Museum Lothar Fischer in Neumarkt zeigt den britischen Holz-Bildhauer David Nash
Die Sinnlichkeit der Natur

Red Tree, 2013, Pastell auf Papier.
 
Red Sliced Pod, 2014, Eibe. Bilder: Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg & Künstler © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 (6)

In einer strukturschwachen Region, inmitten ausgedehnter Bergwälder, hat David Nash sich in einer entweihten Kirche sein Atelier eingerichtet. Dort ist er dem Material, aus dem seine Kunst gemacht ist, am nächsten. Die Idee des lebenden Baumes hat er in die Mitte seines Schaffens gerückt. 

Sein Motto lautet "Erst der Baum, dann die Form". Diesen Titel gibt das Museum Lothar Fischer in Neumarkt auch der Ausstellung, die 40 Exponate des Briten zeigt. Nash, geboren 1945 in Esher/Surrey, zählt zu den wichtigsten Bildhauern Europas. Mit seinen Werken reiht sich das Museum einmal mehr ein in die internationale Kunstszene und wird dabei dem Umstand gerecht, dass die Verbindung von Natur, Skulptur und moderner Architektur die Faszination dieses Platzes ausmacht. Damit gibt es auch die Verbindung zum Schaffen von Lothar Fischer und den Künstlern der Gruppe "Spur", auch wenn die einzelnen Exponate diesmal nicht unbedingt Verbindungen zum Werk Fischers aufweisen.

Seit David Nash in Nordwales sein Domizil hat, entstehen dort neben den charakteristischen Einzelskulpturen in Holz und Bronze auch die bekannten Naturinstallationen und Landschaftsprojekte. Denn Nash erforschte die Wälder der Umgebung, nahm Kontakt zu den Waldarbeitern auf, die ihm immer wieder besondere Bäume anboten. Er beschäftigte sich mit den Eigenschaften von Holz, seinen Farben, und auch mit dem, was man daraus macht. So ist es nicht verwunderlich, wenn Skulpturen, die er die Sinnlichkeit der Natur verwandelt, nicht nur ihr Gesicht tragen, sondern auch auf das verweisen, was aus diesen Eschen, Eiben, Eichen und Buchen einmal werden kann.

Skulpturen haben zum Beispiel die Form von Einbäumen, von Schiffen überhaupt, können aber auch als überdimensionale Schuhe gedeutet werden, wie die beiden Stücke aus japanischer Wassereiche, die er persönlich in Hokkaido für sein Atelier rettete. In Südengland beteiligte er sich an der Pflanzung von Eichen für den Schiffsbau.

Natur legt Form fest

In die Seele des Holzes dringt Nash ein, wenn er wie bei dem Exponat Sliced Egg einem Stück Eiche die Form eines Eis gibt und hineinschneidet in den Werkstoff. Die Skulptur wird auf diese Weise leicht. Dies gilt auch für "Red Sliced Pod", ein durch tiefe serielle Parallelschnitte veränderter Eibenblock.

Da und dort deuten in totes Holz eingebrannte Elemente auf Zerstörung und Vernichtung hin. Veränderungen des Grundstoffes durch Verkohlungsprozesse finden sich in einer Serie von Exponaten, die zu Pyramiden aufgetürmt sind. Die Natur selbst legt die Grundform fest, wenn er aus der Krebsverwachsung einer Esche bei Bad Homburg eine Scheibe herausschneidet und das Exponat "Ash Ring" nennt. Nash nimmt Ideen, Material und Form aus der Natur und gibt das Geschenkte über Installationen an sie zurück.

Für seine Objekte nimmt Nash zumeist Altholz, abgelagertes Material, wobei ihm die unterschiedlichen Färbungen und Strukturen, wie sie nur Holz aufweist, wichtig sind. Er arbeitet auch gerne mit verbranntem und zerstörtem Holz. Denn Nash geht es auch um den Umweltschutz. Niemals würde er für seine Kunst einen Baum fällen lassen.

Dem Besucher der Ausstellung erschließt sich augenfällig das starke bildnerische Denken Nashs in der Natur. Das Museum gibt durch die großen Fensterflächen immer wieder faszinierende Ausblicke in den Stadtpark frei. Nash hat in Nordwales Werkstücke in die Natur gegeben, wo sie Bewegungen erzeugen.

Sichere Hand

Seit Mitte der 80 der Jahre konfrontiert Nash die Skulpturen mit Kohlezeichnungen desselben Objektes und variiert mit der Farbgebung Rot oder Grün. Die Großplastik "Weathered Cork Dome", zusammengesetzt aus Tausenden von Rindenstücken einer Korkeiche, findet eine unmittelbare Entsprechung in einer Grafik. Ein anderes Beispiel ist "Falling Spoons", das als Bronzeguss ebenfalls eine Entsprechung findet und in seiner Aussage an Gliedmaßen erinnert.

Gegenstand seiner Papierarbeiten sind auch wieder Bäume, aber auch wie in dem dreiteiligen Werk "Congregation" von 2010 Zusammenstellungen von Materialien und Fragmenten. Nashs Werk fasziniert durch Vielseitigkeit und Monumentalität, wobei er auch eine sichere Hand hat für Extaktes und Filigranes.

ServiceAusstellung: David Nash: "Erst der Baum, dann die Form". Bis 3. Juni.

Ort: Museum Lothar Fischer, Weiherstraße 7a, 92318 Neumarkt.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr; Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr. Ab April bis 18 Uhr. Das Museum ist behindertengerecht.

Kontakt: 09181/510348 info@museum-lothar-fischer.de

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Weitere Informationen:

www.museum-lothar-fischer.de
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