16.06.2017 - 13:42 Uhr
Oberpfalz

Bio-Betrieb Pilhofer stellt auf Zweinutzungshuhn um Lebenszeit für Bruderhahn

Weiß, lebhaft, sprungkräftig und ein großer Schnabel: Sandy und ihre 12.000 Schwestern, die auch alle Sandy heißen, teilen sich eine Besonderheit: Natürlich legen sie Eier - aber sie haben auch 12.000 Brüder, die nicht, wie Millionen Eintagsküken, gleich getötet werden - sie dürfen als Masthähnchen weiterleben. Die Rasse heißt deswegen Zweinutzungshuhn. Tierfreunde können helfen bei der Initiative "Bruderhahn".

Das ist Sandy: weiß mit einigen dunkleren Fleckchen. Das Zweinutzungshuhn sorgt für das Weiterleben seiner männlichen Geschwister.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Sulzbach-Rosenberg/Büchelberg. Tierschutz und artgerechter Umgang stehen obenan im Bio-Betrieb Pilhofer in Büchelberg. Harald Pilhofer hat seine 12 000 "Mädels", wie er die Legehennen liebevoll nennt, aufgeteilt in vier Herden. Sie können im Freiland scharren und picken, bekommen nur Bio-Futter, haben Auslauf in der Halle und Nester zum Eierlegen. Rund 3,6 Millionen Eier verlassen jedes Jahr den Betrieb, sie gehen meist an Bio-Läden im Bereich Neumarkt, Fürth, Pegnitz und Weiden. Pilhofer und einige gleichgesinnte Eierproduzenten stört allerdings seit langem eines: Wenn sie zum Beispiel eine Herde von 3000 Legehennen bestellten, musste der Lieferant 6000 Eier ausbrüten lassen, die immer je zur Hälfte männliche und weibliche Küken lieferten. Die kleinen Hähne wurden bisher nach dem Schlüpfen getötet und anschließend meist als Futter verwertet. "Damit ist jetzt Schluss!", signalisiert Harald Pilhofer beim Gespräch mit der SRZ: Er und seine beiden Mitstreiter in Bayern entschieden sich nun für das Zweinutzungshuhn der Rasse Sandy. Bestellt wird der komplette Legehennen-Nachschub ab sofort in Österreich im Bio-Betrieb Tretter in Schlierbach. Der schickt dann 3000 kleine weiße Sandy-Hennen-Küken nach Deutschland, wo sie beim Spezialisten Lohmann in Bayern aufgezogen und dann in den Legebetrieb transportiert werden.

Auf der grünen Wiese

Die 3000 männlichen Küken, Bruderhähne genannt, bleiben aber in Österreich. Auf grüner Wiese im Bio-Betrieb können sie ein Vierteljahr picken und scharren, bevor sie geschlachtet werden. Das Fleisch gehört dem Eier-Erzeuger, der es nun vermarkten muss.

Harald Pilhofer hat da schon einige Abnehmer, die zum Beispiel Geflügel-Wiener herstellen. Aber auch der bekannte Kindernahrungs-Produzent Hipp gehört zu seinen Kunden: "Bei dessen Qualitätsprüfung werden höchste Maßstäbe angelegt, die wir aber erfüllen!"

Fleisch als Geheimtipp

Das Fleisch wird als zart und Geheimtipp in der Gastronomie beschrieben. So ein "Stubenküken", wie es früher genannt wurde, hat etwa ein Kilo Lebendgewicht und liefert rund 400 Gramm Fleisch. Es wird bald auch im Büchelberger Bio-Laden angeboten. Eine einjährige Legehenne wiegt beim Schlachten etwa zwei Kilo.

Natürlich muss Pilhofer für die Aufzucht der Bruderhähne beim Partner-Betrieb in Österreich bezahlen. Aber der Erlös aus dem Fleisch deckt diese Kosten bei weitem nicht. Die Lösung: ein künftiger Bruderhahn-Beitrag pro Ei von drei Cent. "Dieser Aufschlag ist vertretbar", meint der Produzent. Auch die Abnehmer hätten ihre Zustimmung signalisiert. "Mit dem Zahlen des Mehrpreises dieser Eier leisten sie einen großen Beitrag zur fairen Nutztierhaltung." Auch bei den Einzelkunden wirbt Pilhofer dafür, Verantwortung zu zeigen.

Die Aufzucht von Henne und Hahn der Rasse Sandy beendet also das tausendfache Sterben gleich nach dem Schlüpfen bei den männlichen Küken und verschafft ihnen noch viele artgerechte Lebenstage, im Gegensatz zu den nicht verwertbaren kleinen Hähnen der braunen Rasse. Allein für den Büchelberger Betriebwerden es wohl 12 000 pro Jahr sein.

Alles wird umgestellt

Im Juli ist die Umstellung von braunen Einzel- auf weiße Zweinutzungshühner abgeschlossen - dann ändert sich auch die Eierfarbe komplett: Nicht mehr hellbraun, sondern cremefarben sind die Bio-Eier von Sandy, für den Verbraucher auch optisch gleich erkennbar. Sie signalisieren, dass der Bruder der Legehenne leben durfte. Pilhofer sieht das als einen weiteren Schritt in die richtige Richtung: "Wenn schon Bio, dann komplett!" Der Dank gilt auch Sandy. Und all ihren Schwestern.

Dieser Aufschlag ist vertretbar.Harald Pilhofer zum Bruderhahn-Beitrag von drei Cent pro Bio-Ei

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