21.08.2017 - 20:10 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Sauberes Wasser oberstes Ziel

Neubau der Wasserkraftanlage, Stausee-Absenkung, Stauraumspülung, Algenblüte, Fischaufstiegstreppe, Rechtsstreitigkeiten des Fischereivereins und des Bund Naturschutz mit Behörden und Auseinandersetzungen mit dem Wasserwirtschaftsamt: Die Themenpalette war groß, mit der sich am Montagnachmittag MdL Hubert Aiwanger konfrontiert sah.

Walter Drexler, Beauftragter für Tourismus im Neunburger Stadtrat, erläuterte den Abgeordneten Hubert Aiwanger und Joachim Hanisch im Kreis von Kollegen und Mitgliedern der Freien Wähler (von links) die Situation am Eixendorfer Stausee. Bilder: Köppl (2)
von Georg Köppl Kontakt Profil

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag war zusammen mit MdL und stellvertretendem Landrat Joachim Hanisch ins Fischereiheim nach Stockarn gekommen, um sich die Sorgen und Nöte der Angler und Gewässernutzer anzuhören. In Stockarn gab es einen "großen Bahnhof" für Aiwanger.

Noch immer verärgert

Neben Walter Drexler, im Neunburger Stadtrat Beauftragter für den Tourismus, zugleich Fischereirechtsbesitzer und Miteigentümer und Kümmerer am Badeplatz, waren auch Kollegen der Freien Wähler im Stadtrat sowie Parteimitglieder, Heike Meixner vom Tourismusverein, Mitglieder des Fischereivereins mit Vorsitzendem Michael Trohner und dem Gewässer- und Naturschutzbeauftragten Robert Bäumler gekommen.

Dabei wurde schnell deutlich, dass die Nachwehen des Kraftwerkbaus und der Stausee-Absenkung noch deutlich zu spüren sind, die seit 20 Jahren ungelöste Algenblüte deutlich für Ärger sorgt und sich die Akteure von allen Seiten im Stich gelassen fühlen. "Dieser Termin ist für mich so was wie der letzte Strohhalm", ließ Walter Drexler den Abgeordneten der Freien Wähler wissen. Er blendete zurück auf die Inbetriebnahme des Stausees im November 1975 mit den Zielen Hochwasserschutz, Niedrigwasserregulierung, Stromerzeugung und Erholung und Tourismus. "Hochwasserschutz, Wasserregulierung und Stromerzeugung klappen, was nicht klappt, ist der Tourismus", machte Drexler deutlich: "Dafür brauchen wir sauberes Wasser im und am See". Er erinnerte daran, dass 1987 extra eine Vorsperre gebaut wurde, um den Schlammeintrag in den See zu minimieren. Und er konnte deshalb überhaupt nicht verstehen, dass das Wasserwirtschaftsamt eine Stauraumspülung vorgenommen hat, durch die tausende Kubikmeter Schlamm in den See gelangt sind, obwohl der Fischereiverein "gebetsmühlenartig" davor gewarnt habe.

Schwerwiegende Folgen

Die ökologischen Folgen mit Fisch- und Artensterben und dem hohen Nährstoffeintrag, der die Algenblüte fördere, seien verheerend und hätten die Anstrengungen um die Gewässerreinhaltung wieder um Jahre zurückgeworfen. "Wenn dieser Stausee in Oberbayern wäre, wäre schon alles längst geregelt", gab sich Drexler verbittert. Detailliert ging Robert Bäumler, der Gewässer- und Naturschutzbeauftragte des Fischereivereins, unter der Überschrift "Sinn, Unsinn, Starrsinn" auf die Wasserkraftanlage an der Vorsperre ein stellte den Nutzen von Pilotanlagen in Frage Er beleuchtete die Themen Algenblüte, Rechtsstretigkeiten, Fischaufstiegshilfe, Stauraumspülung und Artensterben (wir berichteten wiederholt).

Für Hubert Aiwanger ist die Verbesserung der Wasserqualität zur touristischen Nutzung "der springende Punkt". Er erkundigte sich nach Lösungsmöglichkeiten, die laut Drexler "ein Mix aus verschiedenen Ansätzen" sein müssen. Diskutiert wurde dabei auch das Thema "Oberflächenablauf und Minimierung von Schadstoffeinträgen". Bei der Ortseinsicht an verschiedenen Stellen des Stausees zeigte sich Aiwanger schockiert über die dicke Algenbrühe am See und am Ufer. "Für die Umwelt, für Mensch und Tier und für den Tourismus ist das eine Schweinerei, die man nicht länger dulden kann", stellte er fest. (Seite 19)

Angeln im Stausee

Michael Throner, Vorsitzender des 480 Mitglieder zählenden Fischereivereins, der einen Jahresumsatz von rund 100 000 Euro macht, hob die Bedeutung des Eixendorfer Stausees für den Tourismus heraus. Demnach kommen etwa 60 Prozent der Urlauber wegen dem Angeln, was allein bei den Angelscheinen für den See einen Umsatz von etwa 40 000 Euro ausmacht. Aber auch zum Grillen, Wandern und an den Badeplatz kämen zahlreiche Urlauber. Doch wenn im Juli die Algenblüte einsetzt, sei alles gelaufen. Throner stellte auch die umfangreichen Anstrengungen des Fischereivereins zur Gewässerpflege heraus, die nun über Jahre hinweg in Folge des Kraftwerksbaus und der damit verbundenen Maßnahmen zunichte gemacht seien. (kö)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.