09.07.2017 - 16:36 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Festspiel "Vom Hussenkrieg" feiert Premiere Letzte Schlacht für Nikol Putz

Im 35. Jahr hat das Neunburger Festspiel nichts von seiner Faszination verloren. Vielfältige Elemente einer gewaltigen Gemeinschaftsleistung bedingen den Erfolg. Für einen ist der Hussenkrieg bald vorbei.

Das Ensemble am Schluss seiner spielerischen Glanzleistung bei der Premiere 2017. Bilder: lg (4)
von Georg LangProfil

Bei herrlichem Sommerwetter ging am Samstag die Premiere des Neunburger Historienspiels "Vom Hussenkrieg" über die Bühne. Das hochmotivierte Ensemble von über 150 Mitwirkenden bot unter der Regie von Nikol Putz ein gewohnt dynamisches Spiel, bei dem die Pferde der Hussiten über die Spielarena preschten, Waffengeklirr oder Feuerfontänen die Szene prägten, aber andererseits auch nachdenkliche und tiefschürfende Dialoge sowie die Klänge der Hofmusikanten das Spiel bestimmten.

21 Jahre im Einsatz

Bürgermeister Martin Birner begrüßte nicht nur den Schirmherrn Matthias Keller-Mey, stellvertretender Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, sondern ein zahlreiches Publikum, das die verbesserte Akustik des neuen Zeltdaches genießen konnte. Diese mondän wirkende Konstruktion gilt als Bereicherung für die Inszenierung, die heuer - nach 21 Jahren Einsatz in Neunburg - letztmals unter der Regie von Nikol Putz erfolgte. Dieser hat während seiner Jahrzehnte langen Verbundenheit mit der Pfalzgrafenstadt das Stück von Peter Klewitz weiterentwickelt und in vielen Details ausgestaltet. Ihm gelang es auch die Spieler zu Höchstleistungen zu motivieren und neue Ensemblemitglieder zu integrieren. Die Geschichte der Hussitenkriege im ausgehenden Mittelalter setzt die Neunburger Spielerschar in ein lebendiges Theaterstück um. Zur Strukturierung des Bühnengeschehens im Burghof vor der Stadtpfarrkirche trägt der Erzähler Alexander Malterer bei, der dem Publikum mit hilfreichen Informationen den szenischen Zusammenhang vermittelt oder auch kommentierend wirkt.

Lebendiges Spiel

Vertraute Lebendigkeit bringt zum Auftakt der Streit der Neunburger Bürgerinnen ins Spielgeschehen, wobei hier bereits durch die Bedrohung der Hussiten Nervosität aufkommt ebenso wie bei der folgenden Sitzung des Stadtrats. Das Agieren des Pfalzgrafen (Peter Pauly) ist ebenso authentisch wie die Versammlung der Ritter aus der Umgebung. Den wild agierenden Hussiten, die publikumswirksam in Szene gesetzt werden, wird eine stimmige Erklärung für ihre gefürchteten Einfälle in der Oberpfalz in den Jahren um 1433 zuteil. Die konfliktreichen politischen und religiösen Ideen auf böhmischer und deutscher Seite erfahren eine ausgewogene Vermittlung.

Tragisch endet das Spiel für den 70-jährigen Ritter Hans Zenger (Franz Binder), dessen Sohn einst von der hussitischen Lehre überzeugt wurde und jetzt in einer mentalen Anspannung von seinem Vater im Kampf erschlagen wird. Erkennbar tragen zum dynamischen Spielgeschehen die guten Geister hinter der Bühne bei. Technik, Bühnenbau, Requisite, Kostüme, Maske, Spielleiter Hans-Werner Habel und der Vorsitzende des Festspielvereins, Helmut Mardanow, erbringen bei diesem Neunburger Mammutprojekt eine gewaltige Leistung.

Termine

Weitere Aufführungen jeweils um 21 Uhr sind am 15., 16., 21. und 28. Juli sowie am 4. und 5. August. Die Karte kostet an der Abendkasse 15 Euro, im Vorverkauf 13 Euro, ermäßigt 8,50 Euro bzw. 6,50 Euro. Info und Karten unter www.neunburg.de. (lg)

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