20.02.2018 - 18:18 Uhr

Immer weniger können richtig schwimmen: DLRG-Ausbildungsleiter warnt vor gefährlicher Tendenz Land unter beim Thema Schwimmen

Leben wir bald in einem Nichtschwimmerland? Die Gefahr ist da, sagt Patrick Sinzinger von der DRLG. Bayern sei ohnehin bereits Spitzenreiter in einer traurigen Statistik.

Ein Kind beim Schwimmunterricht: Ein seltenes Bild, da es Schulen und DLRG vor allem an Bädern und Becken fehle. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
von Julian Trager Kontakt Profil

Neumarkt/Regensburg. Viele Menschen in Deutschland können gar nicht oder nicht gut schwimmen, sagt Patrick Sinzinger, Ausbildungsleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Bayern (DLRG). Und warnt: "Die Tendenz ist gefährlich." Das Thema Schwimmfähigkeit beschäftigt an diesem Mittwoch den Ausschuss für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport des Landtags. Mehrere Sachverständige werden angehört, darunter Sinzinger und der Regensburger Arzt Dr. Georg Leipold, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Bayern.

DLRG-Ausbildungsleiter Patrick Sinzinger findet es besonders schlimm, dass viele Menschen nicht gut schwimmen können, rund 40 Prozent. Es reiche eben nicht, in Kindheitstagen das Seepferdchen zu machen - und dann nichts mehr. "Schwimmen ist nicht wie Radfahren." Man müsse immer wieder trainieren, was oft vernachlässigt werde. Und obwohl viele nicht gut schwimmen könne, ziehe es die Leute ans Meer oder an Badeseen. Wasser sei ein Tourismusmagnet. "Da werden wir in Zukunft noch Probleme kriegen." Wobei es die Probleme auch heute schon gibt: "Bayern ist der traurige Spitzenreiter in der Ertrinkungsstatistik." 2016 seien im Freistaat 91 Menschen ertrunken. Seit 2015 erkennt er eine neue Tendenz: Dass Menschen aller Altersgruppen gleich gefährdet sind, zu ertrinken. Sonst seien vor allem Senioren und die Risikogruppe der 16- bis 25-Jährigen besonders stark betroffen gewesen. Das zeige: "Die Gefahr, dass Deutschland ein Nichtschwimmerland wird, ist nicht überzogen."

Die Misere hat laut Sinzinger viele Gründe. Eine Hauptursache: Zu viele Schwimmbäder wurden geschlossen - darunter leide der Schwimmunterricht. "Es gibt einfach zu wenig Wasserzeiten." Schulen müssten teilweise eine Stunde bis zum nächsten Bad fahren. Apropos Schulen: Auch hier findet Sinzinger jede Menge Probleme. "Es gibt viel zu wenige Lehrer, die Schwimmunterricht geben dürfen." Und: Diese Ausbildung sei für Sportlehrer gar keine Pflicht, sondern freiwillig. Deswegen bilde die DLRG Lehrer aus, bezahle sogar die Ausbildung - was Sinzinger nicht verstehen kann: "Man muss sich das mal reinziehen: Ein ehrenamtlicher Verband bezahlt die Lehrerausbildung für den Freistaat."

Ein anderes Problem: Die meisten Flüchtlinge könnten nicht schwimmen. Nur zehn Prozent seien Schwimmer. Neben den fehlenden Wasserzeiten scheitere es oft an der Sprachbarriere. Woran Schwimmunterricht laut Sinzinger nicht scheitert: An den Eltern. "Wenn wir jede Woche einen Schwimmkurs anbieten würden, wäre der immer voll", sagt Sinzinger. "Das Bewusstsein ist da." Aber, und das ist nicht neu, es gebe nicht genügend Wasserzeiten - weil es an Bädern und Becken fehle. Und die, die noch übrig sind, müsse man sich teilen. Denn: "Alle Bürger haben ein Recht auf Schwimmen." Jene, die es lernen wollen, und auch jene, die es bereits können und einfach nur trainieren wollen. Für Sinzinger ist nun die Politik am Zug, endlich Geld für die Schwimmausbildung in die Hand zu nehmen. Seit 12 Jahren ist er bei der DLRG aktiv, sein Eindruck: "Die Politik hat kein Ohr für dieses Thema." Das Problem sei ständig nach hinten geschoben worden.

Mediziner Dr. Leipold sieht die Ursachen auch bei Kindern und Eltern. "Die Kinder lernen immer weniger schwimmen - genauso wie sie alles andere weniger lernen, zum Beispiel Radfahren." Die motorischen Fähigkeiten seien schlechter geworden. "Darauf wird immer weniger Wert gelegt", sagt Leipod. Nicht nur von den Kindern, auch von den Eltern.

Eis: DLRG warnt

Trotz der Kälte tragen die Eisdecken auf zugefrorenen Seen und Weihern noch nicht. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt deswegen in einer Pressemitteilung vor dem Betreten. Die Eisdecke sollte mindestens 15 Zentimeter dick sein. Aber auch dann könnte es gefährlich werden, vor allem bei Zu- und Abflüssen oder Quellen im See, die Strömungen verursachen. Bei dunklen Stellen im Eis sei besondere Vorsicht geboten. Bricht man ins Eis ein, sollte man Ruhe bewahren, um Hilfe rufen, die Arme über die Eis-Oberfläche ausbreiten. (jut)

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