Blauer Montag unterhält mit "Himmlisches und Höllisches"
Beethoven-Maske und Barock-Mensch

Mit viel Humor und vollem Einsatz überraschte Karl Stumpfi (links) die Gäste beim Blauen Montag des Kunstvereins "Unverdorben" mit "Himmlisches und Höllisches". Die Texte wurden von den drei Musikern Klaus Götze, Jürgen Zach und Franz Schöberl (von links) begleitet. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
02.12.2016
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Auf der Zielgerade des vierten Kunstherbstes warteten die "4 Unverdorbenen" am Blauen Montag mit satirischen Texten und handgemachter Musik auf. Die Zuhörer bekamen "Himmlisches und Höllisches" geboten.

"Mit Musik, Theater, Malerei und Chorgesang haben wir uns im Kunstherbst auf einen kreativen Weg gemacht", so hieß die Vorsitzende des Kunstvereins "Unverdorben", Beate Seifert, die Fans des Blauen Montags in der "Goldenen Gans" willkommen. Sie stellte das "unverdorbene Quartett" mit den Musikern Klaus Götze (Gitarre), Jürgen Zach (Gitarre, Bass, Gesang) und Franz Schöberl (Akkordeon) sowie Karl Stumpfi als Rezitator und "Meister des hintergründigen Humors" vor.

"Himmlisches und Höllisches", so war der Abend überschrieben, der mit dem Blues "Stormy weather" seinen Anfang nahm. Mit Beethovens "Freude schöner Götterfunken" aus der 9. Symphonie, allerdings in einer Dreivierteltakt-Version, wurde die Glosse "Die Beethoven-Maske" des Wiener Kaffeehausliteraten Alfred Polgar eingeläutet. Als beliebter Wandschmuck eigneten sich die Porträts von Beethoven auch zur Verdeckung von Wandschäden, trug Karl Stumpfi vor.

Mit einem "Bayrischen", gespielt von der "Unverdorben-Combo", gelang die Überleitung zu Eugen Roths Gedicht "Vorsicht Mitmenschen!". Der unterhaltsame Abend fand mit dem Filser-Brief "Politische Gedanken über die Religion" von Ludwig Thoma besondere Akzentuierung. Rezitator Karl Stumpfi setzte die Pointen durch ausdrucksstarken Vortrag und Gestik sowie Mimik geschickt in Szene und drückte ihnen seinen ureigenen, unverwechselbaren Stempel auf.

"Die einzige Religion, die wo was gilt, falls man sie besitzt, ist die katholische", trug Stumpfi vor. Die vornehmsten Zeichen der Katholischen Kirche seien Beichtzettel und Stimmzettel. Vom bayerischen und österreichischen Dialekt wechselte Stumpfi blitzschnell zur "Berliner Schnauze". Nach dem Lied "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" rezitierte er die Reise-Impressionen des österreichischen Literaten Egon Fridell bei einer Stippvisite in Berlin mit dem Titel "Ein Wiener Barockmensch in Berlin". Nach dem Musik-Klassiker "Bei mir bist du scheen" gab Stumpfi die Anekdote "Von Rebbe Grün" von Friedrich Torberg zum Besten.

Mit weiteren lustigen, hintergründigen oder auch nachdenklichen Texten von Bert Brecht, Karl Valentin, Rudolf Stürzer, Fritz Grünbaum und Gerhard Polt zeigte der Vortragskünstler eine große Bandbreite auf. Mit passenden Liedern, Zwiefachen und Gstanzln von Jürgen Zach ergänzten die exzellenten Musiker die vorgetragenen Texte und sorgten dafür, dass der Abend wieder zu einem besonderen Erlebnis wurde. Mit einigen Zugaben und dem Sperrstunden-Blues wurde das begeisterte Publikum verabschiedet.
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