachten bin ich mit Sicherheit wieder da", sagte Eder in einem kurzen Gespräch mit den Oberpfalzmedien. Seine Schwiegermutter, die derzeit im Krankenhaus liegt, sieht er bei den Ärzten in der Region in besten Händen, wie er am Rande seines Vortrags im Sibyllenbad bemerkte. Gerne nutzt Eder seine Besuche in der Region auch zu Zoiglbesuchen, zu einer Partie Golf auf der Anlage des Stiftländer Clubs oder zu einem Abstecher ans Grab der Konnersreuther Resl. Auch über seine berufliche Zukunft plauderte der Physiotherapeut ein bisschen. Auf die Frage, wie lange er noch weitermachen will, antwortete der 64-Jährige: "Ich bin auf jeden Fall im kommenden Jahr bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland noch dabei. Danach wird man sehen." Aktuell habe er keine Zukunftspläne: "Mal abwarten, was der Jogi macht", meinte er vielsagend. (jr)

Das sind keine Weißbier trinkenden und Weißwurst essenden Sportler, sondern alles ausgeschlafene junge Menschen, die wissen, was sie wollen.Klaus Eder über die moderne Fußballer-Generation

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