27.11.2017 - 22:56 Uhr
Oberpfalz

Alice Cooper in Neumarkt Die dunkle Seite des Rock

Der Vorhang öffnet sich und Finsternis zieht ein. Im rot-gelben Licht materialisiert sich eine düstere Gestalt. Und mit den ersten harten Gitarrenriffs legt der "Fürst der Finsternis" mit der dunklen Mähne und den schwarz geschminkten Augen auch gleich mit Macht los.

Alice Cooper (Mitte) mit Nita Strauss und Chuck Garric. Bild: Tobias Schwarzmeier
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Theatralik und schaurige Show sind bei Alice Cooper seit jeher eng mit seiner Musik verwoben. Doch etwas ist anders, seit er sich vor knapp 50 Jahren als skurriler Schock-Rocker seinen Platz in der Musikgeschichte zu zementieren begann. Für die Fans in der ausverkauften Großen Jurahalle öffnet sich an einem Abend mit großartiger Musik zugleich ein Zeitfenster in das Lebensgefühl des ursprünglichen Hardrock. Ohne pseudo-modernen Anstrich, garantiert nicht politisch korrekt, aber ungemein unterhaltsam.

Das Charisma des mittlerweile 69-Jährigen ist ungebrochen. Spätestens mit dem zweiten Song "No More Mr. Nice Guy" ist das Publikum, in dem der Ü65-Fan der ersten Stunde neben dem 16-jährigen Alice-Cooper-Neuling steht, dem düsteren Barden verfallen. Während die Rock-Ikone in einem kurz-knackigen Anderthalb-Stunden-Set gleichmäßig durch ihr riesiges Repertoire mit an die 30 Alben pflügt, sind die Fans des gitarrenlastigen Hardrocks im Himmel. Auch mit den Songs seines neuen Albums "Paranormal" wie dem sinnigen "Paranoiac Personality" kann er punkten.

Wie immer zieht Vincent Damon Furnier, wie der Sänger aus Detroit bürgerlich heißt, mit seiner Kunstfigur Alice Cooper optisch alle Register der menschlichen Abgründe. In eine Zwangsjacke gesteckt kämpft er mit einer mörderischen Krankenschwester, wird von düsteren Endzeit-Figuren gejagt, in Frankensteins Labor geschleppt und schließlich sogar mit einer Guillotine geköpft. "Wir sind alle paranormal", sagt Alice Cooper dann einfach. Sein Wunsch "schöne Alpträume" dürfte allerdings angesichts der eher komischen, als gruseligen Show kaum wahr werden. Beim Kracher "Feed My Frankenstein" wankt eine drei Meter große Monsterfigur über die Bühne - einfach wunderbar groteskes Theater.

Wir sind doch alle paranormal.Alice Cooper

Der Varietédirektor des Horrors wechselt dabei sein Bühnenoutfit öfter als handelsübliche Popsternchen. Mit einem Dolch im Stiefel und einem Mikrohalfter um die Hüfte bewaffnet, schwingt er sein "Zepter", wechselweise einen Stab, ein Florett, mit dem er Konfettiballone aufspießt, oder einen Mikroständer. Ob als fantastischer Zirkusdirektor, strenger Schulmeister, verrückter Professor, verlotterter Pirat (Kumpel Johnny Depps "Jack Sparrow" lässt grüßen) oder größenwahnsinniger General - Cooper lebt in der aufwendigen Show sichtlich seinen jugendlichen Spieltrieb aus. Seine Fans lieben ihn abgöttisch dafür.

Dafür, dass das Gesamtkunstwerk nicht zur befürchteten "ganz netten Nostalgienummer" verkommt, sorgt die unverminderte musikalische Qualität des Sängers und seiner Mitstreiter. Coopers pointiert-emotionale Stimme getragen vom Soundteppich dreier exzellenter Gitarristen Nita Strauss, Tommy Henriksen und Ryan Roxie und abgerundet von Chuck Garric (Bass) und Glen Sobel (Schlagzeug) sorgen für perfekten Sound. Da passt alles bis hin zum mitten im Solo meterhoch in die Höhe geworfenen Drumstick.

Wenn die Jurahalle bei der (Anti-)Liebesballade "Poison" oder seinem größten Hit "School's Out" geschlossen lautstark mitsingt, scheint der Meister des Obskuren fast zu lächeln. Seine Fans tun es nach einem unterhaltsamen Eintauchen in die dunkle Seite des Rock jedenfalls.

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