Erinnerung aan die Brautradition in Neukirchen
Kellertür öffnet sich

Durch die Tür gelangen Besucher am Wochenende in den etwa 50 Meter langen Gär- und Bierlagerkeller der ehemaligen Braustätte. Bild: wsl

Der Hopfen wuchs in der Nähe, und ein Brunnen vor der Haustür lieferte bestes Brauwasser: Über 100 Jahre lang kam gutes Bier aus Neukirchen. Die Erinnerung daran hält nur noch ein Keller wach. Seine Tür steht jetzt zwei Tage lang offen.

Zum zweiten Mal seit 2016 wird an diesem Wochenende das Bräukellerfest an der Schönlinder Straße gefeiert. Der Festbetrieb beginnt am Samstag und Sonntag jeweils ab 14 Uhr.

Der Bräukeller mit seinem herrlichen alten Baumbestand ist das letzte Relikt einer alten Tradition. Nachdem die Bierherstellung auf der Burg Rupprechtstein zu beschwerlich geworden war, verlegten die dort ansässigen Adelsherren der Hofmark Rupprechtstein-Neukirchen in den Jahren 1808/1809 die Braustätte an die Schönlinder Straße in Neukirchen, den Hauptort der Rupprechtsteiner Hofmarksverwaltung. Die Standortvorteile lagen auf der Hand: Hopfenanbau quasi vor der Haustüre und beste Wasserqualität aus einem Brunnen unter dem Brauhaus garantierten einen süffigen Trunk.

Brauhaus und Gärkeller errichtete Johann Michael Himbsel; ein Bruder des berühmten, in den Diensten der bayerischen Könige und der Landeshauptstadt München stehenden Baumeisters Johann Ulrich Himbsel. Nach Ende der Rupprechtsteiner Gutsherrschaft ging die Braustätte in private Hände über.

In der Folgezeit war die Geschichte des Neukirchener Brauwesens bis in das 20. Jahrhundert untrennbar mit der Familie Sommer-Engelhard verbunden. Ab dem Jahr 1867 wurden Brauhaus und Gastwirtschaft zum Roten Ochsen - heutiger Besitzer John Engelhard - sogar in Personalunion geführt.

Inflationsbedingt kam 1923 unter dem Bräu Fritz Engelhard das vorläufige Ende der heimischen Bierherstellung. Der Pächter Georg Behringer ließ sie ab 1928 noch einmal aufleben. Aber das Kriegsjahr 1941 brachte dann das endgültige Aus für den Neukirchner Gerstensaft.

Das mächtige Brauhaus an der Schönlinder Straße musste 1968 einem Kfz-Betrieb weichen. So zeugt lediglich der Bierkeller von der einheimischen Braukunst. Am Tag des offenen Denkmals vor zwei Jahren wurde er zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine Wiederholung steht jetzt am Wochenende bevor.
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