Sinupret und Bronchipret von Bionorica der Verkaufshit
Grippe sorgt für Umsatz-Rekord

Auch 2018 erwarten der Vorstandsvorsitzende der Bionorica SE, Professor Dr. Michael A. Popp (rechts), und Vertriebs-Vorstand Dr. Uwe Baumann zweistellige Wachstumsraten. Bild: cf

Die Grippe-Welle wirkt wie ein Turbo auf das Oberpfälzer Pharmaunternehmen Bionorica. Mitte Februar verkaufen die Apotheken in Deutschland binnen einer Woche 416 000 Packungen Sinupret und 280 000 Bronchipret: eine Absatzsteigerung bis zu 40 Prozent.

Bereits 2016/17 ließ eine "ausgeprägte Erkältungsperiode" die Kassen klingeln. Im Februar 2018 führt schließlich eine "flächendeckende Grippe-Welle" bei Bionorica zu einer "noch nie dagewesenen Absatz-Kurve" und sorgt für neue Rekorde, erläutert Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Michael A. Popp.

Insgesamt beschert 2017 dem auf pflanzliche Arzneimittel spezialisierten Unternehmen ein Umsatzplus von 17,6 Prozent auf knapp 298 Millionen Euro. Bei der Jahrespressekonferenz spricht Popp von einem "sehr erfolgreichen, super Jahr". "Wachstumstreiber" in Deutschland sind denn auch Sinupret, Bronchipret und Imupret mit zweistelligen Zuwachsraten. Stark nachgefragt wird auch Canephron (+16,2 Prozent) bei Blasenentzündungen. Sinupret kommt inzwischen in Deutschland auf einen Marktanteil von 63 Prozent.

Selbstbewusster Unternehmenschef

Mehr als 100 Millionen Euro investieren die Oberpfälzer seit 2012: mit der nach eigenen Angaben "weltweit modernsten Produktionsanlage" ihrer Art in Neumarkt. Hier arbeiten mehr als 800 der weltweit 1635 Beschäftigten (2016: 1532), hier entsteht auch die neue Unternehmenszentrale. Selbstbewusst verweist Unternehmenschef Popp auf eine Eigenkapitalquote von 79 Prozent (2016: 77 Prozent) und die klare Marktführerschaft in vielen Ländern.

Die starke Internationalität - stabile Exportquote von über zwei Drittel und  17 globale Standorte - gleicht Umsatz-Dellen in einzelnen Märkten wieder aus. Allein Russland, wo Bionorica seit 20 Jahren aktiv ist, steuert inzwischen 91 Millionen Euro des Umsatzes bei. Es zahlt sich offenbar langfristig aus, dass dort Bionorica trotz des Rubel-Verfalls eine moderate Preispolitik betreibt. Neben Russland (+14 Prozent)entwickeln sich Deutschland (+12,2 Prozent), die Ukraine trotz des Konflikts (+24,6 Prozent), Polen (+76,4 Prozent) und Österreich (+12,3 Prozent) besonders dynamisch. In den Fokus nimmt Bionorica den Iran (Popp: "Chance, bald unser drittstärkster Markt zu werden"), Italien, Frankreich und Spanien sowie Brasilien und Mexiko. Noch nicht abgeschrieben als Zukunftsmarkt sind die USA.

"Phytovalley Tirol"

Bahnbrechende Erkenntnisse bis 2019 erwartet Prof. Popp bei der Erforschung von Wirkstoffen aus über 100 Pflanzen. Sie könnten in vielen Fällen eine Alternative zu Antibiotika darstellen. Bionorica baut die Forschungskapazitäten aus: Neben 50 Wissenschaftlern in Neumarkt widmen sich 30 Kräfte unter der Überschrift "Phytovalley Tirol" bei Bionorica research in Innsbruck der Erforschung von Pflanzenwirkstoffen "mit Leuchtturm-Charakter auf Weltniveau". Prof. Popp, der an der Uni Innsbruck lehrt und dort 1991 promovierte , unterhält zwei Lehrstühle, davon ist einer vom Land Tirol gesponsert. "Österreich hängt Deutschland bei der Forschungsquote ab."

Dronabinol: "Cannabis auf Rezept"Seitdem "Cannabis auf Rezept" für Schwerkranke bei den gesetzlichen Krankenkassen möglich ist, steigerte Bionorica den Umsatz des Wirkstoffs Dronabinol um fast 200 Prozent in Deutschland. Der Marktanteil der in Österreich angebauten "Hochleistungs-Hanf-Klone" (aus denen in 99 Prozent Reinheit Dronabinol gewonnen wird) erreicht inzwischen einen Marktanteil von 30 Prozent. Bionorica versorgte damit 2017 rund 11 000 Patienten (2016: 4000). "In manchen Monaten waren wir am Limit der Produktion", kündigt Vorstandschef Prof. Michael A. Popp eine Erweiterung der "aufwendigen, komplizierten Herstellung" auf die vierfache Kapazität an. Eine Tagesdosis Dronabinol koste etwa 8 bis 9 Euro, eine aus Hanf-Blüten rund 36 Euro. (cf)
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