10.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Streifzug durch das Jagdgebiet Alletsried - Jäger mehr als nur "ein Schädlingsbekämpfer" Vor Sonnenaufgang in den Wald

Flipp spitzt die Ohren, steht ganz still. Nur seine Schnauze ist erhoben und schnüffelt in eine ganz bestimmte Richtung. Aus der Ferne ertönt ein Laut, der fast wie Hundegebell klingt. Kann das sein? "Das waren die Warnrufe der Rehe", erklärt Franz Sedlmeier. Der Jäger aus Neukirchen-Balbini ist an diesem Morgen früh unterwegs. Seit 4.30 Uhr streift er zusammen mit seinem zweijährigen Hund, einem Deutschen Wachtel, durchs Revier.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

670 Hektar umfasst die Jagd Alletsried, die zwischen Rötz und Neukirchen-Balbini liegt. Felder, Wald und Wiesen wechseln sich in diesem Gebiet ab. "Der Bewaldungsgrad hier bei uns liegt bei 30 Prozent", sagt Sedlmeier. Das entspricht genau dem Durchschnitt in Bayern. "Im Sommer verteilen sich die Rehe über die gesamte Fläche", weiß der Jäger. "Ab September suchen sie im Wald die Deckung."

Nur ein paar Hasen

Sein Fernglas hat Franz Sedlmeier heute umsonst mitgebracht. Außer ein paar Hasen, die auf dem Feld einem Weibchen hinterher flitzen, ist nichts zu sehen. "Rehe sind Sonnenkinder. Sie mögen's warm und kommen normalerweise in der Früh raus, um die ersten Strahlen zu genießen", sagt Sedlmeier. An diesem Tag sind die Temperaturen bereits vor Sonnenaufgang sehr angenehm. Vielleicht ein Grund, warum sich die Tiere nicht blicken lassen.

Der morgendliche Blick vom Hochsitz ist dennoch atemberaubend. Im Süden liegt Neukirchen-Balbini. Rötz und Stamsried schmiegen sich in der Ferne in die sanfte Hügellandschaft. "Bei schönem Wetter kann man sogar bis zum Arber schauen", erzählt der Weidmann. Kurz vor sechs kommt die Müllabfuhr. Wie ein Spielzeuglaster schlängelt sich der orange Wagen durch die Straßen. "Deshalb gehe am liebsten an einem Sonntag durchs Revier", sagt Franz Sedlmeier. "Da ist es länger ruhig, als unter der Woche."

Über Kritik an der Arbeit des Jägers kann er nur den Kopf schütteln. Immer wieder werde in so genannten Naturschutzdiskussionen "alles schlecht geredet, was der Mensch macht". "Viele Pflanzen sind von der Pflege des Menschen abhängig", so Sedlmeier. "Unsere Kulturlandschaft gebe es in dieser Form nicht, wenn Jäger, Land- und Forstwirte ihre Arbeit aufgeben würden." Natürlich gehöre das Schießen zu den Hauptaufgaben eines Jägers, so Sedlmeier. Doch auch sonst gibt's genügend Arbeit im Revier, wie zum Beispiel die Winterfütterung oder das Suchen von verletzten Tieren nach Verkehrsunfällen. "Es kommt häufig vor, dass ein Reh oder eine Wildsau verletzt weiterläuft und dann nach drei oder vier Tagen elend krepiert. Daher versuchen wir sie so schnell wie möglich zu finden." Ende Mai, Anfang Juni werden außerdem noch nicht abgemähte Wiesen durchforstet. "Die Jungtiere haben einen Reflex, ruhig am Boden sitzen zu bleiben, um nicht gesehen zu werden. Gegen die Mähmaschine haben sie dann keine Chance."

Je nach Verbissgrad

Wieviel Wild jährlich geschossen werden darf, richtet sich nach einem Abschussplan, der alle drei Jahre neu festgelegt wird. Dieser ist vom Zustand des Waldes abhängig. "Stellt das Forstamt zum Beispiel bei Eichen einen hohen Verbissgrad fest, wird die Abschussempfehlung erhöht", erklärt der Jäger. Generell beginnt das Jagdjahr ab dem 1. April. Wildscheine dürfen das ganze Jahr gejagt werden, Rehböcke ab 1. Mai. Die Geißen dagegen haben im Frühjahr und Sommer Schonzeit.

Als "Schädlingsbekämpfer" sieht sich Franz Sedlmeier aber nicht. Bereits als Jugendlicher hat er die Liebe zur Jagd entdeckt. "Ich bin damals immer mit einem Bekannten meines Vaters mitgegangen", erzählt er. Er schätzt es, die Natur zu beobachten. "Das Beutemachen steht nicht im Vordergrund", so Sedlmeier. Obwohl es seinen Reiz hat, sich einen Rehbock tatsächlich zu erjagen.

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