11.05.2018 - 16:48 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neue Ausstellung beleuchtet regionale Aspekte des Dreißigjährigen Krieges Friedensbotschaft mitnehmen

Der große Krieg reißt ganz Europa in seinen Strudel und hinterlässt auch in der Oberpfalz verbrannte Erde. Einen lokalen Blick auf die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs wirft die neue Sonderausstellung im Schwarzachtaler Heimatmuseum. Für Bürgermeister Martin Birner erfüllt sie einen aktuellen Auftrag.

Die Sonderausstellung "Dreißigjähriger Krieg in Neunburg" ist bei der Eröffnung auf großes Interesse gestoßen. Dokumente, Gemälde, Kupferstiche, Waffen und Rüstungen vermitteln den Besucher einen Eindruck des damaligen Geschehens.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

"Lernen wir aus Geschichte?", diese Frage stellte Birner an die Besucher der Ausstellungseröffnung. Denn ihm käme es so vor, als würden die Menschen in frühere Zeiten zurückfallen: "Einzelne versuchen die Welt zu bestimmen, und viele schauen zu." Er rief dazu auf, die Botschaft dieser Ausstellung um Frieden mitzunehmen und nach außen zu tragen. Sein Dank galt dem Arbeitskreis Museum für das Engagement sowie Bernhard und Johannes Lober für die finanzielle Unterstützung. Ein Bläserquartett der Stadtkapelle begleitete die Eröffnung musikalisch.

"Geschichte viel konkreter"

Es sei gute Tradition, dass das Museum jährlich mindestens eine Sonderausstellung präsentiert, führte Museumsleiter Theo Männer aus. Die Präsentation mit örtlichem Fokus auf den Dreißigjährigen Krieg habe er gemeinsam mit Heimatpfleger-Kollege Karl-Heinz Probst (Neukirchen-Balbini) konzipiert, die Umsetzung lag in den Händen des Arbeitskreises. Eine Vielzahl neuer historischer Kenntnisse sei in die Ausstellung eingeflossen: "Die Neunburger Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs ist nun viel konkreter als bis dato bekannt."

Männer lieferte zunächst einen allgemeinen historischen Abriss des Kriegs, der 1618 - vor 400 Jahren - als Religionskrieg begann und 1648 als machtpolitische Auseinandersetzung europäischer Großmächte endete. Eigentlich seien es vier Kriege gewesen, die hauptsächlich auf deutschem Boden tobten: Der Böhmisch-Pfälzische Krieg (1618 bis 1623), der Dänisch-Niedersächische Krieg (1624 bis 1629), der Schwedische Krieg (1630 bis 1636) und der Schwedisch-Französische Krieg (1635 bis 1648). Danach lag Deutschland am Boden: 300 Städte, 2000 Dörfer und 200 Schlösser seien zerstört und ein Drittel der Bevölkerung umgekommen.

Mit der Sonderausstellung sollen die Kriegsereignisse in den örtlichen Kontext eingeordnet werden. Blickfänge sind in den Fensternischen zwei Rüstungen, dazu sind Kanonenkugeln aufgebaut und ein Hintergrund zeigt "Die Bayern vor Neunburg", ein historischer Kupferstich von 1806. Karl-Heinz Probst stellte eine detaillierte Chronologie des Krieges für den Raum Neunburg zusammen. Mit welcher Ausrüstung die Soldaten kämpften, verdeutlichen mehrere Stangenwaffen in den Schaukästen, darunter Hellebarde, Morgenstern und Fangeisen, die aus der Militaria-Abteilung des Museums Eingang in die Ausstellung gefunden haben.

Kampf mit Hellebarde

In insgesamt sechs Vitrinen werden die Themenbereiche "Kriegsanfänge", "Neunburg im 30-jährigen Krieg", "Feldherrn und Kriegskunst", "Gelehrte, Literaten und Landrichter", "Die Schrecken des Krieges" und "Der Friede und die Folgen" behandelt. Zu entdecken sind unter anderem Dokumente über Einquartierungskosten, die Bewaffnung der Stadt und das Treiben der Soldaten in den Dörfern.

Unter anderem der Fall des Michl Dürmayer, dem auf der Rammühle der "Schwedentrunk", eine ekelhafte Flüssigkeit aus Jauche, Urin, Kot und Schmutzwasser, gewaltsam eingeflößt wurde. Die Besucher begegnen dem Werk des bei Neunburg geborenen Barockdichters und Journalisten Georg Greflinger, der ein Versepos über den Krieg verfasste. Am 13. Juni wird ihn Peter Pauly, Mitglied des Museumsarbeitskreises, bei einem Vortrag gesondert vorstellen. Ein Foto am Raumpfeiler zeigt das Gemälde der Belagerung Neunburgs 1641 von Peter Snayers. Das Original befindet sich im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien.

Katholisch gemacht

Das Kapitel "Gegenreformation" bleibt nicht ausgespart: In Neunburg sollten Jesuiten, Prämonstratenser, Paulaner und Franziskaner die Bevölkerung rekatholisieren. Und beim "katholisch machen" war man nicht zimperlich: Nichtkatholiken mussten damals das Land verlassen, auch die Güter in Kröblitz, Thanstein, Katzdorf und Pettendorf wurden enteignet.

Die Sonderausstellung "Dreißigjähriger Krieg in Neunburg vorm Wald" wird bis Ende September zu sehen sein. Das Schwarzachtaler Heimatmuseum ist ab sofort wieder regelmäßig Sonntag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie Mittwoch von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Neunburger Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs ist nun viel konkreter als bis dato bekannt.Museumsleiter Theo Männer

Kriegsereignisse

1619: Die Stadt leiht König Friedrich V. 4000 Gulden für den Feldzug in Böhmen. 1620: Eine Liechtensteinische Akebusierkompanie wird in Neunburg gemustert und versorgt. 1624: Wegen Gerste-Mangel werden 100 Sud Bier weniger als üblich gebraut. 1630: Ausbruch der Pest in Neunburg.1634: Plünderung der Stadt. 1641: Die Hälfte der Felder liegt brach, weil das Saatgut fehlt. 1648: Kaiserliche Truppen hausen in der Vorstadt. (mp)

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