02.11.2017 - 18:28 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Alptraum für Büchlhof-Paare Hochzeitsschock mit Happy-End

Es sollte der sprichwörtlich schönste Tag in ihrem Leben werden: Seit Monaten hatten Tanja und Harald Ederer dieses Ereignis geplant. 140 Gäste waren geladen an diesen ganz besonderen Ort, den Büchlhof bei Neunburg vorm Wald. Dann der Schock: Die Hochzeit stand auf der Kippe.

Tanja (40) und Harald Ederer (44) haben doch noch den Traumort für ihre Hochzeitsfeier gefunden: Schloss Pirkensee bei Maxhütte, das Gastronom Robert Gerstl derzeit saniert. Bild: Claudia Jockwitz
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Heiraten am Büchlhof - Ihr Tag wird zu einem unvergesslichen", werben Bettina und Michael Bihler auf ihrer Homepage. "Unvergesslich war es schon", sagt Harald Ederer bitter, "aber anders, als wir dachten." Schon ein Jahr zuvor hatten sie gebucht und eine Anzahlung geleistet. "Als wir erzählten, wir hätten mit einem anderen Veranstaltungsort Probleme, weil Genehmigungen fehlten, hat Biehler gelacht: ,So was passiert euch bei uns nicht!'"

Wenige Wochen vor der Hochzeit erfährt das Paar aus Burglengenfeld, dass die Stadt Neunburg für den Büchlhof eine Nutzungsuntersagung verhängt hat, da das Anwesen nicht über ausreichend Rettungswege verfüge - aus der Zeitung. "Was uns so ärgert", ergänzt Tanja Ederer, "dass uns die Bihlers nicht einmal persönlich informierten."

Die Hochzeiter stellen den Veranstalter zur Rede, der beschwichtigt: "Der Michael Bihler sagte uns, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird", erinnert sich Tanja. Richtig ist, dass Christa und Franz Lohbauer, die Eltern von Bettina Bihler und Eigentümer des Büchlhofs, Anfang August einen Eilantrag gegen den Bescheid beim Verwaltungsgericht Regensburg einlegten. "Die Stadt Neunburg hat das Verbot zurückgezogen", hatte Bettina Biehler auch zu unserer Zeitung gesagt. Mutter Christa Lohbauer ergänzte: "Wir hätten am Samstag feiern dürfen, aber nach dem ständigen Hin und Her hat sich die Hochzeitsgesellschaft einen anderen Ort gesucht."

Paare hängen in der Luft

Offenbar waren die Unternehmer tatsächlich optimistisch, das drohende Verbot abzuwenden. Die Ederers und viele weitere Hochzeitsgesellschaften aber hingen in der Luft - der Büchlhof war bis Ende des Jahres an jedem Wochenende ausgebucht. Zwei Wochen später die Gewissheit: Das Verwaltungsgericht lehnt den Eilantrag ab.

"Eine Woche zuvor waren wir noch bei ihm draußen", erzählt Tanja Ederer. "Wir haben alle Unterlagen eingereicht und arbeiten noch die offenen Punkte zum Brandschutz ab", soll Bihler gesagt haben. Auch das Landratsamt hält zu diesem Zeitpunkt noch an der Position fest, dass es weiter gehen könnte. "Das uns vorgelegte Brandschutzgutachten wurde ausgewertet und angeordnet", sagte Landrat Thomas Ebeling. Dass noch nicht alle Punkte umgesetzt waren, hält Ebeling für nachvollziehbar: "Man kann verstehen, dass der Eigentümer das nicht komplett für viel Geld macht, ohne zu wissen, ob es genehmigt wird." Einstweilen sitzen die Brautleute auf heißen Kohlen. "Sollen wir absagen oder durchziehen?", hätten sie sich gefragt.

In einem Facebook-Post über eine Hochzeitsmesse werden sie auf Schloss Pirkensee bei Maxhütte aufmerksam - Gastronom Robert Gerstl (Alte Post in Ponholz) kaufte das durch einen Brand im Jahr 1999 schwer beschädigte und vom Vorbesitzer halb sanierte Anwesen und ist dabei, das Wahrzeichen des Maxhütter Ortsteils herzurichten. "Wir wollten ja nicht in einer Gaststätte feiern", bekräftigt Tanja Ederer, "es sollte etwas ganz Besonderes sein." Er würde sich freuen, wenn sie die ersten Hochzeitsgäste würden, habe Gerstl ihnen am Telefon gesagt. "Schaut es euch an, es ist halt noch eine Baustelle."

Einen Tag vor der Gerichtsentscheidung sagt das Paar den Bihlers ab: "Wenigstens gab es keine Diskussion, wir haben die Anzahlung zurückbekommen." Die letzten Wochen vor dem großen Tag seien aber ein Alptraum gewesen: "Wir mussten alle Gäste informieren", erzählt Tanja Ederer, "der bereits bestellte Caterer wollte zunächst niemand ins Revier pfuschen, aber wir fanden so kurzfristig keinen anderen - zum Glück hat es der Haberl dann doch gemacht." Ihm und dem Schlossbesitzer sei es zu verdanken, dass man alles auf den letzten Drücker geschafft habe: "Der Robert hat noch Tische und Stühle gekauft, ein Stück Wald hat er für den Anfahrtsweg gerodet."

Wasser- und Strom-Anschlüsse fehlten, Bedienungen mussten gesucht, die Musik bestellt, die Brautentführung neu geplant sowie neue Übernachtungsmöglichkeiten und ein Fahrservice organisiert werden. "Und ich musste mich selbst um die gesamte Deko kümmern." Gelohnt hat es sich aber doch: "Es wurde tatsächlich noch der unvergessliche Tag, den wir uns gewünscht haben", strahlen die beiden. "Selbst die, die zuerst skeptisch waren, haben uns zu der Ortswahl gratuliert."

Auf 2019 verschoben

Andere hatten weniger Glück: "Wir haben uns beim Tanzkurs und auf Facebook mit einigen ausgetauscht", sagt Tanja. "Viele Paare waren fix und fertig, einige mussten verschieben, ein Brautpaar sogar auf 2019, weil sie nichts mehr fanden." Ganz ist das Thema für die Ederers noch nicht abgehakt: "Auch alle anderen erfuhren aus der Zeitung davon", ärgert sich Harald, "nicht einmal eine Entschuldigung haben wir bisher gehört - aber auf ihrer Homepage bewerben sie immer noch das ,Rundum-sorglos-Paket'."

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